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Forschungsprojekt zur chemischen Nutzung von Holz

15 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft erproben in einer Pilotanlage einen neuen Ansatz zur umfassenden Nutzung von Holz.

Die Lignocellulose-Bioraffinerie führt zu neuen Produkt- und Verarbeitungsmöglichkeiten: Ein Projektteam unter Koordination der Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.) entwickelt seit 2007 mit finanzieller Unterstützung des BMELV die Lignocellulose-Bioraffinerie.

Ziel des Vorhabens ist es, aus Holz Cellulose, Hemicellulose und Lignin in möglichst reiner Form zu gewinnen und zu verwerten.

Darüber hinaus sollen für Lignin neue Verarbeitungs- und Produktmöglichkeiten entwickelt werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), mit insgesamt 8,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm "Nachwachsende Rohstoffe".

Bestätigen sich die positiven Erfahrungen in der Pilotanlage, wäre der Bau einer großtechnischen Lignocellulose-Bioraffinerie der nächste Schritt auf dem Weg zur industriellen Nutzung dieser neuen Technologie.

Rohstoff Holz

Holz, bekannt als vielseitiger Werk- und Baustoff, besteht chemisch im Wesentlichen aus drei Komponenten:

  • Cellulose (40 – 50 Prozent): Sie wird  bei der Herstellung von Papier, Karton oder Chemiefasern wie Viskose oder Rayon benötigt.
  • Hemicellulose (20 – 35 Prozent): Aus Hemicellulose werden in geringerem Umfang verschiedene Chemikalien wie Furfural gewonnen, aus dem sich synthetische Kunststoffe, Lösemittel und viele Grundchemikalien herstellen lassen. Hemicellulosen sind als Rohstoffe jedoch auch für Biokraftstoffe interessant, da sie biotechnologisch in Ethanol umgewandelt werden können.
  • Lignin (20 – 30 Prozent): Für Lignin gab es bislang so gut wie keine Verwendungsmöglichkeiten.

Nach dem Stand der Technik werden heute der Rohstoff Holz oder Materialien wie Stroh aufgeschlossen, um die drei Komponenten getrennt zu gewinnen. Dabei wird die Cellulose verwertet und der überwiegende Rest in der Regel als Abfall entsorgt oder zur Energiegewinnung genutzt.

Lignin als umweltfreundlicher Phenol-Ersatz

Im Laufe eines ersten Projektes von 2007 bis 2009 entwickelten die Arbeitsgruppen das so genannte Organsolv-Verfahren weiter, so dass nun mit einem einzigen Aufschlussmedium die drei Komponenten Cellulose, Hemicellulose und Lignin in einer bislang nicht erreichten Qualität und Reinheit gewonnen werden können. Die Bausteine Cellulose und Hemicellulose lassen sich anschließend in Zucker (Glucose und Xylose) umwandeln, der wiederum den Ausgangsstoff für vielfältige chemische oder biotechnologische Prozesse darstellt.

Für den bisherigen Reststoff Lignin wurden Einsatzmöglichkeiten gefunden, die in künftigen Projekten weiter entwickelt werden: Viel versprechend sind Lignin-Produkte vor allem im Werkstoff- und Bindemittelbereich, zum Beispiel als umweltfreundlicher Ersatz für den bisher in Holzwerkstoffen eingesetzten Bindemittel-Bestandteil Phenol. In jüngster Zeit dient Lignin aber auch direkt zur Herstellung von Biokunststoffen, die mit den klassischen Verfahren der Kunststoffindustrie verarbeitet werden.

Ökologische und ökonomische Bewertung

Ziel des ersten Projektabschnitts war auch eine ökologische und ökonomische Bewertung. In punkto Ökologie schnitt die Bioraffinerie in den Punkten Klimaschutz, Versauerung und Eutrophierung im Vergleich zu Referenzprozessen besser ab. Bei der ökonomischen Bewertung zeigte sich, dass die Wirtschaftlichkeit insbesondere von der erfolgreichen Vermarktung des Lignins bzw. seiner Produkte abhängen wird. Gelingt es, das in großer Menge anfallende Lignin zu verwerten, ist die Rentabilität des Prozesses bereits gegeben.

Anwendung der Ergebnisse in der Praxis

Nach der Prüfung der technischen Machbarkeit und der ökologischen und ökonomischen Fragen sollen in dem im Juni 2010 startenden zweiten Projekt die Methoden nun in größerem Maßstab überprüft werden. Dazu errichten 15 namhafte Partner wie etwa Bayer, Evonik oder die Fraunhofer-Gesellschaft (s. u.) unter Koordination der Dechema bis Ende 2012 eine Pilotanlage im Chemiepark Leuna in Sachsen-Anhalt.

Der Forschungsverbund


Der Forschungsverbund besteht aus den nachfolgend ersichtlichen Teilvorhaben, für die die entsprechenden Partner verantwortlich sind.
Vorhaben Nr.InhaltZuwendungsempfänger Förder-
kenn- zeichen
1Projektkoordination und ProjektdokumentationDECHEMA - Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie e.V.22029508
2Pilotanlage, Aufschluss, Komponenten­trennung, LigninverwertungUniversität Hamburg22019009
3Ökonomisch-ökologische Bewertung, RohstoffalternativenJohann Heinrich von Thünen-Institut Bundes­forschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei - Institut für Ökonomie der Forst- und Holzwirtschaft22019109
4Pilotanlage, Aufschluss, Komponententrennung, Zucker- und LigninverwertungFraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (FhG) - ICT22019209
5Pilotanlage, Zucker- und Ligninverwertung, BiotechnologieFraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (FhG) - IGB22019309
6Aufschluss, Komponententrennung, ZuckerverwertungTechnische Universität Kaiserslautern22019409
7Ökonomisch-ökologische Bewertung, Stoff- und Energiestrommodellie-rungKarlsruher Institut für Technologie (KIT)22019509
8Ligninverwertung, BiotechnologieJustus-Liebig-Universtät Gießen22019609
9Verfahrenstechnische Untersuchungen und Begleitung vom Konzept zur RealisierungBayer Technology Services GmbH22019709
10Bewertung von Hydrolysaten, Technologie und Ökonomie, NachhaltigkeitEvonik Degussa GmbH - Creavis Technologies & Innovation - Science to Business Center22019809
11Ligninverwertung, Duromere, Technologie und ÖkonomieDynea Erkner GmbH22019909
12Ligninverwertung, Thermoplaste, Technologie und ÖkonomieTECNARO Gesellschaft zur industriellen Anwendung nachwachsender Rohstoffe mbH22020009
13Pilotanlage, Bau und BetriebInfraLeuna Infrastruktur und Service GmbH22020109
14Ligninverwertung, Biotechnologie, Technologie und ÖkonomieWacker Chemie AG - Consortium für elektrochemische Industrie

 

22020209

15Pilotanlage, Bau und Betrieb, FuEFraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (FhG) - Projektgruppe Leuna22022109

Weitere Informationen zu den Teilprojekten stehen unter www.fnr.de im Menü "Projekte & Förderung" unter den jeweiligen Förderkennzeichen bereit.

 

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