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"Jeder einen Liter mehr"

Thüringer Allgemeine

Datum:
26.03.09

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner im Gespräch: Die aktuelle Lage auf dem Milchmarkt und die Gentechnik-Diskussion.

Frage: Die Preise für Milch und Butter sind auf historischen Tiefstständen. Freut Sie das als Verbraucher- oder grämt Sie das als Agrarministerin?

Antwort: Es ist immer wichtig, eine ausgewogene Mischung zu haben. Der Verbraucher hat nicht nur ein Interesse an niedrigen Preisen, sondern auch daran, dass die Rohstoffbasis auf Dauer gesichert ist. Es gibt aber Grenzen, unter denen ein Bauer nicht mehr produzieren kann. Denen sind wir bedrohlich nahe.

Frage: Und schon darüber?

Antwort: Das ist regional unterschiedlich. Die Auszahlungspreise der Molkereien schwanken zwischen 18 und 30 Cent.

Frage: Der Thüringer Bauer bekommt 25 Cent je Liter, zehn Cent weniger als beim Milchboykott. Droht neuer Streik?

Antwort: Ich bin nicht sicher, ob die Bauern noch einmal einen Boykott organisieren. Schließlich hat der letzte ja auch nicht bewirkt, dass die Preise dauerhaft gestiegen sind.

Frage: Was treibt die EU dazu, die Milchquote noch zu erhöhen?

Antwort: Ich habe dagegen appelliert, aber wir haben in dieser Frage keinen Konsens gefunden. Wir müssen jetzt überlegen, wie wir den Bauern auf nationaler Ebene helfen können.

Frage: Wie könnte das gehen?

Antwort: Die Erzeuger könnten sich auf einen geringeren Kraftfuttereinsatz einigen, um die Milchmenge zu senken. Oder man steigert den Absatz, etwa durch mehr Verzehr. Wenn jeder im Land einen Liter mehr pro Woche trinkt, machte das 15 Prozent der Quotenmenge aus.

Frage: Wie wär's mit Schulmilch?

Antwort: Ich bin für das Schulmilchprogramm. Die Länder müssen das umsetzen. Ich habe die Bereitschaft der EU-Kommission erreicht, hier die Produktpalette zur Verbesserung der Attraktivität zu erweitern.

Frage: Schulmilch kostenlos?

Antwort: Vergünstigt.

Frage: Ein anderes Thema der Branche ist der Genmais. Sollte der Anbau in Deutschland generell verboten werden?

Antwort: Ich bin an Recht und Gesetz gebunden. Monsanto hat eine Zulassung mit Monitoringauflagen. Wir prüfen derzeit, ob diese erfüllt sind oder ob es neue wissenschaftliche Erkenntnis gibt.

Frage: Aber sie würden ein Verbot befürworten?

Antwort: Wenn ich rechtlich haltbare Gründe dafür bekomme.

Quelle: Thüringer Allgemeine

Interview mit:
Bundesministerin Ilse Aigner

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