CSR und Verbraucher - eine neue Kultur des Zusammenwirkens
In der Sozialen Marktwirtschaft gehören Produktion und Konsumtion zusammen. Unternehmen und Verbraucher stehen sich im Grundsatz auf Augenhöhe gegenüber.
Staatssekretär Dr. Robert Kloos über verantwortungsbewussten Konsum und entsprechende Informationsangebote des BMELV für Verbraucher, Quelle: Bundesregierung / Bergmann
Aber so wichtig Herstellung und Kauf von Gütern, wirtschaftlicher Wohlstand und Warenfülle sind: Gutes Leben ist mehr. Unabdingbar dazu gehört auch die Übernahme von Verantwortung im Marktgeschehen. Freiwilliges Engagement für andere und die ethische Verpflichtung für Welt und Umwelt ergänzen das rein wirtschaftliche Geschehen. Das hat in Deutschland Tradition.
Mit dem Ansatz der Corporate Social Responsibility (CSR) übernehmen Unternehmen freiwillig neue Verantwortung und engagieren sich in ihrem Geschäftsfeld dort, wo wirtschaftliche, ökologische oder soziale Probleme gelöst werden müssen. Dies sorgt auch für mehr unternehmerisches Ansehen und Reputation.
Aber auch Verbraucher übernehmen als "Consumer Social Responsibility" immer mehr Verantwortung für ihren Konsum und die Bedingungen, unter denen Waren und Dienstleistungen hergestellt werden. Deutlich informierter als früher stellen sich immer mehr der Herausforderung, über den reinen Konsum hinaus als Wirtschaftsbürger Unternehmen nach ihrem CSR-Engagement in den verschiedenen Sphären des Öffentlichen positiv zu bewerten oder entsprechend zu kritisieren. Das kann eine Kaufentscheidung durchaus beeinflussen.
Engagierte Verbraucherinnen und Verbraucher wollen heute wissen, ob Unternehmen am Produktionsstandort hier oder auch fernen Regionen dieser Erde für angemessene Arbeitsbedingungen und Entlohnungen sorgen oder sich dafür gleichgültig zeigen. Sie wollen wissen, ob Kaffee, Tee, Kakao, Bananen, Blumen und andere Waren unter ökologisch und sozial akzeptablen Bedingungen hergestellt und fair gehandelt werden. Und sie wollen wissen, ob Unternehmen sich im eigenen Land bei gesellschaftlichen Problemlagen engagieren, beispielsweise für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bessere (Aus-) Bildungsbedingungen, stärkere Integration, breitere Kultur vor Ort, mehr Gesundheit und richtige Ernährung. So nimmt die "Moralisierung der Märkte" zu, und "strategischer Konsum" findet immer mehr Anhänger. Damit sind erste Ansätze eines gesellschaftlichen Wandels zu einer Nachhaltigkeitskultur zu erkennen, bei der Verbraucher die Anstrengungen von Unternehmen, honorieren, die Umwelt-, Tierschutz-, und Sozial gerecht produzieren.
Unterstützt werden die Verbraucherinnen und Verbraucher dabei einerseits von der Bundesregierung, den Verbraucherzentralen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, andererseits von der rapiden technologischen Entwicklung. Neben den gewohnten Medien von Zeitung bis Fernsehen kommen den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor allem die umfangreichen Webseiten des Internets und neuerdings die (Smartphone-)App zugute.
Auch wenn die Gründe für das Kaufverhalten vielschichtig sind: Ausreichende Information und umfassende Verbraucherbildung sind das A und O für den "mündigen Verbraucher", dem Leitbild unserer Sozialen Marktwirtschaft. Inspiriert durch den CSR-Prozess auf der Ebene der Europäischen Union und gestützt auf die Nationale CSR-Strategie der Bundesregierung Deutschlands hat das Verbraucherministerium Projekte initiiert, die für Verbraucherinnen und Verbraucher zu übersichtlicher Information und intensiver Bildung in diesem Bereich beitragen.
Dazu gehören neben allgemeinen CSR-Informationsbroschüren vor allem spezielle Projekte, die Theorie und Praxis zusammenbringen. So wurden in Zusammenarbeit von Ministerium und Bildungsträgern CSR-Unterrichtseinheiten entwickelt, die großen Zuspruch finden, denn Bildung wirkt dann besonders gut, wenn sie frühzeitig einsetzt. Diese Medienpakete "MitVerantwortung" beinhalten methodisch-didaktische Texte, Arbeitsblätter, interaktive Tafelbilder, Overhead-Folien sowie CSR-Kurzfilme (Videos) und eine internetgestützte CSR-Materialbank für Lehrer und Jugendliche/Schüler in den unterschiedlichen Jahrgängen und Schultypen. Dieses umfassende, mehrteilige CSR-Bildungsprojekt im Rahmen der Verbraucherinformation wurde mit dem Comenius-EduMedia-Preis ausgezeichnet, ebenso auch von der Deutschen UNESCO-Kommission - das CSR-Projekt "MitVerantwortung" ist damit offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung".
Aber auch Etablierung und Reichweite neuer Informationswege im Verhältnis von Unternehmen und Verbrauchern werden in einem CSR-Projekt des Ministeriums untersucht. So beginnen Unternehmen inzwischen, über den Bereich CSR direkt die Verbraucherinnen und Verbraucher anzusprechen und mit Informationen zu versorgen, damit diese bei ihrem Konsumverhalten mehr Eigenverantwortung übernehmen können. Solche neue CSR-Kommunikation zeigt sich in den Energiesparportalen von Energieunternehmen oder in Werbebotschaften mit Hinweisen zum umweltschonenden Fahren durch Automobilhersteller. Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit von CSR werden gerade durch solche Verbraucherkommunikation in der Öffentlichkeit gestärkt.
Das Bundesministerium hat sich zum Ziel gesetzt, verbraucherorientierte CSR-Kommunikation und weitere Beiträge zur CSR-Verantwortung von Unternehmern und Konsumenten zu unterstützen vor dem Hintergrund der europäischen und nationalen CSR-Strategien. Denn diese neue Kultur des Zusammenwirkens von Unternehmen und Verbrauchern mit der Übernahme neuer Verantwortung in Freiwilligkeit dient der besseren gesellschaftlichen Integration und wirtschaftlichen Innovation - und damit letztlich der Lebensqualität für uns alle.

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