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Pressestatement von Bundesministerin Ilse Aigner zum Abschluss des
Internationalen Agrarministergipfels

16. Januar 2010 in Berlin

"Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich über das große Interesse, das dieser Agrarministergipfel bei nationalen wie internationalen Medien gefunden hat.

Die beachtliche Resonanz liegt zum einen an der Teilnahme von etwa 50 Staaten, deren Vertreter hier in Berlin die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren - zum anderen aber auch an der Brisanz des Themas: Durch den fortschreitenden Klimawandel werden sich die Anbaubedingungen in den nächsten Jahrzehnten in der ganzen Welt dramatisch verändern. Niemand kann vor dieser Entwicklung die Augen verschließen – niemand kann sagen, er kenne nicht die Dimension des Problems.

Europas Bauern werden in Zukunft viel häufiger als bisher mit Stürmen, Starkregen und Überschwemmungen zu kämpfen haben. In anderen Regionen der Erde dagegen wird Landwirtschaft in Zukunft überhaupt nicht mehr möglich sein.

Wenn wir hier nicht umdenken, werden wir Millionen von Bauern - insbesondere in der Dritten Welt - langfristig ihre Existenzgrundlagen rauben.

Der heutige Agrarministergipfel 2010 war ein starkes Zeichen dafür, dass die für Ernährung und Landwirtschaft zuständigen Minister dieser Welt sich Ihrer Verantwortung bewusst sind – und diese auch wahrnehmen und ausfüllen wollen.

Dabei knüpfen wir hier und heute an unseren ersten Agrarministergipfel an, zu dem ich im letzten Jahr eingeladen hatte. 2009 haben wir den Fokus auf die Welternährung gelegt und konnten wichtige Anstöße geben für die weiteren internationalen Entscheidungen.

Der Zielkonflikt liegt auf der Hand: Weltweit leiden bereits heute eine Milliarde Menschen an Hunger. Und die Weltbevölkerung und damit die Zahl der Notleidenden wächst rapide. Jeder Mensch hat ein Recht auf Nahrung. Doch: Um im Jahr 2050 alle Menschen auf unserem Planeten mit Lebensmitteln zu versorgen, muss das verfügbare Angebot an Nahrungsmitteln um 70 Prozent gesteigert werden – das bedeutet nicht nur höhere Produktion, das bedeutet auch: Wir müssen Ernte- und Lagerungsverlusten vermeiden.

Einerseits muss die Agrarwirtschaft in Zukunft weltweit mehr produzieren, um möglichst alle Menschen ausreichend zu versorgen. Andererseits müssen wir aber auch alles daran setzen, die Klimabelastung zu begrenzen – sind doch die Landwirte Verursacher und Leidtragende zugleich. Auch dies wurde heute von niemandem in Zweifel gezogen.

Berlin 2010 ist der Startschuss für eine weltweite Klimaschutz-Initiative im Agrarsektor. Wir Agrarminister wollen dort weitergehen, wo die Staatengemeinschaft in Kopenhagen vorerst Stopp gemacht hat – beim Einstieg in konkrete Arbeitsaufträge für einen wichtigen Sektor.

Alle Teilnehmer verlassen diese Konferenz und werden zu Hause nach Möglichkeiten suchen, wie sie ganz individuell ihre Landwirtschaft so umgestalten können, dass sie ein Optimum an Klima- und Umweltverträglichkeit erreichen. Ich nenne das einen 'Klima-Check'.

Ich will es klar sagen: Einfache Antworten oder Patentrezepte gibt es dabei nicht. Sie wissen alle, wie vielschichtig die Produktionsweisen und Probleme in Afrika, in Asien, Europa, Nord- und Südamerika sind. Kurz gesagt: Vietnam ist nicht Vorarlberg.

Wir sprechen hier von völlig unterschiedlichen Bedingungen bei der Tier- und Pflanzenzucht, bei Anbau und Verarbeitung. Auf dem Weg zu mehr Effizienz und Klimaschutz kommen wir deshalb nur weiter, wenn jedes Land mit Hochdruck seinen Agrarsektor analysiert und bei diesem Klima-Check alle klimarelevanten Prozesse auf den Prüfstand stellt.

Grundsätzlich führt es nicht weiter, wenn sich jeder in sein stilles Kämmerlein setzt und versucht, diese Herausforderungen alleine und nur national zu lösen.

Wir haben deshalb heute auch einen multinationalen Prozess eingeleitet, in dem wir voneinander lernen und unseren Austausch intensivieren wollen.

Wir wollen von unseren gegenseitigen Erkenntnissen profitieren. Wir wollen ein globales Netzwerk schaffen, in das jedes Land seine Erkenntnisse beim Klimaschutz einbringen und mit anderen Staaten teilen kann.

Wir sind auf dem richtigen Weg: Berlin ist ein erster Schritt nach Kopenhagen, und ein wichtiger Schritt vor Bonn, wo im Juni die Vertragsstaatenkonferenz zur Klimarahmenkonvention stattfindet. Ich denke auch psychologisch ein wichtiges Zeichen, dass wir Kopenhagen zum Anlass nehmen für ein: 'Jetzt erst recht!'

Wir haben heute zudem die gemeinsame Empfehlung ausgesprochen, ein Arbeitsprogramm zur Landwirtschaft zu erstellen, um in diesem Sektor die Klimaeffizienz der Produktion und die Anpassung an den Klimawandel zu verbessern, ohne dabei die Sicherstellung der Welternährung zu vernachlässigen.

Wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass das Thema auch bei anderen internationalen Prozessen ganz oben auf der Agenda bleibt. So zum Beispiel bei der Agrarministerkonferenz der OECD im Februar in Paris. Auch wird sich die Welternährungsorganisation der FAO auf Basis unserer Erkenntnisse grundlegend mit dem Komplex Welternährung und Klimaschutz befassen.

Mit Blick auf kommende Entscheidungen in den internationalen Organisationen haben wir hier in Berlin also eine wertvolle Basis geschaffen.

Ich danke allen Teilnehmern dieses Gipfels für Ihre Mitarbeit, für Ihr Engagement und ihre Tatkraft. Nur so war es möglich, gemeinsam für uns gültige Schlussfolgerungen für den Landwirtschafts- und Ernährungssektor zu treffen und die globale Diskussion herunterzubrechen auf die einzelnen Nationen."

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