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Tiergesundheit - geht auch den Menschen an

Krankheiten landwirtschaftlicher Nutztiere können den Menschen direkt oder indirekt betreffen. Tierseuchen wie Schweinepest und Maul- und Klauenseuche führen zu dramatischen wirtschaftlichen Verlusten in der Tierhaltung, während Geflügelpest ("Vogelgrippe") und BSE als Zoonosen auch auf den Menschen übergehen können.

Das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), betreibt Forschung zur Verhinderung und Bekämpfung von Tierseuchen, die für den Menschen und die Landwirtschaft eine Gefahr darstellen.

Geflügelpest ist eine lange bekannte Tierseuche. Relativ neu ist die Erkenntnis, dass es sich dabei um eine Zoonose handelt, das heißt um eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektion. Besondere Bedeutung bekommt dieses an sich seltene Ereignis durch die Möglichkeit der Veränderung des Geflügelpestvirus zu einem hochgefährlichen Pandemieerreger. Die Verhinderung und im Ausbruchsfall schnelle Bekämpfung der Tierseuche ist daher oberstes Ziel. Hierzu verbessert das FLI die Geflügelpest-Diagnostik, entwickelt moderne Markerimpfstoffe und führt Untersuchungen zur Epidemiologie von aviären Influenzaviren sowie zu molekularen Grundlagen der krankmachenden Eigenschaften der Viren bei unterschiedlichen Wirten durch. So zeigten molekulargenetischen Studien des Friedrich-Loeffler-Instituts, dass H5N1 Virus in den letzten beiden Jahren dreimal unabhängig voneinander nach Deutschland eingedrungen ist, davon zweimal 2006 und einmal 2007. Weiterhin zeigte das FLI, dass auch Singvögel und Katzen hochempfänglich für das Virus sind, während Rinder, Schweine und Hunde eine hohe Resistenz aufwiesen. Alle diese Versuche müssen unter Hochsicherheitsbedingungen durchgeführt werden, wie sie das Isolierstallgebäude des FLI auf der Insel Riems bietet.

Blauzungenkrankheit

Seit Sommer 2006 hat sich in Deutschland, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, eine Tierseuche explosionsartig ausgebreitet, die bisher in Mitteleuropa noch nie nachgewiesen wurde, die Blauzungenkrankheit. Sie verursachte besonders bei Schafhaltungen große Verluste. Der Erreger, ein Virus, wird durch Mücken übertragen, die sich vor allem im vergangenen Jahr massiv vermehrt haben. Dies und die Überträgerfunktion einheimischer Mücken konnte durch ein umfangreiches Überwachungsprogramm geklärt werden, in dem das FLI mit den betroffenen Bundesländern und Insektenexperten verschiedener Universitäten zusammen arbeitete. Seit dem Sommer 2008 helfen Impfstoffe, die Krankheit einzudämmen.

Fuchstollwut

Fuchstollwut - die gefürchtete Krankheit früherer Jahre kommt seit Februar 2006 in Deutschland nicht mehr vor. Durch jahrelange umfangreiche Impfungen der Füchse mittels Ködern, die unter wissenschaftlicher Begleitung durch das FLI von den Bundesländern durchgeführt wurden, ist es gelungen, diese Infektion in Deutschland zu tilgen. Allerdings kann keine vollständige Entwarnung gegeben werden: Importierte Fälle aus beliebten Urlaubsländern werden auch weiterhin vereinzelt auftreten. Zudem können Tollwutviren auch von Fledermäusen übertragen werden.

Schweinepest

In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts führte die Schweinepest zu enormen Verlusten in der deutschen Landwirtschaft. Zur Eindämmung der Seuche mussten Millionen von Tieren getötet werden. Seit dem Frühjahr 2007 ist diese Infektion in Deutschland weder bei Haus- noch bei Wildschweinen nachgewiesen worden. Die Bekämpfung der Seuche bei Wildschweinen erfolgte nach einem ähnlichen Prinzip wie bei der Fuchstollwut: der Schluckimpfung mittels Impfstoffen in Ködern. Das FLI entwickelte diese Methode, bei der eine Impfstoffkapsel in einen Futterköder gebettet wird. Auch beim Hausschwein sollen zukünftig Impfstrategien angewendet werden, um im Falle eines Ausbruchs die Tötung von Tieren auf ein Mindestmaß zu beschränken. Das FLI ist hierbei mit den Bundesländern und auf europäischer Ebene aktiv. Außerdem entwickelt das Institut einen Markerimpfstoff weiter.

BSE - bovine spongiforme Enzephalopathie

Ihr erstes Auftreten in Deutschland führte zu einer tiefen Verbraucherkrise. Heute ist sie (fast) kein Thema mehr. Die Fallzahlen gehen seit 2001 deutlich zurück, im Jahr 2007 wurden nur noch vier Fälle verzeichnet. Dazu haben sowohl das Verfütterungsverbot von Tiermehl als auch die Vernichtung von Risikogeweben und die verpflichtenden BSE-Schnelltests beigetragen. Das FLI hat sich zu einem der Zentren der BSE-Forschung entwickelt, wozu auch der kürzlich beendete Tierversuch zur Aufklärung der Erregerverbreitung im natürlichen Wirt beigetragen hat. Wir wissen nun, dass der Erreger nach der Futteraufnahme durch den Darm in das Nervensystem gelangt und sich von dort über das Rückenmark, aber auch in Bauchnerven zum Gehirn hin ausbreitet. Dieser Weg ist langwierig... daher vergehen auch von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit mehrere Jahre.

Fälle wie die BSE-Krise, das Auftreten der H5N1-Vogelgrippe sowie der Schweinegrippe verdeutlichen, dass Tier- und Humanmedizin enger zusammenarbeiten müssen. Es gibt keine Trennung in Tier- und Humangesundheit: Gesundheit geht uns alle an!

Ausführlichere Informationen finden Sie im ForschungsReport 1/2008

Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

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