Elektronenmikroskopische Aufnahme und Schemazeichnung des "Schmallenberg-Virus", Quelle: FLI / Granzow; Jörn
"Schmallenberg-Virus": Aktuelle Informationen
In Deutschland wie auch in benachbarten EU-Staaten wird derzeit vermehrt das Auftreten des "Schmallenberg-Virus" festgestellt. Betroffen sind Schaf- und Ziegenhaltungen, aber auch immer mehr Rinderherden.
Der Schwerpunkt der Fälle liegt bisher in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein, aber auch andere Bundesländer sind betroffen. Außerdem meldeten Frankreich, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, die Niederlande, Spanien und Italien Fälle von "Schmallenberg-Virus", vor allem bei Schafen.
Tagesaktuelle Informationen mit Kartenmaterial und Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie auf der
Erreger erstmalig im November 2011 identifiziert
In den Niederlanden wurde im Sommer 2011 ein Krankheitsgeschehen bei Tieren beobachtet, das man anfänglich für ein neues Aufflammen der Blauzungenkrankheit hielt. Als im Spätherbst auch in Deutschland vergleichbare Fälle beobachtet wurden, hat das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) im November 2011 den Erreger erstmalig identifiziert.
Das Virus gehört zur Simbu-Serogruppe der Orthobunyaviren. Der Erreger wird als "Schmallenberg-Virus" bezeichnet, weil der erste Virusnachweis bei Proben von Tieren aus Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen) gelang. Orthobunyaviren sind bisher in Australien, Asien und Afrika bei Rindern verbreitet. Sie werden von Gnitzen und anderen blutsaugenden Insekten übertragen.
Elektronenmikroskopische Aufnahme des Virus
Forschern des FLI gelang es im März 2012, das Virus erstmals sichtbar zu machen. Die Form ähnelt der anderer Bunyaviren. Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen sind ein wichtiger Schritt zum Verständnis des Schmallenberg-Virus und damit eine Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffes.
Das "Schmallenberg-Virus" kann Rinder, Schafe und Ziegen befallen. Erwachsene Tiere zeigen nur milde Symptome. Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können zeitverzögert Störungen der Fruchtbarkeit, Frühgeburten und zum Teil erhebliche Schäden bei den Neugeborenen auftreten. So wurden in Deutschland zu Beginn des Jahres Lämmer mit zum Teil schweren Missbildungen geboren, seit Februar auch Kälber.
Da das Virus nach bisherigen Erkenntnissen des FLI nicht von Tier zu Tier, sondern über Mückenstiche übertragen wird, ist davon auszugehen, dass derzeit keine Neuinfektionen erfolgen. Die jetzt festgestellten Missbildungen an neugeborenen Tieren gehen zurück auf Infektionen im vergangenen Jahr.
Kein Gesundheitsrisiko für Menschen
Für den Menschen besteht durch das "Schmallenberg-Virus" nach bisheriger Kenntnislage kein Gesundheitsrisiko. Beim Tier relevante Viren stellen generell keine Gefahr für den Menschen dar, soweit es sich nicht um Zoonose-Erreger handelt. Als Zoonosen werden Krankheiten bezeichnet, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können (Bsp. Tollwut).
Aufgrund der Verwandtschaft des "Schmallenberg-Virus" zu Shamonda-, Aino- und Akabane-Virus sehen Forscher kein Risiko für den Menschen. Die Europäische Infektionsschutzbehörde ECDC und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben eine entsprechende Risikobewertung abgegeben.
Risikobewertung des European Center for Disease Prevention and Control (in englischer Sprache)
Entwicklung eines Impfstoffes
Das FLI arbeitet mit Hochdruck an der weiteren Erforschung des in unseren Breiten neuartigen Virus sowie an der Entwicklung eines Impfstoffs. Die am FLI entwickelte Nachweismethode wurde u.a. an Institutionen in Belgien, Frankreich, England, den Niederlanden und Italien weitergegeben. Weiterhin unklar ist, ob es sich um einen Neueintrag dieses exotischen Virus handelt oder ob Orthobunyaviren schon seit längerer Zeit bei Wiederkäuern in Europa vorkommen. Für eine weitere Bewertung dieses Virusfundes sind daher zusätzliche Untersuchungen notwendig.
Orthobunyaviren des Rindes sind in Australien, Asien und Afrika verbreitet und rufen dort in der Regel zunächst nur eine sehr milde Erkrankung hervor. Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können zeitverzögert zum Teil erhebliche kongenitale Schäden, Frühgeburten und Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen auftreten. Akabane-ähnlichen Viren werden hauptsächlich durch Gnitzen (blutsaugende Mücken) übertragen.
Einführung einer Meldepflicht
Der Bundesrat hat am 30. März 2012 eine Änderung Verordnung über die meldepflichtigen Tierkrankheiten beschlossen und damit die amtliche Meldepflicht für das "Schmallenberg-Virus" eingeführt. Die Meldepflicht verpflichtet u.a. die Leiter von Untersuchungseinrichtungen, alle diagnostizierten Fälle zu melden. So können sich die Veterinärbehörden einen umfassenden Überblick über das Krankheitsgeschehen verschaffen, die Ausbreitung beobachten und Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen.
Weitere Informationen
Aktuelle Informationen zum "Schmallenberg-Virus", Antworten auf häufig gestellte Fragen und Kartenmaterial zur Verbreitung des Virus in Deutschland finden Sie auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts.

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