Förderpreis Ökologischer Landbau 2012
Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am 27. Januar 2012 den "Förderpreis Ökologischer Landbau 2012" an drei besonders innovative, biologisch wirtschaftende Betriebe verliehen.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zeichnet drei besonders innovative, biologisch wirtschaftende Betriebe mit dem "Förderpreis Ökologischer Landbau 2012" auf der IGW in Berlin aus, Quelle: BLE
"Mit dieser Auszeichnung möchten wir den Ideenreichtum honorieren, mit dem die Betriebe im Einklang mit den natürlichen Ressourcen tragfähige unternehmerische Konzepte entwickelt und umgesetzt haben", erklärte die Ministerin bei der Preisverleihung. Die Betriebe aus Bayern und Schleswig-Holstein hätten das Wirtschaften in Kreisläufen und eine nachhaltig ökologische Erzeugung besonders überzeugend umgesetzt.Der Preis wird seit 2001 an Betriebe vergeben, die erfolgreich ökologisch wirtschaften und mit innovativen Konzepten überzeugen. Er ist mit insgesamt 22.500 Euro dotiert.
Für den "Förderpreis Ökologischer Landbau" (FÖL) 2012 haben sich insgesamt 68 Betriebe beworben. In diesem Jahr hat sich die Jury für eine ranglose Preisvergabe entschieden, weil ihr wegen unterschiedlichster Bereiche und Konzepte in der Bewerbung eine Abstufung nicht möglich erschien. So erhält jeder Siegerbetriebe ein Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro.
Die Preisträger 2012
Demeter-Gärtnerei Obergrashof in Bayern
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigne, die Betriebsleiter Julian Jacobs und Peter Stinshoff (links) sowie einige Mitarbeiter vom Obergrashof , Quelle: BLE
Der nach Demeter-Richtlinien arbeitende Obergrashof, 25 km vor München im Dachauer Moos gelegen, hat sich seit Pachtbeginn (Eigentümer ist die Stadt München) im Jahr 1992 von anfänglichen fünf ha und drei Mitarbeitern auf heute 113 ha und 30 Mitarbeitern entwickelt. Auf 55 ha der Ackerfläche stehen Gemüsekulturen, der Rest ist mit Futter– und Getreidebau belegt. Nachhaltigkeit heißt hier für den Obergrashof: Vielfalt – und zwar im Hauptfruchtanbau (es werden über 100 Sorten Feld– und Feingemüse angebaut), im Zwischenfruchtbau und im Feldrandbereich, der mit vielen Blühstreifen, Hecken und den angrenzenden Feuchtgebieten wertvolle Nützlingsbiotope darstellt. So dienen sie u.a. 16 Bienenvölkern, die in Kooperation mit einem Demeter-Imker gehalten werden, als Nahrungsquelle.
Nachhaltigkeit und Vielfalt im Pflanzenbau ist für den Obergrashof untrennbar mit der Saatgutfrage verbunden. Als Gegenpol zur gängigen Hybridzucht im konventionellen Gemüsebau und der damit verbundenen Genverwaschung ist dem Obergrashof Erhalt, Zucht und Weiterentwicklung samenfester Gemüsesorten eine Herzensangelegenheit geworden. Er betreibt selber Saatgutvermehrung, Erhaltungs- und Eigenzucht mit mittlerweile mehreren Sortenzulassungen durch das Bundessortenamt (u. a Blumenkohl Sorte Odysseus und Kohlrabi, Sorte Rasko). Für die Jury ist das Pionierleistung im besten Sinne.
Gut Herrmannsdorf KG in Bayern
Angelika Gsellmann, Karl Schweisfurth mit Bundesministerin Ilse Aigner nach der Preisverleihung , Quelle: BLE
Das Gut Herrmannsdorf, Mitglied im Verband "Biokreis" geht neue Wege der Kundenbindung und Finanzierung beim Aufbau des neuen landwirtschaftlichen Produktionszweiges: Haltung, Vermehrung und Mast von Zwei-Nutzungshühnern (Sulmtaler und Les Bleues). Mit diesem Landhuhn – Projekt hat der Betrieb die notwendige Auseinandersetzung mit der allgemein vorherrschenden Situation in der Geflügelzucht und – haltung in den Mittelpunkt gerückt. Um dieses Projekt zu finanzieren (Brutapparat, Mobilställe, Eiersortierung) und die Kunden mit der komplexen Thematik – beispielsweise müssen die wegen geringerer Lege – und Mastleistung notwendigen höheren Preise für Eier und Fleisch erläutert werden – vertraut zu machen und mit ein zu beziehen, wurde die Idee des Landhuhn – Darlehens geboren: Kunden geben dem Gut Herrmannsdorf ein Darlehen von 300,- Euro und bekommen zehn Jahre lang jedes Jahr einen Warengutschein in Höhe von 40,- Euro zurück, den man in den Verkaufsläden, die die Waren des Gutes anbieten, einlösen kann. Die Idee fand Anklang bei vielen Kunden und so wurde das erste Darlehen mit einem Umfang von 100 000,- Euro Anfang 2010 in kürzester Zeit von ihnen gewährt. Weiteres Fremdkapital (u. a. für den Aufbau einer Geflügelschlachtung) wurde über ein zweites Landhuhn – Darlehen Anfang 2011 erworben
Durch die Idee des Landhuhn – Darlehens ist nicht nur eine vergleichsweise innovative Finanzierungsmöglichkeit geschaffen worden, die auch beispielhaft für andere landwirtschaftliche Unternehmen sein kann. Gleichzeitig werden Darlehensgeber und Kunden intensiv in die Diskussion und Entwicklung mit ein bezogen.
Biolandbetrieb "De Fischer ut Grambek" in Schleswig-Holstein
Der Biolandbetrieb "De Fischer ut Grambek" betreibt eine mit Naturschutzbelangen abgestimmte ökologische Teichwirtschaft und hat neue, innovative Formen der Fischfütterung eingeführt. In 44 naturnah gestalteten Teichen wachsen vorwiegend Karpfen, aber auch Schleien, Hechte und Welse heran. Dabei werden nur so viele Tiere in den Teichen gehalten, dass rund 80 Prozent des Nahrungsbedarfs aus dem natürlichen Angebot der Teiche gedeckt werden kann. In den Teichen leben auch Enten wie die bedrohte Rasse der Orpingtonente, die zu einem möglichst hohen Anteil an Fischnährtieren beitragen. Als Ergänzung zum natürlichen Nahrungsangebot verfüttert der Betrieb im Rahmen einer wissenschaftlichen Versuchsreihe mit Erfolg Reinigungsreste von Getreide eines benachbarten Bio-Hofes. Diese Reste enthalten neben Bruch und Schmachtkörnern auch wertvolle Wildkräuterbestandteile und Insekten. Als Demonstrationsbetrieb im "Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft" (BÖLN) vermittelt "De Fischer ut Grambek" seine Erfahrungen im Bereich der ökologischen Teichwirtschaft und nachhaltiger Fütterungsmethoden über Vorträge, Teichführungen und eine rege Mitarbeit in Verbänden.

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