Studie zur Rolle außerlandwirtschaftlicher Investoren auf dem landwirtschaftlichen Bodenmarkt in Deutschland
In letzter Zeit wird zunehmend die Rolle von außerlandwirtschaftlichen Investoren auf dem Bodenmarkt, insbesondere dem ostdeutschen, diskutiert. Belegbare Daten zum Umfang dieser Aktivitäten sowie Erkenntnisse über daraus resultierende mögliche Auswirkungen auf die Bodenpreise und die Agrarstruktur gibt es jedoch nicht.
Blühendes Rapsfeld, Quelle: BMELV, Walkscreen
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat das von Thünen-Institut (vTI) daher mit der Analyse dieser Fragen beauftragt. Die Studie mit dem Titel Aktivitäten von nichtlandwirtschaftlichen und überregional ausgerichteten Investoren auf dem landwirtschaftlichen Bodenmarkt in Deutschland wurde im Oktober 2011 fertig gestellt und steht zum Download auf der Homepage des vTI zur Verfügung.
Aufgabenstellung und Methode
Um möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen, wurde die Analyse auf den Bereich „Bodenmarkt“ begrenzt, obgleich außerlandwirtschaftliches Kapital auch in Stallgebäude, Bioenergieanlagen und Käufe ganzer Betriebe fließt. Da in den Bundesländern zu den Eigentumsverhältnissen beim Bodenkauf keine flächendeckenden Daten erhoben und ausgewertet werden, stützt sich die Studie auf die Auswertung von Teil-Daten der Landgesellschaften und der BVVG Bodenverwertungs- und –verwaltungs GmbH sowie auf Gespräche mit wichtigen überregionalen Institutionen auf dem Bodenmarkt. Zusätzlich wurden statistische Daten zum Bodenmarkt analysiert und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in landwirtschaftliche Flächen eingehend dargestellt. Auch wurden Mitglieder des Hauptverbandes der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen schriftlich befragt.
Zentrales Element der Studie sind vier regionale Fallstudien: drei in den neuen Ländern (Region Ostvorpommern in Mecklenburg-Vorpommern, Börde in Sachsen-Anhalt, Uckermark in Brandenburg) sowie eine in den alten Ländern (Region Emsland in Niedersachsen). In jeder Region wurden jeweils ca. 20 Landwirte und Experten anhand eines Leitfadens befragt. Insgesamt kamen so rund 100 Experteninterviews zustande.
Zentrale Aussagen der Studie
Die Studie zeigt, dass die regionalen Ausprägungen sowie die Motive und Aktivitäten der Investoren in den untersuchten Regionen ausgesprochen vielschichtig sind. Pauschale Aussagen sind daher kaum möglich. Die Wahrnehmung der Investoren ist stark abhängig von ihrem Einfluss auf die Sicherheit der Arbeitsplätze und ihrer Integration in das dörfliche Leben. Die Beurteilung der Auswirkungen hängt in sehr starkem Maße von den befragten Personen und ihren Interessen ab.
Zudem bereitet die Definition des "Außerlandwirtschaftlichen Investors" Schwierigkeiten. Die Gruppe derer, die als solche wahrgenommen werden, ist äußerst heterogen und lässt sich nicht klar abgrenzen. Sehr unterschiedlich wird beispielsweise die Frage beurteilt, wie lange ein Investor als Nichtlandwirt bezeichnet wird, auch wenn er selbst Landwirtschaft betreibt.
Die BVVG ist ein wichtiger Akteur auf dem ostdeutschen Bodenmarkt. Durch die Veröffentlichung ihrer Ausschreibungsergebnisse trägt die BVVG erheblich zur Verbesserung der Markttransparenz bei. Dies führt zu einer Angleichung des Preisniveaus an das seit langem höhere Niveau in den alten Ländern. Die BVVG ist aber nicht ausschlaggebend für das Engagement außerlandwirtschaftlicher Investoren oder die allgemeine Steigerung der Preise landwirtschaftlicher Flächen.
Ursachen für das zunehmende Interesse außerlandwirtschaftlicher Investoren sind vielmehr die verbesserten Rahmenbedingungen in der Agrarwirtschaft und die anhaltend problematische Situation auf den Finanzmärkten.
vTI-Workshop
Am 27.10.2011 wurde im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Berlin auf einem Workshop die Studie vorgestellt. Die Präsentation der Studienergebnisse kann auf den Seiten des vTI heruntergeladen werden.

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