Situation und Trends beim "Urlaub auf dem Bauernhof"
Eine vom BMELV beim Europäischen Tourismus Institut in Auftrag gegebene Expertise "Urlaub auf dem Bauernhof/ Lande" hat die zukünftigen Marktbedingungen und Perspektiven untersucht.
"Urlaub auf dem Bauernhof" (UaB) – der Status Quo
Die Urlaubsbetriebe sind überwiegend klassische Bauernhöfe. Rund 43 Prozent der in der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof/Lande (BAG) organisierten Betriebe erwirtschaften mit dem touristischen Betriebszweig mehr als 25 Prozent ihres Betriebseinkommens. 84 Prozent der Ferienwohnungen und 82 Prozent der Ferienhäuser von BAG-Mitgliedern sind nach den Kriterien des deutschen Tourismusverbandes klassifiziert und sind mehrheitlich in die Drei- und Vier-Sterne-Kategorie eingestuft.
Rund zwei Drittel der Betriebe bieten beispielsweise einen Brötchenservice und rund 50 Prozent ein Frühstück an, lediglich ein Drittel der Urlaubsbetriebe hat kein Verpflegungsangebot. Damit kommen viele Betriebe dem Urlauberwunsch nach gutem Service nach.
Der Spezialisierungsgrad der Urlaubsbauernhöfe ist insgesamt betrachtet niedrig. Etwa 30 Prozent der Betriebe sind "Familien- und Kinderferienhöfe". Der Anteil der Betriebe mit speziellen Themen, (wie Heuhotel, Wellness- oder Kneipphöfe) oder zielgruppenorientierten Angeboten (wie Radlerhöfe, Reiterhöfe, Senioren) liegt zwischen ein Prozent bis acht Prozent. Die Hälfte der Urlaubsbetriebe hat sich nicht auf bestimmte Zielgruppen oder Themen spezialisiert.
Zielgruppenorientierung von Ferienbauernhöfen:
Die Nachfrage nach UadB unterliegt starken zyklischen Schwankungen. Dennoch liegt die Zahl der Interessenten an einem Bauernhofurlaub nach wie vor weit über den tatsächlichen Urlaubern.
Urlaub auf dem Bauernhof steht in zunehmender Konkurrenz zu anderen touristischen Marktsegmenten, insbesondere Camping und Ferienparks/-zentren oder zu Reisezielen in osteuropäische Länder.
Allgemeine touristische Trends beeinflussen auch "Urlaub auf dem Bauernhof"
Der Urlauber erwartet bestimmte Qualitätsstandards bei den Basisleistungen, wie Unterkunft, Gastronomie und ansprechende Unterhaltungs- und Erlebnisangebote. Das zunehmende Bedürfnis der Urlauber nach aktiven und authentischen Erlebnissen kann der Landtourismus aufgrund günstiger regionaler Bedingungen in besonderer Weise durch geeignete Angebote bedienen.
Der allgemeine Trend zum Kurzurlaub ist eindeutig erkennbar und wird sich verstärken. Auch wird die Kurzfristigkeit der Buchungen zunehmen. Auf diese Entwicklung sind die Anbieter von UadB jedoch kaum eingestellt. Hier sind entsprechende Angebote wie etwa Wochenendangebote, last minute, Pauschalangebote, erforderlich.
Entwicklung der Kurzurlaubsreiseintensität (1970 bis 2006) mit Trendgerade:
Der "unberechenbare, hybride Verbraucher", der sich durch wechselnde Interessen, Prioritäten und Aktivitäten in seinem Konsumverhalten auszeichnet, zeigt auch ein entsprechendes Urlaubsverhalten. Gefragt ist daher ein breites Spektrum an vielfältigen Freizeitangeboten in kurzen Zeiträumen. Diese geänderten Urlaubserwartungen muss auch UadB berücksichtigen, um wettbewerbsfähig zu sein.
Die Ansprüche des Urlaubers hinsichtlich Qualität, Service und Zusatznutzen (wie Atmosphäre, Erlebniswert) und Preisleistungsverhältnis nehmen zu. Das Qualitätsniveau ist daher auch für UadB von großer Bedeutung.
Neue Zielgruppen bieten neue Perspektiven
Vor dem Hintergrund der demografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung und einer "Lebensstilanalyse" zeichnen sich für UadB neue Potenziale bei bestimmten Zielgruppen ab. Die traditionelle Familie mit Kindern wird zwar auch in Zukunft eine wichtige Zielgruppe für UadB darstellen, sie wird allerdings demografisch bedingt quantitativ abnehmen. An Bedeutung zunehmen werden dagegen vor allem ältere Menschen (ab 50 Jahre), die bislang als Zielgruppe kaum umworben wurden. Darüber hinaus können weitere Subzielgruppen wie Alleinerziehende oder Paare ohne Kinder für den ländlichen Tourismus eine Rolle spielen.
Die unterschiedlichen Anforderungsprofile, die notwendige Angebots- und Produktgestaltung, die erforderliche Marketingstrategie und potenzielle Zielgruppenkonflikte werden exemplarisch an ausgewählten Zielgruppen (Generation 50+, Reisende mit "Handicap", Alleinerziehende) beschrieben.
Strategien zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen Tourismus
Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass neue Gästepotenziale sich nur durch eine Optimierung des Spezialisierungsgrades erschließen lassen. Dabei muss jeder Urlaubsbetrieb seinen Wettbewerbsvorteil über eine bestimmte Spezialisierung finden und konsequent vermarkten.
Dabei wird die Qualitätssicherung aufgrund des großen Wettbewerbsdrucks zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Eine marktorientierte Angebotsgestaltung erfordert eine entsprechende Qualifikation, unter anderem im betriebswirtschaftlichen Bereich. Daher sind Qualifizierungsmaßnahmen für die Anbieter von großer Bedeutung.
Die Erschließung neuer Zielgruppen wird nur dann erfolgreich sein, wenn durch Kooperationen ein breites Spektrum von Angeboten geschaffen werden kann. Eine effiziente regionale Netzwerkbildung zwischen verschiedenen Leistungsanbietern bietet die Möglichkeit, dass die Bauernhöfe die vom "Urlauber der Zukunft" nachgefragte Angebotsvielfalt bieten können.
Durch Verbesserung der Rahmenbedingungen den ländlichen Tourismus stärken
Im Ergebnis kommt die Studie zu dem Schluss, dass die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden sollten, zum Beispiel durch
- Schaffung oder Erhalt von finanziellen und personellen Ressourcen regionaler Beratungs- und Qualifizierungsorganisationen,
- mehr Engagement der Kommunen, die regionale Kooperation- und Netzwerkbildung zu unterstützen,
- Entwicklung einer regionalen Dachmarke,
- mehr Transparenz der Förderprogramme auf EU-, Bundes- und Landesebene,
- Unterstützung der Anbieter bei der Durchführung von Marktuntersuchungen und Beobachtungen und der Entwicklung von Marketingstrategien.



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