Potentiale erschließen und nachhaltig nutzen
BMELV-Strategiepapier
Die BMELV-Strategie ergänzt die vom Bundeskabinett beschlossene nationale Strategie für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt.
Quelle: BMELV
Sie soll Transparenz über die verfolgten Ziele und notwendigen Maßnahmen herstellen, Impulse in anderen Bereichen geben, einen Dialog und Kooperation mit den gesellschaftlichen Akteuren sowie Partizipation bei der Umsetzung ermöglichen.
Das BMELV hat 2000 die "Konzeption zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten" erarbeitet. In ihr sind fachliche Grundlagen, Rahmenbedingungen, Programme und Maßnahmen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene sowie der daraus resultierende Handlungsbedarf und Vorschläge für neue Maßnahmen dargestellt. Diese Konzeption bildete damit die Grundlage für das "Strategiepapier Agrobiodiversität".
Die Biodiversität, das heißt die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, ist Ergebnis einer lange zurückreichenden evolutionären Entwicklung und gleichzeitig Voraussetzung für deren Weiterentwicklung und Anpassung an sich verändernde Bedingungen in der Zukunft.
In diesem Rahmen ist sie auch Grundlage der nutzenden und züchtenden Tätigkeit des Menschen, insbesondere für Zwecke seiner Ernährung. Sie hat darüber hinaus auch Bedeutung für viele andere lebenserhaltende Funktionen, wie beispielsweise die Bodenbildung, die Regulierung des Klimas und des Wasserhaushalts und ist somit eine unentbehrliche Grundlage des menschlichen Lebens. Diese Vielfalt in ihrem komplexen Wirkungsgefüge ist aus vielerlei Gründen bedroht und unterliegt insbesondere seit Mitte des letzten Jahrhunderts erheblichen Verlusten.
Die Agrobiodiversität ist der Teil der biologischen Vielfalt, der für Zwecke der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Erzeugung genutzt wird. Sie umfasst die dafür genutzten oder nutzbaren Lebewesen, deren innerartliche, also genetische Vielfalt und die Vielfalt der entsprechend genutzten Ökosysteme. Dabei bestehen enge Wechselbezüge zwischen den natürlichen, nicht unmittelbar genutzten Bestandteilen von Ökosystemen und den jeweiligen Nutzungssystemen. So sind bei der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung in der Regel vielfältige Funktionen von Ökosystemen, wie etwa die Bestäuberfunktion von Insekten, beteiligt. Andererseits hat die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung wesentlich unsere heutige Kulturlandschaft geprägt und trägt damit wesentlich zum Überleben der daran gebundenen Arten bei. Die im Zeitablauf veränderten Nutzungsstrukturen haben aber auch durch externe Effekte diese Lebensräume beeinträchtigt. So gehören heute zum Beispiel rund 70 Prozent der bedrohten Arten zur Ackerbegleitflora und -fauna. Umgekehrt können aber wild lebende Pflanzen und Tiere sowie sonstige Organismen auch die verschiedenen Nutzungssysteme erheblich beeinträchtigen. Eine besondere Rolle spielt die aufgrund intensiviertem Reise- und Handelsverkehr zunehmende Verbreitung von Schadorganismen einschließlich invasiver gebietsfremder Arten.
Auch bei den für die Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft genutzten Lebewesen ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts eine erhebliche Zunahme des Verlustes biologischer Vielfalt zu verzeichnen. Während dieser Prozess in der Vergangenheit zunächst im Wesentlichen auf die heutigen Industrieländer beschränkt war, läuft er heutzutage mit großer Dynamik in den Entwicklungsländern ab. Ursächlich dafür sind neben natürlichen Faktoren auch vom Menschen verursachte – wie Erosion, Wasserverknappung und Klimaänderungen –, soziale und ökonomische Faktoren, veränderte Bedarfsstrukturen und das Nachfrageverhalten der Verbraucher, wissenschaftlich-technologische Entwicklungen sowie der wirtschaftliche Strukturwandel in der Erzeugung und im Handel.
Mit den Verlusten an biologischer Vielfalt können zukünftig möglicherweise einmal wichtige Eigenschaften von Lebewesen verloren gehen, Ökosystemfunktionen beeinträchtigt werden oder ganze Ökosysteme oder Kulturlandschaften in ihrer Existenz bedroht werden. Einmal verloren gegangene biologische Vielfalt kann aber nicht wieder hergestellt werden. Deren Erhalt ist jedoch die Voraussetzung für zukünftige Nutzungen und weitere züchterische Fortschritte unter eventuell veränderten Rahmenbedingungen.

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