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Kooperation mit Afrika: Landwirtschaftliche Entwicklung als Schlüssel zur Ernährungssicherung

Im Rahmen seiner Afrika-Reise vom 21. bis zum 26. August 2011 hat der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser Südafrika und Äthiopien besucht. Die Reise unterstreicht das besondere Interesse des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) an Afrika.

Mit ihrem Afrikakonzept vom Juni 2011 hat die Bundesregierung ein neues Kapitel enger Partnerschaft mit Afrika aufgeschlagen und den Kontinent mit seinem enormen wirtschaftlichen, insbesondere auch landwirtschaftlichen Potenzial stärker in den Fokus gerückt. Trotz positiver Entwicklungen in vielen Ländern des Kontinents herrscht am Horn von Afrika momentan jedoch eine dramatische Hungersnot. Die Bundesregierung leistet daher zusammen mit vielen anderen Nationen Nothilfe, um die katastrophale Versorgungslage und den Hunger der Menschen mildern zu helfen.

"Das ist das Gebot der Stunde. Mittel- und langfristig muss es jedoch darum gehen, die Ursachen solcher Katastrophen zu bekämpfen", betonte der Parlamentarische Staatssekretär bei seinem Besuch. Langfristig ließen sich die Probleme der Ernährungssicherung in Afrika nur durch eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion lösen. Zu diesem Zweck müssten die Regierungen der Industrieländer und Afrikas künftig eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten. "Ein Schlüssel liegt in der Vermittlung von modernen und nachhaltigen Produktionsverfahren und dem Transfer von landwirtschaftlichem Knowhow", sagte Bleser. Investitionen in Beratung, Ausbildung sowie Agrarforschung seien dabei genauso wichtig wie das Recht auf eigenes Land. Sowohl in Südafrika als auch in Äthiopien warb er um Unterstützung für die "Freiwilligen Leitlinien für verantwortungsvollen Umgang mit Land und natürlichen Ressourcen". Diese werden derzeit - unterstützt durch das BMELV - von der FAO in Rom erarbeitet.

Besuch in Südafrika

Peter Bleser im Gespräch mit der Mitarbeiterin einer Saatgut-Verarbeitungsanlage PSt Bleser im Gespräch während des Besuchs einer Saatgut-Verarbeitungsanlage in Südafrika, Quelle: Deutsche Botschaft Pretoria

In Südafrika, einem der wichtigsten deutschen Partner auf dem Kontinent, führte Bleser mit dem stellvertretenden Minister für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Pieter Mulder Gespräche über die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit, vor allem auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Berufsbildung. Im Zentrum der Gespräche mit Gugile Nkwinti, Minister für ländliche Entwicklung und Landreform, stand der Reformprozess in Südafrika, mit dem eine stärkere Beteiligung bislang benachteiligter Gruppen an der landwirtschaftlichen Entwicklung erreicht werden soll. Bleser wies auf die deutschen Erfahrungen im Rahmen der Wiedervereinigung hin: Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung von Eigentumsrechten seien entscheidend für einen friedvollen Transformationsprozess sowie die Mobilisierung von Investitionen.

Zudem traf Staatssekretär Bleser Vertreter verschiedener Interessengruppen, um sich über gemeinsame Projekte in Südafrika zu informieren. Durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt Deutschland umfangreiche Programme für die ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung.

Besuch in Äthiopien

In Äthiopien kam Bleser zu Gesprächen mit Premierminister Meles Zenawi, Vizelandwirtschaftsminister Mitiku Kassa sowie Rhodea Peace Tumusiime, der Kommissarin für Landwirtschaft der Afrikanischen Union (AU), zusammen. Thema der Gespräche waren unter anderem die aktuelle Nahrungsmittelsituation und ihre Hintergründe sowie mittel- und langfristige Wege aus der Krise.

Bei der Geberkonferenz der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba unterstrich Bleser die Bedeutung der Entwicklung der Landwirtschaft für die langfristige Bekämpfung des Hungers in Afrika. "Wenn sich die Krisenregionen in Afrika wirtschaftlich erfolgreich und friedlich entwickeln sollen, ist die Landwirtschaft dafür der Schlüssel", sagte er. Um auf künftige Dürren besser vorbereitet zu sein und den Menschen eine wirtschaftliche Perspektive zu geben, müssten die Soforthilfen zur Überlebenssicherung mittel- und langfristig mit Maßnahmen der landwirtschaftlichen und ländlichen Entwicklung verbunden werden.

Die AU hatte zu dieser Konferenz eingeladen, um ihre Mitgliedsstaaten zur solidarischen Unterstützung von Hilfsmaßnahmen am Horn von Afrika aufzurufen. Die Bundesregierung hat zur Bewältigung der humanitären Katastrophe Hilfen in Höhe von bisher mehr als 151 Millionen Euro bereitgestellt.

Grundsteinlegung für Agrarausbildungszentrum

In Kulumsa, 200 km südöstlich von Addis Abeba, legte Bleser den Grundstein für das "Deutsch-äthiopische landwirtschaftliche Weiterbildungszentrum". Dort sollen äthiopische Landwirte und Mitarbeiter von Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen in modernen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren, der Maschinenanwendung und in der Unternehmensführung geschult werden. Das mit einem Gesamtvolumen von über zwei Millionen Euro ausgestattete landwirtschaftliche Weiterbildungsprojekt wird gemeinsam mit deutschen Unternehmen durchgeführt, die einen Teil der Projektkosten tragen sowie Maschinen, Saatgut und Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stellen. Es ist das erste im Rahmen des bilateralen Kooperationsprogramms des BMELV in Afrika durchgeführte Wirtschaftskooperationsprojekt. Ziel ist es, nachhaltige Formen der Landwirtschaft zu unterstützen und die Vorzüge angepasster moderner Technologien aufzuzeigen, um mittelfristig einen Beitrag zu Steigerungen in der Produktivität und damit auch in der landwirtschaftlichen Produktion zu leisten.

Projekte im Saatgutbereich und in der Pflanzenzüchtung

Bleser kündigte bei seinem Besuch weitere Projekte in der Region an. Er schlug der äthiopischen Regierung vor, die gerade begonnene Kooperation zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der dortigen Kulturpflanzenvielfalt auch für die Züchtung und Vermehrung von dringend benötigtem Saatgut trockenheitsresistenter Pflanzensorten zu nutzen. Hierfür will das BMELV 2011 bis zu 200.000 Euro und in den folgenden Jahren weitere 750.000 Euro bereitstellen. "Im engen Schulterschluss mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit wollen wir landwirtschaftliches Fachwissen stärker in die Entwicklungszusammenarbeit einbringen", sagte Bleser.

Premierminister Zenawi unterstrich die Bedeutung der bestehenden wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland und hob insbesondere das Interesse am Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Aus- und Weiterbildung und erneuerbare Energien sowie an deutschem Know-how im Bereich der nachhaltigen Forstwirtschaft hervor. Äthiopien unternehme große Anstrengungen zur Wiederaufforstung, die zum Klimaschutz und zur Erneuerung von Biomasse für die energetische Nutzung beitragen sollen.

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