Informationen zu einem Praktikum für junge Nachwuchskräfte des Agrarbereichs aus Mittel- und Osteuropa in Deutschland
Das BMELV fördert den Praktikantenaufenthalt für junge Nachwuchskräfte des Agrarbereichs aus Russland, der Ukraine und Weißrussland in Deutschland. Die Praktikantenprogramme sind Teil der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und diesen Ländern.
Im Folgenden werden einige Informationen über dieses Programm gegeben. Hierbei handelt es sich um allgemeine Hinweise. Detaillierte Informationen teilen die jeweiligen Trägerorganisationen (Arbeitsgemeinschaft für Projekte in Ökologie, Landwirtschaft und Landesentwicklung in Osteuropa (APOLLO e.V.), Berufsbildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes, Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes e.V. und die Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA-Nienburg)) den Praktikanten/Praktikantinnen vor Ausreise mit.
1. Ziel des Projektes
Junge Fachkräfte der Agrarwirtschaft sollen über das Praktikum die Möglichkeit erhalten, sich in Deutschland weiterzubilden. Dabei sollen sie sowohl Einblick in deutsche Agrarstrukturen gewinnen, als auch ihre bereits vorhandenen fachlichen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten durch ihre Mitarbeit erweitern und vertiefen. Als künftige Fach- und Führungskräfte sollen sie darüber hinaus mit der Wirtschaftsweise und den Marktbedingungen der privatwirtschaftlich geführten deutschen Betriebe vertraut gemacht werden. Die Praktika werden in der Regel in anerkannten Ausbildungsbetrieben durchgeführt und durch begleitende zentrale Lehrgänge, Fachexkursionen und Zwischenseminare ergänzt.
Die Nachwuchskräfte sollen beispielsweise in folgenden Bereichen der Landwirtschaft Kenntnisse und Erfahrungen sammeln:
- Produktionstechniken,
- Vermarktungsformen,
- Betriebsökonomie und betriebliches Management,
- Natur- und Umweltschutz,
- Arbeitsorganisation, Arbeitssicherheit und Mitarbeiterführung,
- betriebswirtschaftliche Kalkulationen,
- ökologische Rahmenbedingungen,
- Produktion und Nutzung regenerativer Energien in der Landwirtschaft.
Dabei sollen die Praktikanten auch das deutsche Berufsbildungssystem in Deutschland kennen lernen.
Ein wesentliches Ziel des Praktikantenprogramms besteht darin, dass die Praktikanten in ihrer späteren beruflichen Tätigkeit die in Deutschland gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen anwenden und an andere Berufskollegen bzw. Nachwuchskräfte weitergeben können.
2. Zielgruppen
An einem Praktikum können folgende Personen teilnehmen: Hochschulstudenten oder Doktoranden agrarwissenschaftlicher Studiengänge ab dem 3. Studienjahr (in Ausnahmefällen ab dem 2. Studienjahr), die bereits über fachpraktische Kenntnisse verfügen.
Die Teilnehmer müssen
- an einem Auswahlgespräch mit Erfolg teilgenommen haben und zur praktischen Mitarbeit in den deutschen Ausbildungsbetrieben bereit sein,
- Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachweisen,
- sollen 20 bis 30 Jahre alt sein,
- einen internationalen Führerschein bzw. einen Traktorführerschein besitzen.
Sie dürfen vorher noch nicht an einem vom BMELV geförderten Praktikantenprogramm in Deutschland teilgenommen haben.
3. Ablauf des Praktikums
Das Fortbildungsprogramm für junge Nachwuchskräfte aus dem Agrarsektor Russlands, Ukraine und Weißrusslands dauert vier bis sechs Monate.
Es gibt verpflichtende Seminare und Lehrfahrten
Die Einreise nach Deutschland erfolgt in der Regel in den Monaten April/Mai/Juni.
Zu Beginn werden in einem Einführungslehrgang neben allgemeinen Informationen sowohl ein allgemeiner Überblick über die Landwirtschaft in Deutschland gegeben als auch fachliche Kenntnisse in der Tier- und Pflanzenproduktion vermittelt. Des Weiteren erhalten die Praktikanten eine Unterweisung in die Unfallverhütungsvorschriften.
Die Praktikanten werden auf das Leben bei den Gastfamilien und den Lebensalltag in Deutschland durch praxisorientierte Hinweise vorbereitet.
Im Anschluss an den Einführungslehrgang fahren die Praktikanten zu ihren Ausbildungsbetrieben und werden dort in den Arbeitsablauf eingebunden. Die Praktikanten werden in der Regel auf anerkannten Ausbildungsbetrieben untergebracht, die sowohl Pflanzen- als auch Tierproduktion betreiben.
Bei der Auswahl der geeigneten Betriebe wird versucht, den persönlichen und fachlichen Interessen der Praktikanten entgegen zu kommen. Die Gastbetriebe werden mit den Bildungszielen des Praktikantenprogramms vertraut gemacht. Die Teilnehmer leben und arbeiten zusammen mit der Gastfamilie und können so die Arbeits- und Lebenssituation in einem deutschen landwirtschaftlichen Betrieb kennen lernen.
Aufgrund der unterschiedlichen Agrarstrukturen zwischen dem Entsendeland und Deutschland muss jeder Praktikant damit rechnen, auch in einem ihm nicht bekannten Fachbereich eingesetzt zu werden. Es wird deshalb erwartet, dass ein Praktikant bereit ist, in allen Bereichen der Landwirtschaft mitzuarbeiten. Je nach Wunsch des Praktikanten ist auch eine Vermittlung auf große Agrargenossenschaften (neue Bundesländer) möglich.
Über ihre Arbeit auf den Betrieben führen die Praktikanten ein Berichtsheft und legen dieses zusammen mit einem Praktikumsbericht zum Abschlussseminar vor.
Während der Zeit, in der die Praktikanten in den Betrieben mitarbeiten, werden weitere Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt. Hier haben die Praktikanten die Gelegenheit, sich zu treffen, sich untereinander und mit den Betreuern auszutauschen. Neben Fachvorträgen werden auch Besichtigungen von Vermarktungseinrichtungen, Selbsthilfeorganisationen, Spezialbetrieben etc. durchgeführt. Für die gesamte Aufenthaltsdauer der Praktikanten wird eine intensive Betreuung gewährleistet. Die aktive Teilnahme an Lehrgängen ist für alle Praktikanten Pflicht – unabhängig von ihrer jeweiligen Fachrichtung.
Für den gesamten Aufenthalt in Deutschland werden die Teilnehmer dieses Praktikantenprogramms kranken-, unfall- und haftpflichtversichert.
4. Auswahlverfahren
Um einen erfolgreichen Verlauf des Praktikums zu gewährleisten, legt die deutsche Seite einen besonderen Wert auf eine sorgfältige Auswahl der Teilnehmer. Alle zukünftigen Praktikanten werden in einem persönlichen Gespräch – teilweise in einem zweistufigen Verfahren - ausgewählt.
Rund drei Monate vor der Einreise in Deutschland werden Auswahlgespräche geführt, in denen die fachliche und persönliche Eignung und Motivation für die Teilnahme an dem Programm sowie die vorhandenen Sprachkenntnisse geprüft werden.
Der gesundheitliche Zustand wird mit einem Gesundheitsfragebogens nachgewiesen.
Nach diesen Auswahlgesprächen werden die Programmteilnehmer endgültig nominiert. Es können grundsätzlich keine Teilnehmer akzeptiert werden, die nicht persönlich an einem Auswahlgespräch teilgenommen haben.
Die Teilnehmer sollen bereits zum Zeitpunkt des Auswahlgesprächs über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Die drei Monate bis zum Beginn des Programms sollen dann dazu genutzt werden, die Sprachkenntnisse so zu verbessern, damit ein erfolgreicher Aufenthalt in Deutschland ermöglicht wird.
Die Auswahlgespräche werden von Fachkräften der deutschen Träger durchgeführt.
5. Anreise zum Praktikum
Der Anreisetermin wird zwischen dem jeweiligen deutschen Träger und dem entsendenden Land abgestimmt. Es wird rechtzeitig bekannt gegeben, zu welchem Ort in Deutschland die Teilnehmer anreisen sollen.
Die Programmteilnehmer reisen als geschlossene Gruppe an und ab.
Alle Praktikanten benötigen eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Die Arbeitserlaubnis wird von deutscher Seite eingeholt.
6. Weitere Hinweise
Alle Teilnehmer erhalten für die Mitarbeit auf den Betrieben von den Gastfamilien ein Taschengeld in Höhe von 250 Euro je Monat. Darüber hinaus erhalten sie freie Unterkunft und Verpflegung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Praktikum um eine Bildungsmaßnahme und nicht um ein Lohnarbeitsverhältnis handelt. Während ihrer Teilnahme an Lehrgängen erhalten die Praktikanten ebenfalls ein Taschengeld.
Die Praktikanten und Betriebsleiter treffen zum Beginn des Praktikums eine schriftliche Praktikantenvereinbarung.


Delicious
Mister Wong
digg
twitter
studiVZ, meinVZ, schülerVZ