Deutsch-marokkanische Zusammenarbeit
Marokko ist für Deutschland zentraler Partner im Agrarbereich in Nordafrika. Das BMELV hat die bilaterale Partnerschaft mit dem Königreich daher deutlich intensiviert.
Staatssekretär Dr. Gerd Müller (rechts) vereinbarte im April 2011 mit dem marokkanischen Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch ein Exzellenzzentrum für Landwirtschaft, Quelle: BMELV
Das BMELV wird im Rahmen des bilateralen Kooperationsprogramms mit dem Ausland den Aufbau eines Exzellenzzentrums für Landwirtschaft in Marokko (ko-)finanzieren.
Exzellenzzentrum für Landwirtschaft
Unternehmen der deutschen Agrarwirtschaft unterstützen das geplante Exzellenzzentrum durch Bereitstellung moderner Landtechnik und Know How. Das Exzellenzzentrum wird in speziellen Aus- und Weiterbildungsmodulen für verschiedene landwirtschaftliche Fachkräfte wichtige Grundlagen der landwirtschaftlichen Produktion, technische Fertigkeiten und betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermitteln. Voraussichtlich ab Herbst 2012 bietet das Zentrum die ersten Kurse im Bereich Getreide- und Kartoffelanbau an; in einer zweiten Phase soll das Projekt um Milch- und Fleischproduktion ergänzt werden.
Plan Maroc Vert
Mit dem Projekt unterstützt das BMELV die marokkanische Regierung bei seinem Vorhaben, im Rahmen des so genannten "Plan Maroc Vert" die Landwirtschaft zu modernisieren. Marokko plant, bis zum Jahr 2020 über 13 Milliarden Euro in den Agrarsektor zu investieren, um in den nächsten zehn Jahren die Landwirtschaft zum Wirtschaftsmotor auszubauen und das landwirtschaftliche Bruttoinlandsprodukt zu verdoppeln. Zu den wichtigsten Zielen des "Plan Maroc Vert" gehören die Intensivierung der Getreideproduktion sowie die Weiterentwicklung der Milch- und Fleischproduktion. Daran partizipiert Deutschland bereits mit dem Export von Zuchtrindern. 60 Prozent aller Milchkühe in Marokko sind deutscher Herkunft. Das Exportvolumen in diesem Segment konnte von 2005 bis 2010 um 90 Prozent gesteigert werden.
Kooperation im Bereich des Lebensmittelhandels und des Genossenschaftswesens
Auch in anderen Bereich arbeiten Deutschland und Marokko eng zusammen: 2010 wurde ein Abkommen über Zusammenarbeit im Bereich Lebensmittelsicherheit unterzeichnet und eine enge Kooperation zwischen der marokkanischen Lebensmittelsicherheitsbehörde ONSSA und dem deutschen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vereinbart. Zudem zeigte sich Marokko sehr interessiert am System der deutschen Genossenschaften, weshalb der marokkanische Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch im Januar 2011 während der Grünen Woche eine Erklärung zur Zusammenarbeit mit dem Deutschen Raiffeisenverband unterzeichnete.
Agrarfreihandelsabkommen der Europäischen Union mit Marokko
Auf europäischer Ebene bedeutet das Agrarfreihandelsabkommen der EU mit Marokko einen wichtigen Schritt zur weiteren Liberalisierung der Handelsbeziehungen. Am 16. Februar 2012 hat das Europäische Parlament dem Abkommen zur gegenseitigen Liberalisierung des Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Fischereierzeugnissen zugestimmt. Für Marokko ist der Agrarsektor neben dem Textilsektor der wichtigste Handelsbereich. Deshalb sieht Marokko in diesem Abkommen einen wichtigen Baustein zur Umsetzung des "Plan Maroc Vert".
Die Europäische Union ist mit ca. 50 Prozent der Importe und ca. 60 Prozent der Exporte (jeweils 2010) der wichtigste Handelspartner Marokkos, gleichzeitig entfallen fast 60 Prozent des Investitionsvolumens der EU im gesamten Euromed-Raum (Euro-Mediterranean Partnership) auf Marokko (2009). Marokko ist damit bereits jetzt ein sehr wichtiger Markt für Exporte aus der EU und wird bei einem derzeitigen Wachstum von einem Prozent pro Jahr in Zukunft noch wichtiger werden. Die EU-Ausfuhren beliefen sich im Jahre 2010 auf über 13,5 Milliarden Euro. Der Zugang zu einem benachbarten Markt mit starkem demografischem Wachstum vor dem Hintergrund einer für die Europäische Union überaus günstigen Gesamthandelsbilanz (Überschuss von fast 6 Milliarden Euro im Jahre 2010) verbesserte sich.

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