Nachhaltige Fischerei: Informationen und Siegel für Handel und Verbraucher
Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände, die wirksame Bekämpfung illegaler Fischerei und eine sachgerechte und verständliche Kennzeichnung für Verbraucherinnen und Verbraucher sind Ziele der Fischereipolitik der Bundesregierung.
Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet stets, die zur Verfügung stehenden Ressourcen maßvoll zu nutzen. In der nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischbestände bedeutet das, für weitere Fischbestände mehrjährige Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllungspläne zu beschließen und unerwünschten Beifang durch die schrittweise Einführung von Rückwurfverboten und Anlandegeboten drastisch zu senken.
Gleichzeitig gilt es, illegale Fischerei wirksam einzudämmen: Durch die Neuregelung zur Bekämpfung der illegalen Fischerei muss zukünftig ein lückenloser Nachweis über die legale Herkunft der Fischereierzeugnisse geführt werden. Gleichzeitig werden EU-weit die Kontrollen verschärft und abschreckende Strafen eingeführt.
Aktivitäten der Wirtschaft und des BMELV
Die Fischindustrie und Handel haben in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Initiativen ergriffen, um Einkaufspolitik und Angebot stärker an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit auszurichten.
Dazu gehörten insbesondere
- die zunehmende Verwendung von Erzeugnissen mit Fischerei-Umweltsiegeln, vor allem dem des Marine Stewardship Council (MSC),
- das steigende Angebot an ökologisch erzeugten Aquakulturprodukten und
- die Einführung einer genaueren Fanggebietskennzeichnung bis 2010 auf freiwilliger Basis.
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt diese Aktivitäten in vielfältiger Weise: Zum Einen wurden in einem gemeinsamen Projekt mit der Wirtschaft eine genaue Fanggebietskennzeichnung durchgeführt, eine wichtige Grundlage für das neue Verbraucherinformationssystem, das u.a. auf dem "Portal Fischerei" eingesehen werden kann. Zudem wurde vom BMELV ein gemeinsames Positionspapier mit Mindestkriterien für die Umwelt-Kennzeichnung von Fischereierzeugnissen erarbeitet und an die Europäische Kommission übermittelt, mit dem Ziel, die Arbeiten an einem freiwilligen Europäischen System zu beschleunigen. Nicht zuletzt um nach außen deutlich Flagge zu zeigen, wurde bereits im Sommer 2009 die Kantine des BMELV in Bonn mit dem MSC-Siegel zertifiziert.
Informationssystem für Verbraucher und Handel
Handel und Verbraucher, die sich sich bewusst für nachhaltigen Fischkonsum entscheiden möchten, können sich darüber bereits heute im Internet unter "Fischbestände Online" informieren. Ein eigenes Verbraucherinformationssystem bietet sachgerechte und verständliche Entscheidungshilfen zum nachhaltigen Fischeinkauf.
Kern des Systems ist eine Datenbank auf Grundlage der "Interaktiven Fisch-Herkunfts-Gebietskarte" (InFika). Ein Zugriff ist sowohl über die Internetseite des Fisch-Informationszentrums (FIZ) als auch über das vom BMELV betreute und bei der BLE redaktionell bearbeitete und gehostete Internetinformationsangebot des Bundes und der Länder, das Portal Fischerei, möglich.
Es liegen bereits die Informationen für 15 Arten vor, darunter Kabeljau, Hering und Seelachs und über 40 sogenannte Bestandsdatenblätter, die die Situation verschiedener Bestände wie Dorsch oder Scholle beschreiben. Die Datenbank wird in den kommenden zwei Jahren kontinuierlich ausgebaut. Angestrebt sind rund 200 Datenblätter mit wissenschaftlich abgesicherten Informationen zu allen wichtigen Konsumfischarten.
Siegel kennzeichnen nachhaltige Fischereiprodukte
Zur Sicherung einer nachhaltigen Fischerei können nicht nur der Staat, sondern auch die Verbraucher durch bewusste Auswahl der Produkte einen entscheidenden Schritt beitragen: Sie können sich beim Einkauf an Nachhaltigkeitszeichen, wie dem MSC-Zeichen ("Marine Stewardship Council" zu deutsch etwa "Rat der Verantwortung für die Meere") orientieren. Sie unterstützen dadurch die ausgezeichneten Fischereien und tragen mit dazu bei, dass die weltweiten Fischbestände nachhaltig genutzt werden und auch für künftige Generationen erhalten bleiben.
Das MSC-Siegel wird an Fischereien verliehen, die eine nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände garantieren und nicht zum Problem der Überfischung beitragen. Der MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei beruht auf dem Verhaltenskodex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für verantwortlich geführte marine Fischereien und anderen internationalen Instrumenten zum Schutz der Umwelt. Die drei Grundsätze des Standards lauten:
- Nachhaltigkeit der Zielbestände
- Aufrechterhalten der betroffenen Ökosysteme
- Effektives Fischereimanagement
Die MSC-Zertifikate sind drei Jahre gültig. Danach müssen die Unternehmen sich erneut zertifizieren lassen.
Die Organisation Marine Stewardship Council
Der MSC ist eine unabhängige, globale und gemeinnützige Organisation. Er setzt sich weltweit für nachhaltige und verantwortungsvolle Fischerei ein. Ziel ist die Sicherung der Zukunft der Fischbestände sowie eine gesunde Meeresumwelt.
Prinzipien des MSC sind die Nachhaltigkeit der Fischbestände, die minimale Auswirkung auf das Ökosystem und ein effektives Management in diesem Bereich, das die Grundlage für eine Mindestkennzeichnung von Fischerzeugnissen darstellt.
Darüber hinaus bestehen weitere Siegel, wie insbesondere das Nachhaltigkeitssiegel von Island. Das Siegel steht sowohl für den isländischen Ursprung der Produkte als auch für verantwortliche Meeresfischerei.


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