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Herausforderungen im Gartenbau

Datum:
24.01.12
Ort:
Essen
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Rede der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner zur Eröffnung der 30. Internationalen Pflanzenmesse in Essen

Es gilt das gesprochene Wort!

Begrüßung/Einleitung

Anrede,

ich freue mich sehr, dass ich heute wieder die Internationale Pflanzemesse eröffnen darf. Und es ist eine besondere IPM. Denn wir feiern ein rundes Jubiläum: Dreißig Jahre Internationale Pflanzenmesse! Das ist Grund zu Freude und Grund stolz zu sein!

Der Anfang war nicht einfach. Es waren kleine Schritte und ein steiniger Weg. Aber der Einsatz hat sich gelohnt:

Die IPM hat sich in den vergangenen dreißig Jahren zu der Leitmesse für den Gartenbau entwickelt. Die Zahlen zeigen es deutlich: 1983 zählte die IPM 150 Aussteller. Heute hat sich die Anzahl auf etwa 1.500 verzehnfacht. Zu dieser Erfolgsgeschichte gratuliere ich von ganzem Herzen!

Und so komme ich besonders gern zu dieser Eröffnung hier nach Essen – obwohl uns die Internationale Grüne Woche in Berlin auf Trapp hält und eine Vermeidung der Überschneidung allen Beteiligten gut tun würde! Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass mein Haus sich als Aussteller an der Messe beteiligt. Besuchen Sie uns in der Galeria!

Hier auf der IPM zeigt sich eine wichtige Zukunftsbranche in ganzer Breite. Alles dreht sich um die Pflanze: Wir genießen ihre Schönheit. Und wir erfahren, was dahinter steckt:

  • Innovation,
  • Technologie,
  • nachhaltiges Wirtschaften
  • und nicht zuletzt sehr viel Arbeit und Einsatz von Menschen!                                             

Die IPM bietet Ware zum Anfassen, Riechen und Bestaunen. Gleichzeitig ist sie Informationsdrehscheibe und internationaler Marktplatz. Damit lockt sie Aussteller und Gäste aus der ganzen Welt. Der Gartenbau präsentiert sich als lebendige und erfolgreiche Branche, die mit Recht optimistisch in das Jahr 2012 blicken kann.

Zierpflanzen und genetische Ressourcen

Deutschland ist der wichtigste Zierpflanzenmarkt in Europa und einer der drei wichtigsten Zierpflanzenmärkte weltweit. Die Bedeutung des inländischen Marktes wird auch durch die IPM unterstrichen. Der Umsatz des gesamten inländischen Marktes für Blumen und Pflanzen liegt jährlich bei rund 8,6 Milliarden Euro zu Einzelhandelspreisen.

Die große Marktbedeutung der Beet- und Balkonpflanzen in Deutschland ist in Europa einmalig. Bereits im 19. Jahrhundert begann hierzulande die erste Beet- und Balkonpflanzenzüchtung. Prächtige Rabatten mit Wechselflor in Städten und Gemeinden und üppige Blumenkästen an Fassaden und Balkonen: Diese schöne, aber auch wirtschaftlich erfolgreiche deutsche Tradition ist in aller Welt bekannt. So werden Beet- und Balkonpflanzen auch in Zukunft ein wichtiges Feld für die Zierpflanzenzüchtung bleiben!

Dabei stellt sich die Branche einer wichtigen Aufgabe: Sie wahrt Traditionen, um aus ihnen Neues zu erschaffen. Damit leistet sie einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der genetischen Ressourcen unserer Kulturpflanzen.

Diese Ressourcen zu bewahren, ist das Ziel unserer Strategie zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt. Dazu dient auch unsere Deutsche Genbank Zierpflanzen. Auf unserem Symposium "Erhaltung und nachhaltige Nutzung genetischer Ressourcen von Zierpflanzen" im Jahre 2009 hatte sich besonderer Handlungsbedarf bei der Gruppe der samenvermehrten Populationssorten von Zierpflanzen herauskristallisiert. Darauf haben wir schnell reagiert und wir sind im letzten Jahr einen großen Schritt weitergekommen. Wir haben das Bundessortenamt beauftragt, eine Genbank für samenvermehrte Zierpflanzen aufzubauen. Nun möchte ich alle Beteiligten aufrufen, sich aktiv am Aufbau dieser neuen Genbank zu beteiligen! So können wir gemeinsam unsere traditionelle Zierpflanzenvielfalt unter dem Dach der Deutschen Genbank Zierpflanzen bewahren.

Meine Damen und Herren, der Erhalt von Tradition, das ist nicht nur die rückwärtsgewandte Pflege unseres Erbes! Unsere Traditionen sind der Grundstein für zukunftweisende Innovationen. Wettbewerb und eine starke Konkurrenz verlangen von den Zierpflanzenunternehmen die strikte Ausrichtung auf Kundenwünsche und Qualität. Und das geht nicht ohne innovative, wesentlich verbesserte Sortenzüchtungen.

Die Bundesregierung ist sich der Bedeutung von Innovationen für den deutschen Wirtschaftstandort bewusst. Deshalb hat mein Haus seit 2006 ein Innovationsprogramm aufgelegt. Das Innovationsprogramm ermöglicht kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich keine eigene Forschung leisten können, mit Forschungseinrichtungen bei der Entwicklung innovativer Produkte zusammenzuarbeiten. So fördern wir Innovation, so fördern wir den Mittelstand! 

Insgesamt ist seit dem Start des Programms ein Fördervolumen von 10,5 Millionen Euro für gartenbauliche Projekte bewilligt worden. Das entspricht etwa 30 Prozent der im pflanzenbaulichen Bereich bewilligten Fördermittel. Der Gartenbau profitiert demnach, gemessen an seiner Produktionsleistung, überproportional von dem Programm. Das zeigt, wie innovativ die Branche ist!

Züchtung und Züchtungsforschung werden erfolgreich sein, wenn sie sich vernetzen, um die vielfältigen und komplexen Probleme zu bearbeiten. Und so ist es gut, dass die IPM ein Schaufenster der Innovation bietet! Nehmen Sie die Neuzüchtungen dieser Messe im Neuheitenschaufenster in Augenschein! Zum fünften Mal werden Pflanzenneuheiten in diesem Rahmen präsentiert und prämiert. Auch zu diesem Jubiläum möchte ich herzlich gratulieren!

Grün für die Umwelt

Meine Damen und Herren, die Arbeit der Zierpflanzengärtner ist nachhaltig und von besonderer und auch langfristiger Bedeutung für uns alle. Die meisten Menschen spüren und wissen es: Pflanzen bedeuten Leben.

So wundert es auch nicht, dass es gerade in Großstädten einen neuen Trend zu Pflanzen im Lebensumfeld gibt. Dachflächen werden kreativ zu blühenden Gartenlandschaften gestaltet, Baulücken im Innenstadtbereich in Gemüsegärten verwandelt. Und selbst den Bienen wird so vielfältige Nahrung geboten – das zeigt die steigende Zahl der Stadtimker! Beim ungebremsten Wachstum vieler Städte weltweit zu Mega-Cities wird die Begrünung immer mehr zum wichtigen Zukunftsthema.

Städte bleiben nur bewohnbar, wenn genug Grün vorhanden ist und erhalten bleibt. Gesunde und langlebige Pflanzen erfüllen Funktionen wie Klimaregulierung, Staubfilterung, Lärmdämpfung oder Sichtschutz. Sie erhöhen den Wert von Grundstücken und Immobilien.Und sie sind einfach schön. So tragen sie auf vielfältige Weise zum allgemeinen Wohlbefinden der Menschen in der Stadt bei.

Natürlich: Pflanzen machen Arbeit und sind nicht so kalkulierbar wie Pflastersteine und Beton. Deshalb ist es auch Aufgabe der Gärtner, die Kunden vom Wert und den vielen Vorzügen ihrer Produkte zu überzeugen. Die Messe leistet dabei sicher einen wichtigen Beitrag.

Nachwuchs im Gartenbau

Die IPM zeigt die Leistungsfähigkeit der Branche. Unser wichtigster Rohstoff ist das Wissen und Können der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihre Motivation. Exzellente Aus- und Weiterbildung ist dabei der Grundstock des Erfolges. Und die brauchen wir gerade auch im Gartenbau. Die Notwendigkeit zu Rationalisierung und Effizienzsteigerung fordert eine immer bessere Qualifikation der Beschäftigten. Qualifizierte und motivierte Menschen erwarten im Gegenzug auch ein gutes Arbeitsumfeld und angemessene Bezahlung.

Meine Damen und Herren, Deutschland geht es gut! Die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Und der positive Trend am Arbeitsmarkt geht weiter! Für dieses Jahr erwartet die Bundesregierung einen Beschäftigungsrekord! Ich denke, diese Entwicklungen in einer nicht ganz einfachen Zeit sind für uns alle Grund zur Freude. Und gleichzeitig stellt diese Entwicklung die Branche auch vor Herausforderungen! In Deutschland gibt es schon heute einen Fachkräftemangel. Der wird sich auch aufgrund der demographischen Entwicklung zukünftig nicht von alleine beheben. Damit muss sich der Gartenbau einer wichtigen Herausforderung stellen. Gut ausgebildete und leistungsbereite Menschen müssen für den Gartenbau gewonnen werden. Der Gartenbau steht mit vielen anderen Branchen im Wettbewerb um qualifizierte und motivierte Arbeitnehmer.

Darum begrüße ich es sehr, dass im Rahmen der IPM auch dieses Jahr beim "Tag der Ausbildung" schon Schüler gezielt angesprochen werden. So werden sie an die vielseitigen Ausbildungsberufe der Branche herangeführt. Mit Spaß und vielen interessanten Veranstaltungen setzt sich der Gartenbau für den qualifizierten Nachwuchs ein.

Damit dieser Einsatz erfolgreich sein kann, hat die Bundesregierung es sich in diesem Jahr besonders zum Ziel gesetzt, die Folgen des demographischen Wandels anzugehen. Wir werden 2012 eine Demographiestrategie erarbeiten. Ich werde mich dabei gezielt mit Fördermaßnahmen einbringen, die die wirtschaftliche Entwicklung und die Infrastruktur im ländlichen Raum ankurbeln. So können wir mit dem Gartenbau als attraktivem Arbeitgeber gemeinsam junge und qualifizierte Menschen in den ländlichen Räumen halten!

Zukunftsfähigkeit durch Nachhaltigkeit

Auch der Gartenbau bekommt die gestiegenen Anforderungen der Verbraucher zu spüren. Natürlich erwarten Verbraucher weiter hohe Qualität. Aber sie wollen auch zunehmend mehr wissen:

  • Wo kommen die Pflanzen her,
  • wie wurden sie erzeugt,
  • und welche Sozial- und Umweltstandards wurden dabei eingehalten? 

Meine Damen und Herren, begreifen Sie diesen Trend als Chance! Kommen Sie den Kunden mit Transparenz und nachhaltiger Arbeitsweise entgegen. Schaffen Sie sich damit einen Wettbewerbsvorteil! Der Gartenbau in Deutschland kann seine Standortvorteile erfolgreich nutzen:

  • Angebot heimischer Spezialitäten;
  • nachhaltige und transparente Produktion;
  • und direkter Austausch mit den Kunden.

So freut es mich, dass die Reaktionen der Branche auf die aktuelle Novelle des Pflanzenschutzrechts überwiegend positiv waren. Das neue EU-Pflanzenschutzrecht hat das höchste Schutzniveau für Mensch, Tier und Umwelt weltweit geschaffen! Das wird Ihre Produkte auszeichnen!

In der Harmonisierung auf EU-Ebene liegt auch eine Chance für deutsche Unternehmen und Gärtner. Denn wir schaffen gleiche Bedingungen und Wettbewerbschancen. Das ist eine gute Basis für qualitativ hochwertige und sichere Produkte aus dem Gartenbau und der Landwirtschaft.

Meine Damen und Herren, insgesamt wird Deutschland ein Importmarkt bleiben. Denn vor allem die klimatischen Bedingungen für Schnittblumen, bestimmte Gemüsearten und viele Obstarten sind in anderen Ländern einfach besser. Für den Gartenbau bedeutet das, auf Innovationskraft im internationalen Austausch zu setzen. Auf dem Gebiet der Technik, etwa bei der Automatisierung, der Energieeffizienz, der Bewässerung, oder bei Marketingstrategien haben wir Deutsche einiges zu bieten. 

Damit das so bleibt, wird mein Haus auch in diesem Jahr wieder den Innovationspreis Gartenbau verleihen. Auch wir feiern ein kleines Jubiläum. Schon zum 15. Mal werden wir in diesem Jahr besonders herausragende Leistungen mit Modellcharakter mit diesem Preis auszeichnen. Und, dieser Aufruf hat schon Tradition bei der IPM. Machen Sie mit, bewerben Sie sich mit Ihren kreativen Ideen.

Eröffnung

Meine Damen und Herren, nun genießen Sie die Schönheit der ausgestellten Pflanzen. Informieren Sie sich über Innovationen einer facettenreichen Branche. Und nutzen Sie die Messe als Ort des Austauschs und des Dialogs – auch und gerade mit den weit angereisten Gästen aus aller Herren Länder! Ihnen gilt mein besonderer Gruß!

Ich erkläre die 30. Internationale Pflanzenmesse für eröffnet!

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Zusatzinformationen

Die Ministerin

Ilse Aigner

App in den Wald

Waldfibel-App (verweist auf: Die Waldfibel)

Die Waldfibel gibt es als Broschüre, App fürs iPhone, iPad und Android Smartphone sowie als Windowsprogramm

"Zu gut für die Tonne"

Brot, Käse, Apfel mit Schriftzug zu gut für die Tonne (verweist auf: Zu gut für die Tonne)

Informationen zur BMELV-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelkennzeichnung

Logo www.lebensmittelklarheit.de (verweist auf: Die Internetplattform www.lebensmittelklarheit.de)

Portal der Verbraucherzentralen, gefördert durch das BMELV im Rahmen der Initiative "Klarheit und Wahrheit"

Lebensmittelsicherheit

Schriftzug von der Internet-Seite www.lebensmittelwarnung.de - Das Portal der Bundesländer (verweist auf: Internetplattform www.lebensmittelwarnung.de der Länder zur Verbraucherinformation über Lebensmittelwarnungen (Öffnet neues Fenster))

Auf einen Blick: Warnungen und Informationen der Öffentlichkeit zur Lebensmittelsicherheit

Charta für Landwirtschaft und Verbraucher (verweist auf: Informationen zur Charta)

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