Navigation und Service

Ministerin Aigner am Rednerpult Quelle: Messe Berlin

IGW 2012 - Eröffnungsrede von Bundesministerin Ilse Aigner

Datum:
19.01.12
Ort:
Messe Berlin
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Eröffnungsrede der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner am 19. Januar 2012 auf der IGW 2012

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

die Grüne Woche bietet auch 2012 wieder eine ganz große Bühne.

Hochrangige Gäste kommen aus aller Welt.

  • 70 Ministerinnen und Minister von allen Kontinenten nehmen teil, die vier Milliarden Menschen repräsentieren.
  • Tausende Unternehmenpräsentieren ihre Leistungen und Innovationen.
  • Und Hunderttausende Verbraucherinnen und Verbraucher lassen sich inspirieren.

Die Grüne Woche ist ein echter Publikumsmagnet für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.Dahinter steht enorme Anziehungskraft. Diese Kraft hat einen Namen. Es ist unsere Land – und Ernährungswirtschaft.

Sie, meine Damen und Herren, verleihen ihr durch Ihre tägliche Arbeit Stärke. Es ist mir eine Freude und Ehre, Sie alle zu begrüßen!

Partnerland Rumänien

Lieber Dacian Cioloş, lieber Valeriu Tabãrã,

Sie werden sich heimisch fühlen auf dieser großen Bühne. Zum einen weil die Landwirtschaft das Feld ist, das Sie mit großem Einsatz beackern. Und zum anderen weil Ihr Heimatland hier eine Hauptrolle einnimmt. Sie haben bei der Grünen Woche ein richtiges Heimspiel. Herzlich Willkommen!

Rumänien, meine Damen und Herren, ist in der Europäischen Union ein recht neuer Partner. Fünf Jahre zählt Rumänien nun zu unserer europäischen Gemeinschaft. Wir sind froh, dass Sie, liebe Freunde, dabei sind.

Ihr Land hat einen bemerkenswerten und erfolgreichen Weg angetreten. Diktatur und Misswirtschafthaben Rumänien schwer gebeutelt. Aber nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes hat es sich geöffnet: Hin zu Demokratie und Marktwirtschaft – hin zu Europa!

Ich bin mir sicher: Auch mit seinen Produkten aus der Land- und Ernährungswirtschaft wird Ihr Land in unserem Kreis glänzend ankommen.

Denn es ist klar: Rumänien hat nicht nur einmalige Landschaften. Nein, Rumänien hat auch großartige Produkte. Zwischen diesen Produkten und Ihnen, meine Damen und Herren, stehe jetzt nur noch ich. Und ich verspreche Ihnen: Ich werde den Weg bald freimachen!

Ernährung sichern - weltweit

Meine Damen und Herren, die Grüne Woche in Berlin steht für die Kraft der Land- und Ernährungswirtschaft über nationale Grenzen hinweg. Und die Menschen brauchen diese Kraft. Denn die Weltbevölkerung wächst. Und mit ihrem Wachstum nimmt der Mangel zu:

  • an landwirtschaftlichen Böden,
  • an lebenswichtigem Wasser und damit letztlich
  • der Mangel an Lebensmitteln.

Wir stehen vor einer Zeitenwende. Wenn Böden, Wasser und Lebensmittel knapp werden, muss sich die Welt ändern. Mit einem Mindestmaß an Ressourcen nachhaltig ein Höchstmaß an Wertschöpfung erzielen – darum geht’s. Das ist die Zukunftsperspektive Green Economy: Effizient, sozial und umweltfreundlich.

Die Grüne Woche ist das Schaufenster in die Green Economy. Viele Trendsetter sind hier zu sehen. Und auch wir Agrarminister wollen die Richtung weisen: mit einem historischen Gipfeltreffen.Am Samstag werden Regierungsmitglieder aus der ganzen Welt beim Global Forum for Food and Agriculture zusammentreffen. Ich will einen Schulterschluss "für Ernährungssicherung durch nachhaltiges Wachstum."

Wir befinden uns im Kampf gegen den Hunger. Ohne die Land- und Ernährungswirtschaft ist ein Erfolg nicht möglich.Wir haben nur dann eine Chance, wenn Landwirte nachhaltig und produktiv wirtschaften– in allen Ländern der Erde!

Dafür brauchen wir auch einen funktionierenden Handel, der vernünftigen Regeln folgt. Wir wollen mehr Transparenz bei den Ursachen für Preisschwankungen, um wirksam gegensteuern zu können. Und wir wollen klare Limits, damit Preisschwankungen an den internationalen Agrarrohstoffmärkten nicht noch mehr Hunger produzieren. Wir wollen Brot – und keine brotlosen Spekulationen!                                 

Wir haben Transparenz und Limits hier in Berlin vor einem Jahr auf die Agenda gesetzt. Und beides haben die Staats- und Regierungschefs der G20 kürzlich beschlossen. Das ist für uns Agrarminister, die zur Grünen Woche kommen, Bestätigung und Motivation: Wir wollen weiter Motor für diese Bewegung sein!

Meine Damen und Herren, für uns ist es eine Selbstverständlichkeit: Bei uns muss niemand hungern. Wir sind satt. Aber eine Milliarde Menschen auf dieser Erde sind es nicht. Deshalb müssen wir über unseren Tellerrand hinaussehen. Und dabei setzen wir auf eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft, die bei knappen Ressourcen Höchstleistungen bringt!

50 Jahre Gemeinsame Agrarpolitik

Wir in Europa wissen, was möglich ist, wenn man zusammensteht. In diesem Jahr feiern wir den fünfzigsten Geburtstag der Gemeinsamen Agrarpolitik. Das ist eine Erfolgsgeschichte, die Kapitel um Kapitel fortgeschrieben wird. Gegründet in einer Zeit, als sich Europa von einem verheerenden Krieg noch nicht erholt hatte. Gegründet als Konsequenz aus den Hungerjahren und in der Hoffnung, Ernährung zu sichern. Und gegründet, um den Menschen eine bessere Lebensqualität zu bieten.

Am Anfang waren es nur sechs. Ein halbes Jahrhundert später sind es 27 Länder. So viele Staaten gestalten gemeinsam ihre Agrarpolitik. Damit war, ist und bleibt die Agrarpolitik Vorreiter der europäischen Einigung und des europäischen Zusammenhalts. Mit ihr haben wir Grenzen überwunden. Im "Europa 2012" ist Hunger kein Problem mehr!

Sie, liebe Bäuerinnen und Bauern, stehen am Anfang der Wertschöpfungskette. Viele Stunden harter Arbeit – tagein, tagaus, bei Wind und Wetter. Ich meine: Diese Leistung verdient Anerkennung und Respekt!

Unsere Ernährung zeichnet sich aus durch Sicherheit, Qualität und Vielfalt. Das ist eine historische Errungenschaft und ein Grund zum Feiern!

Charta für Landwirtschaft und Verbraucher

Meine Damen und Herren, unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren für uns alle, wie wir hier sitzen. Und wir Verbraucher greifen gerne zu. Zugleich treten Wünsche und neue Trends rund um unsere Ernährung und Fragen zu landwirtschaftlichen Produktionsverfahren in den Vordergrund.

Deshalb habe ich vor genau einem Jahr hier an dieser Stelle angekündigt, eine Charta für Landwirtschaft und Verbraucher zu erarbeiten. Ich habe im Vorfeld zu einem breiten gesellschaftlichen Dialog eingeladen. Das war eine Premiere.

Alle haben an einem Tisch gesessen:

  • Landwirtschaft und Verbraucher,
  • Umweltverbände,
  • Tierschutzverbände,
  • Kirchenvertreter,
  • Entwicklungshelfer,
  • Lebensmittelhandel und -hersteller
  • wie auch die Politik.

Das hat es in dieser Zusammensetzung und Intensität noch nie gegeben.

Viele Anregungen habe ich aufgegriffen. Sie sind Teil meiner Charta, die ich heute vorgestellt habe. Mit ihrer Umsetzung haben wir bereits begonnen. Dabei werden wir auch neue Wege zu gehen haben, um die Brücke zwischen Wirtschaft und Verbraucher zu schlagen.

Hier – bei dem weltweit größten Zusammentreffen von Land- und Ernährungswirtschaft mit Verbraucherinnen und Verbrauchern – will ich drei Kernpunkte aus der Charta herausgreifen.

Erstens:

Wegwerfen von Lebensmitteln

Zu viele Lebensmittel landen bei uns im Müll. Das ist nicht nur ein Ärgernis. Das ist vor allem die Verschwendung wertvoller Ressourcen! Wer von Ihnen, meine Damen und Herren, Lebensmittel produziert, der weiß: In ihnen steckt

  • die Kraft der Natur,
  • eine Menge Energie und
  • Ihre harte Arbeit.

Doch wir hier in Deutschland leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. Unsere Lebensmittel sind preisgünstig. Aber muss man sie deshalb wegwerfen? Nein! Wir werden das gemeinsam mit den Verbraucherverbänden und dem Lebensmittelhandel anpacken. Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne!

Auch Sie, lieber John Dalli, wollen im Namen der EU-Kommission die Lebensmittelabfälle bis 2020 um die Hälfte reduzieren. Dabei haben Sie mich an Ihrer Seite!

Zweites Thema aus der Charta:

Flächenverbrauch

Wir müssen den Flächenverbrauch in Deutschland wirksam begrenzen!  

Lieber Gerd Sonnleitner, Sie haben es zurecht angesprochen. Die Flächen sind im wahrsten Sinne des Wortes der Nährboden. Noch immer gehen in Deutschland jeden Tag 100 Hektar landwirtschaftliche Flächen verloren. Der Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehr muss runter! Das können wir uns nicht länger leisten!

Nun schlägt die EU-Kommission für die Zukunft sieben Prozent Flächenstilllegungen vor. Zum Vergleich: Das ist die Größenordnung aller Agrarflächen in Rheinland-Pfalz! Kann das sinnvoll sein?

Dabei leisten unsere Landwirte in Deutschland schon jetzt viel für die Umwelt. Deshalb sage ich: Stärkeres Greening in Europa: ja. Aber Stilllegungen wertvoller Flächen passen nicht zu den Herausforderungen der Welternährung. Was wir vielmehr brauchen ist eine kluge Vernetzung von Agrar- und Umweltpolitik in der Region!

Drittens:

Regionalität

Verbraucher wollen die Auswahl haben.

Im vergangenen Jahr hatten wir einen großartigen Wettbewerb: Deutschland sucht das Nationalgericht. Die Bewerber sprachen für sich – und für ihre Region: Rheinischer Sauerbrater, Pommerscher Gänsebraten und der Sieger, ohne dass ich Einfluss genommen hätte: Bayerischer Schweinebraten! Das ist regionale Vielfalt, die begeistert!

Und beim Einkauf achtet jeder Zweite auf die Herkunft. Hauptmotiv? 86 Prozent der Verbraucher vertrauen den Landwirten aus ihrer Region! Das sagt eine aktuelle Umfrage aus meinem Haus.

Die Region verleiht dem Lebensmittel Charakter. Viele Spezialitäten können Sie hier auf der IGW bei der Deutschland-Tour und darüber hinaus selbst probieren! Regionen haben sich zur echten Marke entwickelt. Sie bringen ein gutes Stück Wertschöpfung in die Heimat. Deshalb wird damit ja auch intensiv geworben. Aber nachhaltigen Erfolg werden wir nur erreichen, wenn das Regionale auch das Vertrauen der Verbraucher behält.

Ich meine: Wer mit der Region wirbt, muss auch sagen: Was ist die Region? Was ist drin aus der Region? Und wer prüft es?

Mein Grundgedanke für die Verbraucher ist Transparenz. Wer mehr zahlt – egal ob für Bio, Fairtrade, Tierwohl oder eben auch Regionales, der muss auch wissen, wofür er mehr zahlt!

In regionalen Lebensmitteln steckt riesiges Potenzial. Und damit meine ich nicht nur die heimischen Regionen. Wir schätzen genauso Lebensmittel aus den Regionen Europas und der Welt. 

Wir wollen die Heimat schmecken – genauso wie wir die Ferne schmecken wollen! Die Internationale Grüne Woche zeigt: Wir begeben uns gerne auf die Rei

Schluss: Eröffnung

Meine Damen und Herren, das zurückliegende Jahr war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Es war auch das Internationale Jahr der Wälder.

Lieber Philipp zu Guttenberg, lieber Georg Schirmbeck, gemeinsam mit vielen, vielen Menschen haben wir den Wald in den Mittelpunkt gerückt.

In der Forstwirtschaft gilt seit 300 Jahren das Prinzip der Nachhaltigkeit. Dieses Prinzip der Nachhaltigkeit wird weltweit an Bedeutung gewinnen. Für unsere Land- und Forstwirtschaft ist das ein Erfolgsrezept. Es ist die Zukunft. Es ist ein wichtiger Teil der Green Economy.

Wenn die Grüne Woche das Schaufenster dafür ist, dann können wir von nun an 10 Tage Einblick gewinnen. Aber wir sind nicht nur Betrachter. Es ist an uns, das Geschäft hinter dem Schaufenster zu gestalten und zwar 366 Tage im Jahr. Und das tun wir. Aus Überzeugung. Mit Zuversicht. Und Gestaltungskraft – gemeinsam!

Die große Bühne ist bereitet - wenn ich nun meinen Kollegen Valeriu Tabãrã nach vorne bitten darf:

Die Internationale Grüne Woche 2012 ist eröffnet.

Diese Seite

Zusatzinformationen

Die Ministerin

Ilse Aigner

App in den Wald

Waldfibel-App (verweist auf: Die Waldfibel)

Die Waldfibel gibt es als Broschüre, App fürs iPhone, iPad und Android Smartphone sowie als Windowsprogramm

"Zu gut für die Tonne"

Brot, Käse, Apfel mit Schriftzug zu gut für die Tonne (verweist auf: Zu gut für die Tonne)

Informationen zur BMELV-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelkennzeichnung

Logo www.lebensmittelklarheit.de (verweist auf: Die Internetplattform www.lebensmittelklarheit.de)

Portal der Verbraucherzentralen, gefördert durch das BMELV im Rahmen der Initiative "Klarheit und Wahrheit"

Lebensmittelsicherheit

Schriftzug von der Internet-Seite www.lebensmittelwarnung.de - Das Portal der Bundesländer (verweist auf: Internetplattform www.lebensmittelwarnung.de der Länder zur Verbraucherinformation über Lebensmittelwarnungen (Öffnet neues Fenster))

Auf einen Blick: Warnungen und Informationen der Öffentlichkeit zur Lebensmittelsicherheit

Charta für Landwirtschaft und Verbraucher (verweist auf: Informationen zur Charta)

BMELV im Web 2.0

YouTubeKanal des BMELV BMELV auf Twitter BMELV auf Twitter und YouTube folgen

Videos

Bundesregierung-YouTube-Kanal (verweist auf: YouTube-Kanal der Bundesregierung (Öffnet neues Fenster))

Video

Logo der Deutschen Gebärdensprache (verweist auf: Übersicht der Gebärdensprachfilme)

Übersicht der Gebärdensprachfilme

Unternavigation aller Website-Bereiche