Welternährung – Welche Verantwortung hat Europa?
Grußwort bei der DLG-Wintertagung 2012 in Münster
- Datum:
- 12.01.12 09:00
- Ort:
- Münster
- Redner:
- Parlamentarischer Staatssekretär Peter Bleser
1.300 Landwirte und Fachleute aus der Agrarwirtschaft besuchten die DLG-Wintertage 2012 und diskutierten aktuelle Fragen rund um Ackerbau, Tierhaltung und Tiergerechtheit, Ökolandbau, Waldwirtschaft und Management.An der Vortragstagung am 12. Janurar 2012 nahmen ca 350 Personen teil.
- Rückblick auf das agrarpolitische Jahr 2011
- Mit innovativer Landwirtschaft Welternährung sichern
- Innovationsförderung in der GAP
- Wert von Lebensmitteln / Spekulation
- Exportförderung
- Zukünftige Zusammenarbeit mit der DLG
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
es ist eine gute Tradition, das agrarpolitische Jahr bei der DLG zu eröffnen. Für mich ist es die erste DLG-Wintertagung, an der ich als Parlamentarischer Staatsekretär teilnehme. Und als solcher darf ich Ihnen auch herzliche Grüße von Frau Bundesministerin Ilse Aigner überbringen!
Lieber Herr Präsident Bartmer, seit über 125 Jahren arbeiten in der DLG Leistungsträger der deutschen Landwirtschaft. Unser gemeinsames Ziel ist es, durch Innovation nachhaltig und leistungsfähig zu produzieren und damit unseren Beitrag für die Sicherung der Welternährung zu leisten.
Nachhaltige Landwirtschaft und leistungsfähige Landwirtschaft sind kein Widerspruch, sondern eine gute Zukunftsperspektive!
- Nicht nur für Deutschland,
- nicht nur für den europäischen Binnenmarkt,
- sondern für die ganze Welt!
Ich sage das gerade auch mit Blick auf das Thema der heutigen Veranstaltung. Gerade auf dieser Veranstaltung können wir die Zukunftsperspektiven der deutschen Landwirtschaft im internationalen Zusammenhang diskutieren. Nicht nur für das neue Jahr 2012, sondern auch darüber hinaus! Bevor wir das tun, möchte ich die Gelegenheit nutzen, einen Blick zurück zu werfen auf das agrarpolitische Jahr 2011.
Rückblick auf das agrarpolitische Jahr 2011
Meine Damen und Herren, das Jahr 2011 hat Politik, Wirtschaft und Verbraucher in Atem gehalten wie kaum ein anderes:
- Ich denke an die Sorge um den Euro.
- Ich denke an die Sorge um Fukushima.
- Und ich denke an die Sorgen von Landwirten und Verbrauchern.
Gleich zu Beginn des Jahres stand Dioxin. Im Frühling war dann EHEC das alles bestimmende Thema. Und darüber hinaus litten viele Region unter
- der Trockenheit,
- den Schäden durch das letzte Hochwasser und
- auch noch unter einer verregneten Erntezeit.
Aber, meine Damen und Herren, eines zeichnet unsere Landwirte seit Jahr und Tag aus: Sie machen weiter, auch wenn Ihnen der Wind einmal hart ins Gesicht weht!
- Aus Liebe zum Beruf,
- aus Verantwortung für die nächste Generation und
- weil es Ihr Geschäft ist!
Sie können sicher sein: Die christlich-liberale Bundesregierung steht an der Seite der Landwirte – ganz besonders dann, wenn sie unverschuldet in Not geraten sind.
- Das war bei Dioxin der Fall.
- Das war bei EHEC der Fall.
- Und das war bei den
Wetterkapriolen des letzten Jahres der Fall!
Meine Damen und Herren, trotz allem war die deutsche Landwirtschaft auch im vergangenen Jahr eine starke Landwirtschaft. Ein Blick auf die Einkommensentwicklung zeigt das deutlich:
- Im Wirtschaftsjahr 2010/11 sind die Gewinne der Haupterwerbsbetriebe im Durchschnitt um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
- Der Ackerbau verzeichnete Zuwächse um fast 48 Prozent!
- Und die Milchbetriebe konnten ihre Gewinne im Durchschnitt sogar um satte 54,6 Prozent steigern!
Das ist besonders deshalb erfreulich, weil es auch andere Jahre mit anderen Ergebnissen gab! Heute sind die Berufsaussichten für die Auszubildenden in den Grünen Berufen und für die Absolventen der Agrarwissenschaften wieder bestens! Damit das so weitergeht, werden wir unsere mittelständischen Betriebe weiter stärken. Und deshalb machen wir mit unserer Agrarpolitik immer auch Mittelstandspolitik!
- Wir haben dafür gesorgt, dass Landwirte ihre Höfe grundsätzlich ohne Belastung durch die Erbschaftssteuer übergeben können.
- Wir haben die steuerliche Ermäßigung beim Agrardiesel dauerhaft verankert. Die SPD im Deutschen Bundestag will dieses wichtige Instrument für unsere Landwirte abschaffen.
- Vor zwei Jahren haben wir unseren Milchbauern in großer Not mit einem Sonderprogramm in Höhe von 750 Millionen Euro geholfen.
- Wir fördern die professionelle Beratung von Betrieben bei erneuerbaren Energien und im Milchsektor – mit bis zu hundert Prozent der Beratungskosten.
- Und wir haben den Bundeszuschuss zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung über die vergangenen Jahre erhöht!
- Gut zwei Drittel unseres Haushalts fließen in die soziale Sicherung der Landwirte.
- Mit dem geplanten Bundesträger für die landwirtschaftliche Sozialversicherung wird es noch einmal 150 Millionen Euro zusätzlich geben!
- Wir schaffen mit dem Bundesträger jetzt zukunftsfeste Strukturen für die Absicherung unserer Bauernfamilien. Nach langen Diskussionen ist uns hier ein echter Durchbruch gelungen – gemeinsam mit dem Berufsstand!
Das ist gelebte soziale Marktwirtschaft im Agrarsektor!
Mit innovativer Landwirtschaft Welternährung sichern
Meine Damen und Herren, wir dürfen uns aber nicht auf dem Erreichten ausruhen. Und wir sollten den Blick nicht nur auf Deutschland richten. An die Landwirtschaft werden heute vielfältige Erwartungen gerichtet – gerade aufgrund globaler Fragen:
- Sie soll hochwertige und schmackhafte Lebensmittel produzieren.
- Sie soll mithelfen, die Energiewende zu stemmen.
- Und sie soll helfen, die Ernährung für die Weltbevölkerung zu sichern.
Liebe Frau Dieckmann, unser gemeinsames Ziel ist es, das Recht auf Nahrung umzusetzen und zu erfüllen. Nach wie vor leiden zu viele Menschen an Hunger und Unterernährung. Vor kurzem hat die Weltbevölkerung die 7-Milliarden-Marke überschritten. Nach Schätzungen der FAO wird die Weltbevölkerung im Jahre 2050 auf 9 Milliarden Menschen anwachsen. Das erfordert eine Steigerung des Angebots an Nahrungsmitteln um rund 70 Prozent. Und diese Steigerung, meine Damen und Herren, die schaffen wir nur mit einer innovativen Landwirtschaft.
Vor allem durch Forschung und innovative Agrartechnik wuchsen die Nahrungsmittelerträge zwischen 1965 und 1985 um 56 Prozent! Hieran sieht man, was seinerzeit in zwei Jahrzehnten möglich war. Wenn wir ein ausreichendes Angebot an Nahrungsmitteln sichern wollen, brauchen wir also eine moderne Landwirtschaft. Dabei wissen wir alle, dass die Ressourcen wie Boden und Wasser, um nur die wichtigsten zu nennen, begrenzt sind.
Vor diesem Hintergrund ist der Vorschlag der EU-Kommission, sieben Prozent der Ackerfläche de facto aus der Lebensmittelproduktion zu nehmen, nicht zu verantworten.
Dabei ist für mich auch klar: Die Produktionssteigerungen müssen nachhaltig erfolgen. Wir müssen die Böden schonend und effizient nutzen. Kurzfristige Erfolge auf Kosten nachfolgender Generationen können nicht unser Ziel sein!
Landwirtschaftliche Kooperationen, wie zum Beispiel unser gemeinsames Projekt mit der Wirtschaft in Äthiopien, zeigen, dass die Menschen vor Ort ihre Nahrungsmittelproduktion über moderne und Ressourcen schonende Landbewirtschaftung steigern können.
Und ich meine: Wir müssen gemeinsam auch innovative Lösungen zur Reduzierung der Ernteverluste und zur Verbesserung der Lagerhaltung entwickeln! Bei Letzterem gehen in manchen Ländern bis zu 30 Prozent durch Lagerverluste verloren.Somit ist auch klar, dass dringend in verbesserte Technik für Ernte, Lagerung und die gesamte Wertschöpfungskette investiert werden muss!
Meine Damen und Herren, wir sollten uns daher fragen:
- Wie können wir das Innovationspotenzial der deutschen Landwirtschaft steigern?
- Wie können wir Innovationen für eine umweltschonende und nachhaltige Produktion nutzen?
- Und wie leisten wir damit unseren Beitrag zur Sicherung der Welternährung?
In den vergangenen zwei Tagen haben Sie in hochkarätigen Workshops Antworten auf diese Fragen entwickelt. Ich bin gespannt auf Ihre Ergebnisse. Die Rahmenbedingungen für innovatives und nachhaltiges Wirtschaften sind jedenfalls günstig: Denn die Investitionsbereitschaft der deutschen Landwirte in innovative Technik ist groß. Fast 40 Prozent der Landwirte wollen im ersten Halbjahr 2012
- neue Landmaschinen kaufen,
- Wirtschaftsgebäude bauen oder
- in die Hof- und Stalltechnik investieren.
Das geht aus dem aktuellen DBV-Barometer hervor.
Zugleich sind in den vergangenen fünf Jahren die Kredite in der Landwirtschaft um 20 Prozent auf insgesamt 41 Milliarden Euro angewachsen. Mit weiteren Krediten für Investitionen ist zu rechnen. Denn die Zinsen dafür sind bei uns niedrig wie nie.
All das spricht für eine dynamische und innovative Branche mit guten Wachstumsperspektiven. Und diese Perspektiven, die will die Bundesregierung mit einer innovationsfreundlichen Agrarpolitik nachhaltig stärken!
Meine Damen und Herren, der Ingenieur Max Eyth hat den Grundstein gelegt für die innovative Landwirtschaft. Es war sein Ziel, den praktischen Nutzen aus Wissenschaft und Forschung zu ziehen und in die Landwirtschaft einzubringen. Er war ein Pionier der Landtechnik, der den Fortschritt immer vor Augen hatte.
Und tatsächlich: In den vergangenen zwei Jahrhunderten hat sich die deutsche Landwirtschaft den technologischen Herausforderungen gestellt und uns damit die Sicherheit für das tägliche Brot gegeben. Die Produktionstechnik hat den Anfang gemacht.Weizen, Roggen oder Mais sind heute nicht mehr die Pflanzen, die sie vor 100 Jahren einmal waren. Zuchterfolge sind bei allen wichtigen Eigenschaften wie
- Ertrag,
- Qualität,
- Anbaueigenschaften und
- Stressverträglichkeit
erreicht worden.
Meine Damen und Herren, die DLG ist auf dem Gebiet der Agrarforschung ein wichtiger Impulsgeber. Ich nenne hier nur das Internationale Pflanzenbauzentrum in Bernburg. Es leistet einen wesentlichen Beitrag, um neueste Erkenntnisse in die Praxis zu bringen etwa über Nährstoffmanagement, Fruchtfolgen oder Energiepflanzen.
Es wird dort geforscht: Nicht für den Elfenbeinturm, sondern für die Praxis und damit für eine starke Branche!
Aber nicht nur beim Pflanzenbau, sondern überall hat sich die Landwirtschaft durch die Forschungsergebnisse in den letzten Jahren nachhaltig verbessert. Ich nenne nur das Stichwort: "Precision Farming." Das ist ein technischer Prozess, der laufend fortentwickelt wird – und das sehr dynamisch, wie wir auf der letzen Agritechnica in Hannover sehen konnten. Elektronik und Sensorik schreiten in ihrer Entwicklung von Landmaschinen unaufhaltsam voran.
Daran wird deutlich: Landwirtschaft ist hochinnovativ.
Damit wir die Innovationskraft der deutschen Agrarbranche aufrecht erhalten und ausbauen können, hat mein Ministerium ein Innovationsförderungsprogramm aufgelegt. Die hierfür verfügbaren Mittel haben wir kontinuierlich auf 34 Millionen Euro in diesem Jahr erhöht. In der Finanzplanung sind weitere Zuwächse geplant.
Damit fördern wir
- Innovationen im Pflanzenschutz
- Innovationen in Tierzucht und Tierschutz
- und Innovationen in der umweltgerechten Landbewirtschaftung.
- Das sind Investitionen in eine starke, nachhaltige und damit zukunftsfeste Landwirtschaft!
Meine Damen und Herren, die Innovationsförderung ist das eine. Die Umsetzung des Know-Hows in die Praxis auf dem Feld und im Stall ist das andere. Und daran hapert es noch an manchen Stellen.
Ein Gutachten im Auftrag meines Ministeriums hat es an den Tag gebracht: Die deutsche Industrie hat viele innovative Ideen, aber es gibt erhebliche Defizite, was die Umsetzung in die Praxis angeht. Insbesondere mittelständischen Unternehmen geht oft die Puste aus bei der Weiterentwicklung guter Ideen in marktfähige Produkte. Deshalb wollen wir im April mit einem zweitägigen Innovationskongress Impulse für eine verbesserte Umsetzung erarbeiten. Ziel ist der Aufbau von Innovationspartnerschaften, die neue Ideen von der Forschung über die Marktreife bis zur Einführung in die landwirtschaftlichen Betriebe begleiten. Ich lade Sie herzlich ein, daran aktiv mitzuwirken! Denn die DLG hat viel Erfahrung darin, Innovationen aus dem Labor auf das Feld zu bringen.
Und dann können wir hoffentlich bei der nächsten DLG-Wintertagung mit Stolz sagen: FortschrittlicherLandwirtschaft gehört die Zukunft – gerade hier in Deutschland!
Innovationsförderung in der GAP
Meine Damen und Herren, Innovationsförderung – das ist aber keine rein nationale Angelegenheit. Im Gegenteil: Ohne eine internationale Verzahnung, ohne eine enge europäische Zusammenarbeit können wir das Innovationspotenzial der Agrarbranche nicht voll ausschöpfen. Und deshalb freue ich mich, dass die Europäische Kommission die Innovationsförderung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, deren 50-jähriges Jubiläum wir in den nächsten Tagen feiern dürfen, nun deutlich stärken will. Dafür hat sich die Bundesregierung in Brüssel stets eingesetzt!
Nach den Plänen der Kommission soll es in der nächsten Förderperiode bis zum Jahre 2020 für die Agrarforschung insgesamt rund 5 Milliarden Euro geben. Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zur vorherigen Förderperiode! Die Verdoppelung der Agrarforschungsmittel ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Ressourceneffizienz im Agrarsektor. Mit den Ländern werden wir nun beraten, wie wir die geplanten Innovationspartnerschaften über die EU-Programme zur ländlichen Entwicklung in die Betriebe hineinbringen können. So setzen wir über die GAP neue Akzente für eine zukunftsfeste Agrarbranche!
Meine Damen und Herren, neben der Aufstockung der Forschungsgelder müssen wir vor allem Synergien zwischen bestehenden EU-Maßnahmen zur Innovationsförderung besser nutzen. Hier sehe ich noch Verbesserungsbedarf.
Und auch auf EU-Ebene gilt: Die schönsten Forschungsergebnisse nutzen nichts, wenn sie nicht auf dem Feld und im Stall umgesetzt werden. Hier muss die Kommission konkrete Ziele setzen.
Ich denke etwa an:
- Technologien zur Verbesserung der Produktivität und der Ressourceneffizienz,
- Qualitätssicherungssysteme und
- Instrumente zur gezielten Verbraucherinformation.
Ich bin davon überzeugt: Mit einer gezielten und praxisorientierten Innovationsförderung machen wir die europäische Landwirtschaft fit für die Zukunft! Und wir machen sie fit, damit sie ihren Beitrag zur Sicherung der Ernährung weltweit leisten kann!
Wert von Lebensmitteln / Spekulation
Meine Damen und Herren, es gibt Schätzungen, dass in Deutschland pro Person jährlich Lebensmittel im Wert von mehr als 300 Euro weggeworfen werden. Über 80 Prozent der Deutschen werfen Lebensmittel weg, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen oder die Ware verdorben ist. Ich sage das auch aus meiner festen Überzeugung als Christ: Wir müssen diese Verschwendung stoppen und wieder eine wirkliche Wertschätzung für unsere Lebensmittel entwickeln.
Deshalb haben wir eine Studie in Auftrag gegeben. Sie soll erstens wissenschaftlich fundierte Zahlen liefern, wo und wie viel Lebensmittelabfälle in Deutschland anfallen. Und sie soll zweitens konkrete Vorschläge zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen machen. Wir werden diese Studie im März auf einem Kongress vorstellen. Auf dieser Basis werden wir die Verbraucher gezielt informieren und wenn nötig weitere Maßnahmen ergreifen!
Meine Damen und Herren, liebe Frau Dieckmann, zur Wertschätzung von Lebensmitteln gehört auch, dass Nahrungsmittel keine Ware wie jede andere sind. Und deshalb setzen wir uns ein gegen extreme Spekulationsgeschäfte auf den internationalen Agrarrohstoffmärkten. Denn sie können unmittelbare Auswirkungen haben auf die Ernährungssituation in den Entwicklungsländern.
Vor fast genau einem Jahr hat Frau Ministerin Aigner bei der Internationalen Grünen Woche 2011 Leitplanken gefordert und stand damit weitestgehend allein. Aber Ende des Jahres 2011 haben die Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel klar gemacht: Wir sorgen mit dem Agrarmarktinformationssystem – kurz AMIS – für mehr Transparenz auf den Märkten. Auch mit Positionslimits für Finanzinvestoren machen wir einen Schritt, um Preisschwankungen einzudämmen.
Und ich freue mich, dass die EU-Kommission ebenfalls Vorschläge für mehr Transparenz und bessere Regulierung auf den Agrarterminmärkten vorgelegt hat. So brauchen wir endlich regelmäßige Berichte über Akteure und Handelsverläufe, wie sie in den USA Standard sind.
Sehr geehrter Herr Kollege Häusling, wir kommen also auch innerhalb der EU voran!
Finanztransaktionssteuer
Auf eine Finanztransaktionssteuer konnten sich die G 20 leider nicht einigen. Dabei fallen Steuern auf fast allen Stationen des Handels an. Wenn der Bürger auf dem Wochenmarkt Kartoffeln kauft, zahlt er auch Mehrwertsteuer darauf. Wenn Spekulanten auf den Agrarterminmärkten Optionen handeln, zahlen sie jedoch keinen Cent an den Staat. Wieso eigentlich?
Eine Finanztransaktionssteuer ist sinnvoll. Sie ist für mich ein geeignetes Instrument zur Regulierung der Finanzmärkte. Sie kann Spekulationen generell eindämmen. Und mit ihr können wir die Märkte an der Bewältigung von Krisenkosten beteiligen. Deshalb hat unser Bundesfinanzminister meine volle Unterstützung bei seinen Plänen, diese Steuer einzuführen. Und ich meine: Wenn die Finanztransaktionssteuer nicht weltweit kommt, sollte Europa vorangehen! Das hat auch die Bundeskanzlerin im Deutschen Bundestag betont!
Exportförderung
Meine Damen und Herren, ich habe es anfangs schon gesagt: Die deutsche Landwirtschaft ist eine starke Landwirtschaft. Hieran hat der Export von Agrarprodukten einen wesentlichen Anteil. Jeder vierte Euro im Ernährungssektor wird derzeit im Export verdient! In den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 exportierte die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft Erzeugnisse im Wert von über 41 Milliarden Euro – eine Steigerung um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 80 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte werden innerhalb der Europäischen Union abgesetzt. Ein Exportanteil, der auf hohem Niveau stabil bleibt – auch weil mit dem Euro die Wechselkursrisiken entfallen sind. Und nach dem aktuellen Exportbarometer der deutschen Ernährungsindustrie gehen 72 Prozent der befragten Unternehmen von einem steigenden Absatz im chinesischen Markt aus.
Diese Zahlen belegen es eindrucksvoll: Unsere deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ist mit Produkten "Made in Germany" erfolgreich. Der deutsche Agrarexport steht heute auf einem sicheren Fundament. Und deshalb passen Exporterstattungen nicht mehr in die Zeit. Sie haben in der Praxis stetig an Bedeutung verloren:
- Für die deutsche Landwirtschaft gab es im letzten Jahr Exporterstattungen im Wert von 20 Millionen Euro.
- Die gesamten EU-Haushaltsausgaben für Ausfuhrerstattungen betrugen im Jahr 2011 rund 164 Millionen Euro.
- Das waren nur noch knapp zwei Prozent der dafür im Jahr 1993 gewährten Mittel.
- Damals waren es noch 10,2 Milliarden Euro.
Wir können den Verzicht auf Exportsubventionen also verkraften. Frau Ministerin Aigner wird sich deshalb in der EU für einen schnellstmöglichen Verzicht auf die Exporterstattungen für Agrarprodukte einsetzen!
Liebe Frau Dieckmann, das ist auch ein Ergebnis der Diskussionen um die Charta für Landwirtschaft und Verbraucher. Die konstruktiven Beiträge aller Teilnehmer im Workshop "Ernährungssicherung und Welthandel" fließen also in unsere Agrarpolitik mit ein! Durch den Chartaprozess fühlen wir uns bestätigt: Die für Exporterstattungen im EU-Haushalt vorgesehenen Mittel sollten wir einsparen und sinnvoller nutzen – etwa für die Innovationsförderung!
Sehr geehrter Herr Kollege Häusling, dafür hat Frau Ministerin Aigner im Dezember bereits in Brüssel geworben. Andere Agrarexportnationen – wie die USA – sollten unserem Beispiel folgen!
Meine Damen und Herren, sehr geehrter Herr von der Lage, der Verzicht auf die Exporterstattungen heißt aber nicht, dass wir dem Agrarexport das Sicherheitsnetz unter den Füßen wegziehen. Das Sicherheitsnetz wird vielmehr eine effiziente Exportförderpolitik sein. Die Bundesregierung unterstützt auch im neuen Jahr die Pflege bestehender und die Erschließung neuer Märkte – besonders für kleine und mittelständische Unternehmen.
Konkret fördern wir:
- Über 60 geplante Projekte der Exportverbände der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie
- 45 Unternehmerreisen, die der gezielten Markterkundung und der Anbahnung von Geschäftsabschlüssen dienen.
Ein zentrales Element unserer Exportaktivitäten ist das Auslandsmesseprogramm 2012 mit seinen 35 Messebeteiligungen. Mit seinem umfangreichen Begleitprogramm ist das Programm eine ideale Plattform für unsere mittelständischen, exportorientierten Unternehmen – vor allem in den wachstumsstarken Drittlandsmärkten. Darüber hinaus haben wir im vergangenen Jahr das Netz unserer Agrarreferenten an Deutschen Botschaften um zwei weitere Standorte erweitert.
All diese Maßnahmen zeigen: Beim Export unserer deutschen Qualitätsprodukte bleiben wir gemeinsam stark – auch ohne Exporterstattungen!
Zukünftige Zusammenarbeit mit der DLG
Meine Damen und Herren, für gute Nachrichten zum Neuen Jahr ist die DLG-Wintertagung ein gutes Forum. Ich habe meine Rede mit guten Nachrichten zur Einkommensentwicklung begonnen. Und ich möchte meine Rede mit einer weiteren guten Nachricht beenden:
Seit vielen Jahren gibt es eine enge Zusammenarbeit meines Hauses mit der DLG. Frau Ministerin Aigner hat es schon auf dem Max-Eyth-Abend zu Beginn der Agritechnika in Hannover gesagt – und ich sage es auch hier noch einmal: Ich bin sehr zuversichtlich im Hinblick auf eine Fortsetzung unserer Kooperation. Und damit bin ich auch sehr zuversichtlich im Hinblick auf die weitere finanzielle Förderung durch mein Ministerium. Das gilt ganz besonders für das DLG-Testzentrum. Modernste Messtechnik und leistungsfähige Prüfeinrichtungen setzen hier Standards. Die Landwirte vertrauen den Prüfaussagen der DLG bei ihren Investitionen in Landtechnik und sie vertrauen den DLG-Gütezeichen beim Kauf von Betriebsmitteln.
Meine Damen und Herren, Sie wissen: Für die Förderung gilt es, allerhand formaler Kriterien zu beachten. Rechtliche Prüfungen stehen noch aus. Aber es ist unser Leitmotiv auch in anderen Bereichen: Transparenz steht bei uns ganz oben auf der Agenda. Sicherheit gewährleisten, Selbstbestimmung ermöglichen – ist unser Motto. Und die DLG schafft Transparenz, die Selbstbestimmung möglich macht. Sie stellt notwendige, neutrale und verlässliche Verbraucherinformationen bereit. Das deckt sich ganz mit einem weiteren Kernpunkt der Charta für Landwirtschaft und Verbraucher – der gezielten Verbraucherkommunikation. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen neue Umsatztrends durch Transparenz und Innovationen fördern!
Meine Damen und Herren, die Grüne Woche wirft ihre Schatten voraus. In genau einer Woche wird sich die Agrar- und Ernährungsindustrie wieder in Berlin unter dem grün erstrahlten Funkturm versammeln. Und traditionell werden wir im Rahmen der Grünen Woche auch wieder das "Global Forum for Food and Agriculture" ausrichten. Im Rahmen des GFFA lädt Frau Ministerin Aigner jedes Jahr im Januar Agrarministerinnen und Agrarminister aus aller Welt nach Berlin ein. Dieses Mal werden wir uns mit dem Thema: "Ernährungssicherung durch nachhaltiges Wachstum – Landwirtschaftliche Nutzung knapper Ressourcen" beschäftigen. Und ich kann Ihnen zusichern: Die Ergebnisse dieser DLG-Wintertagung werden in unsere Beratungen einfließen!
Denn ich weiß, lieber Herr Präsident Bartmer, die DLG steht als verlässlicher Partner fest an unserer Seite!
Dafür danke ich Ihnen herzlich!

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