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Die Rolle von Biogas und dessen besondere Bedeutung

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Peter Bleser bei der Jahrestagung BIOGAS des Fachverbandes Biogas

Datum:
11.01.12 18:00
Ort:
Bremen
Redner:
Parlamentarischer Staatssekretär Peter Bleser

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

ich freue mich sehr, heute bei der Jahrestagung des Fachverbandes Biogas anwesend sein zu können. Vielen Dank für Ihre Einladung! Ihr Verband ist die größte Interessensvertretung der Biogasbranche in Europa und Sie vertreten vor allem die landwirtschaftlichen Biogasanlagenbetreiber.

Dank an Fachverband Biogas

Wir haben bisher viel gemeinsam erreicht. Ich möchte mich insbesondere für Ihren wertvollen Input bei der Diskussion um die EEG-Novelle bedanken. Sie haben zahlreiche und zielführende Hinweise und Argumente beigesteuert, die zur Meinungsbildung in der Diskussion beigetragen haben. Ich freue mich, dass wir zusammen so viel erreichen konnten.

Und es geht hier um ein sehr wichtiges Thema – Biogas, als eine Säule der künftigen Energieversorgung unseres Landes. Ich möchte sogar sagen: Biogas – als eine sehr wichtige Säule der künftigen Energieversorgung unseres Landes!

Rolle von Biogas als speicherbare Ausgleichsenergie

Biomasse als Zukunftsenergie

Die Biomasse ist sowohl weltweit als auch in Deutschland der bedeutendste erneuerbare Energieträger. In Deutschland werden ca. 70 Prozent der erneuerbaren Energien auf der Basis von Biomasse bereitgestellt. Als klimaverträglicher und regional verfügbarer Energierohstoff ist Biomasse, im Vergleich mit anderen Erneuerbaren Energien, speicherfähig und dadurch nach Bedarf verfügbar. Die Vorteile sind Ihnen als Fachverband bestens bekannt!

Neben dem Klimaschutz kann die energetische Nutzung von Biomasse einen wesentlichen Beitrag zur Energiesicherung leisten und damit eine nachhaltige Entwicklung insbesondere auch in den ländlichen Räumen fördern.

Klimaschutz und Energiesicherung

Ohne den Beitrag des Energieträgers Biomasse werden wir die von der Bundesregierung gesteckten Ziele im Bereich Klimaschutz und Versorgungssicherheit - kurz die Energiewende - kaum erreichen können.

An Biomasse und Biogas führt kein Weg mehr vorbei!

Derzeit 7.000 Biogasanlagen in Deutschland

Die Biogasproduktion und –nutzung verfügt in Deutschland bereits heute über einen hohen Stellenwert. Derzeit wird in unserem Land mit etwa 7.000 Biogasanlagen eine installierte elektrische Anlagenkapazität von rund 2.800 Megawatt bereitgestellt. Damit können heute bereits etwa drei Prozent des deutschen Stromverbrauchs erzeugt werden. Um die Ziele der Bundesregierung im Bereich der Bioenergie- und Biogaserzeugung erreichen zu können, muss auch der Biogassektor weiterentwickelt werden!

Zur Förderung der Markt- und Systemintegration von Erneuerbaren Energien wurden im novellierten EEG eine Marktprämie und eine Flexibilitätsprämie als Anreizinstrumente eingeführt. Das Marktprämienmodell soll die Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren Energien und damit die Marktintegration befördern. Die zusätzliche Flexibilitätsprämie soll die bedarfsgerechte Stromerzeugung durch Biogas anreizen, um so die Nutzungsmöglichkeiten für die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik zu verbessern, Last- und Erzeugungsspitzen der erneuerbaren Energien zu glätten und einen Beitrag zur Netzentlastung zu leisten.

Wie ich bereits eingangs ausführte, ist Biogas für mich eine wichtige Säule der künftigen Energieversorgung unseres Landes, weil sie speicherbar und grundlastfähig ist, auch wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht. Wir produzieren verlässliche Energie.

Bedarfsgerechte Stromerzeugung

Die Flexibilitätsprämie kann vom Anlagenbetreiber ergänzend zur Marktprämie vom Netzbetreiber für die Bereitstellung zusätzlich installierter Leistung für eine bedarfsgerechte Stromerzeugung verlangt werden. Bei erfolgreicher Markteinführung ist eine Ausweitung auf Bestandsanlagen beabsichtigt. Mit diesem Anreizinstrument werden die Stärken von Biogas als ausgleichendes und flexibles Element im Konzert der fluktuierenden Erneuerbaren gefördert.

Biogas ist, was die Erzeugungs- und die Nutzungsmöglichkeiten angeht, ein Multitalent und spielt damit eine wichtige Rolle bei der geplanten Energiewende.

Besondere Bedeutung von Biogas in der KWK-Anwendung

Eine besondere Bedeutung gewinnt Biogas in der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

KWK vor Ort an der Biogasanlage

Derzeit erfolgt die Verstromung des Biogases direkt am Anlagenstandort mit Hilfe von Blockheizkraftwerken, welche Strom und Abwärme erzeugen. Die Nutzungsmöglichkeiten für diese Abwärme sind auf dem landwirtschaftlichen Betrieb häufig begrenzt. Das Wärmepotenzial ist meistens jedoch bei größeren Anlagen bei weitem noch nicht erschöpft. Sind keine weiteren Wärmeabnehmer in der Nähe des Betriebes vorhanden und gibt es, wie häufig, auch kein örtliches Nahwärmenetz, wird nicht selten die übrige Wärme ungenutzt an die Umgebungsluft abgegeben.

Erhöhte Effizienz von KWK, wenn Biomethan eingespeist wird

Für dieses Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsproblem stellt u.a. die Aufbereitung des Biogases zu Biomethan und dessen Einspeisung ins Erdgasnetz eine Lösung dar. Mit Hilfe von speziellen Aufbereitungsanlagen ist es möglich, das Methan von den anderen Bestandteilen des Biogases abzutrennen.

Ich muss sicher nicht tiefer ins technische Detail gehen, da ich heute ja vor Fachleuten spreche!

Dieses erdgasgleiche Gas kann dann in das weit verzweigte Erdgasnetz eingespeist und dort genutzt werden, wo Strom UND die bei der Verstromung entstehende Wärme benötigt werden. Somit sind erheblich höhere Gesamtwirkungsgrade bei der Verstromung zu erzielen. Außerdem ist die Nutzung des Biomethans zur reinen Wärmeerzeugung und als Kraftstoff in Erdgasfahrzeugen möglich.

Biogasnutzungswege

Zur Identifizierung des bestmöglichen Nutzungsweges für Biogas bzw. Biomethan wurde eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt, die zum Teil zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führten und kontrovers diskutiert werden. Bei vielen Betrachtungen liegt die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit Blick auf die Energieeffizienz ganz weit vorne. Stellt man jedoch den Bedarf bei der Bewertung an die erste Stelle, ergibt sich ein anderes Bild. Denn bei einer ausschließlich energetischen Betrachtung bleiben die reinen Wärme- oder Kraftstoffmärkte, die sich z.B. durch KWK nicht erschließen lassen, zu Unrecht unberücksichtigt.

Treibhausgasbilanzen von Biogas vorteilhaft

Und obwohl die Treibhausgasbilanzen von Biogas gegenüber fossilen Energieträgern bereits heute deutlich positiv ausfallen, bestehen hier weitere Entwicklungsmöglichkeiten. So wirken sich zum Beispiel der vermehrte Einsatz von Gülle, die Nutzung von Reststoffen oder verbesserte Konzepte zur Wärmenutzung aus der Kraft-Wärmekopplung äußerst günstig auf die Treibhausgasbilanzen aus.

Vergleicht man die Chancen und Perspektiven von Biogas im Kraftstoffmarkt mit anderen alternativen Kraftstoffen, wie z.B. Wasserstoff und Elektromobilität, so sind diese vor allem in den nächsten Jahren als sehr beträchtlich einzustufen. Bei Biogas stehen sowohl die Fahrzeugtechnik als auch die Erzeugungstechnologie und die Logistik bereits heute ausgereift und zu vertretbaren Preisen zur Verfügung.

Biogas vorteilhaft im Vergleich

Gegenüber anderen Biokraftstoffen, wie z.B. Bioethanol und Biodiesel ist die hohe Flächeneffizienz von Biogas hervorzuheben und solange die Biokraftstoffe der zweiten Generation wie z.B. Bioethanol auf Lignozellulosebasis und BTL noch entwickelt und erprobt werden, bietet Biogas auch im Kraftstoffmarkt eine echte Alternative.

Fortentwicklung der Nutzungspfade von Biogas

Nach Auffassung des BMELV müssen die verschiedenen Nutzungspfade für Biogas auf absehbare Zeit parallel und technologieoffen entwickelt werden. Nur so können nach unserer Einschätzung die vielfältigen Talente von Biogas angemessen zur Geltung gebracht werden.

Besondere Bedeutung von standortangepassten und hofangepassten Biogasanlagen

Ich möchte nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, zu einem Thema kommen, welches sehr plötzlich und kurzfristig wieder auf der politischen Tagesordnungsordnung erschienen ist. Es geht um die kleinen 75 kW-Biogasanlagen, die vornehmlich Gülle einsetzen.

75 kW Gülle-Biogasanlagen

Im neuen EEG 2012 haben wir es geschafft, eine Sondervergütungsklasse für kleine Biogasanlagen einzuführen. Das sind die Biogasanlagen, die an den Bauernhöfen stehen, die standortangepasst sind und die die anfallende Gülle sinnvoll verwerten. Diese kleinen Biogasanlagen bringen große Vorteile für alle Seiten mit sich.

In den letzten Wochen kam jedoch die Diskussion rund um die Erhöhung der EEG-Umlage auf, sowie Ideen, wie diese begrenzt werden könnte. Auf der Vorschlagsliste waren auch die neuen 75 kW-Biogasanlagen zu finden, weil sie, oberflächlich betrachtet, im Verdacht standen, die EEG-Umlage zu treiben.

Ich sage Ihnen aber ganz deutlich, dass das falsch ist – im Gegenteil!!

1. Neue 75 kW-Sondervergütungsklasse fördert den Bau standortangepasster Biogasanlagen

Durch die 75 kW-Anlagen-Klasse werden an die im landwirtschaftlichen Unternehmen vorhandenen Güllemengen angepasste Biogasanlagen gebaut und keine - über den alten Güllebonus des EEG 2009 querfinanzierten - Maisanlagen mehr (In der Regel waren das 200 kW-Anlagen). Das heißt, die potenziellen Standorte werden durch angepasste Anlagen besetzt, so dass diese Standorte nicht mehr für überdimensionierte Anlagen mit „Maissog“ zur Verfügung stehen. Damit sinkt der Flächendruck und die Summe der eingespeisten Kilowattstunden, da die Anlagen nicht mehr - wie mit dem EEG 2009 - überdimensioniert werden.

2. Methanemissionen werden gesenkt

Durch die vermiedenen Methanemissionen aus der offenen Güllelagerung sind die CO2-Vermeidungskosten mit der 75 kW-Klasse geringer als bei den durch das EEG 2009 angereizten 200 kW-Biogasanlagen mit 30 Prozent Gülle und 70 Prozent Energiepflanzeninput. Zudem werden mit dem EEG 2012 insbesondere 75 kW-Anlagen angereizt, die ausschließlich Gülle einsetzen.

3. Kein großer Zubau der neuen 75 kW-Biogasanlagen zu erwarten

Für den Zubau der 75 kW-Biogasanlagen nach dem neuen Sondertatbestand im EEG 2012 gibt es „begrenzende Faktoren“, welche technischer Natur sind und nur unter Einhaltung dieser ein ökonomisch sinnvoller Neubau machbar ist. Ich denke dabei z.B. an die Abdeckpflicht und Verweilzeit und die damit verbundenen Investitionskosten. Bisher gibt es keine repräsentative Anlage mit 75 kW, die nach den Anforderungen des Sondertatbestandes im neuen EEG arbeitet. Anlagen dieser Art befinden sich noch in der Planungs- bzw. Pilotphase und werden voraussichtlich erst ab dem 3. Quartal 2012 anlaufen.

Vertrauensschutz wahren

Hier gilt es, Vertrauensschutz zu wahren! Vertrauensschutz in die gerade beschlossenen Neuregelungen. Viele Firmen sind derzeit dabei, im Vertrauen auf die Politik und auf Grundlage des im Bundesgesetzblatt veröffentlichten Gesetzestextes des EEG 2012, neue Konzepte und Technologien zu entwickeln, um ab 01.01.2012 am Markt bestehen zu können.

Investitionssicherheit für Anlagenbauer nicht gefährden

Es ist bereits viel Geld in Biogas-Anlagenkonzepte und deren Planung auf Basis des EEG 2012 investiert worden. Der Vorteil der frühen Verabschiedung des EEG darf nicht durch voreilige und undifferenzierte Aussagen sowie Diskussionen zunichte gemacht werden.

4. Kleine Gülleanlagen haben keine EEG-Umlagetreibende Wirkung.

Die neu geschaffene Anlageklasse trägt zwar zum Anstieg der EEG-Umlage bei (wie jede neu gebaute Anlage), aber nur in sehr geringem Umfang, zumal zur Grundvergütung von 25 Ct/kWh keine weiteren Zuschläge (z.B. nach den Einsatzstoffklassen I und II oder ein Biomethanbonus) möglich sind.

5. Hohe Solarförderung verursacht Kostenbuckel

Die Solarförderung der vergangenen Jahre treibt die EEG-Umlage und verursacht einen Kostenbuckel.

Der Ausbau des Ökostroms hat sich preisdämpfend an den Strombörsen ausgewirkt. Ökostrom verdränge zunächst die teuersten konventionellen Kraftwerke vom Markt. Dieser kostendämpfende Effekt würde aber von den Versorgern nur unzureichend an die Verbraucher weiter gegeben.

Aufgrund der hohen Solarförderung der vergangenen Jahre ist ein „Kostenbuckel“ entstanden, der aufgrund der garantierten Einspeisevergütung (20 Jahre) heute noch einige Jahre „mitgeschleppt“ werden muss. Dieses Argument muss all denen bewusst sein, die davon sprechen, die EEG-Vergütung für kleine Biogasanlagen ggf. reduzieren zu wollen!

Biogas als Motor für Klein- und Mittelstand

Lassen Sie mich zu einem anderen wichtigen Thema kommen, meine Damen und Herren. Die Bioenergiebranche – und speziell die Biogasbranche – ist ein Motor für den Klein- und Mittelstand im Ländlichen Raum.

Biogasbrache stärkt Entwicklung des Ländlichen Raumes

Die energetische Verwendung von Biomasse hat durch die damit verbundene Inanspruchnahme von land- und forstwirtschaftlichen Flächen erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des ländlichen Raums. Die für die Erzeugung von Bioenergie auch zukünftig notwendige Anbau-Biomasse stammt überwiegend von heimischen land- und forstwirtschaftlichen Flächen sowie von biogenen Reststoffen.

Gerade die Landwirtschaft und der ländliche Raum können an dem Potential der Erneuerbaren Energien konkret partizipieren. Dies geht über den reinen Anbau nachwachsender Rohstoffe weit hinaus. Erneuerbare Energien bieten mittlerweile echte Einkommensalternativen vor Ort. Gerade dezentrale Energiekonzepte generieren Arbeitplätze und Wertschöpfung in ländlichen Regionen.

128.000 Arbeitsplätze in Bioenergiebranche

In der EE-Branche sind nach aktuellen Angaben in Deutschland insgesamt gut 360.000 Menschen beschäftigt. Allein zum Bioenergiesektor werden davon 128.000 Arbeitsplätze gezählt. 2010 wurden im EE-Sektor Investitionen von über 25 Milliarden. Euro getätigt, davon 2,7 Milliarden Euro im Bereich der Bioenergie.

All diese Faktoren stärken den Ländlichen Raum.

Eigenversorgung mit Bioenergie

Besonders sind Bioenergiedörfer eindrucksvolle Beispiele dafür, wie die Eigenversorgung mit Bioenergie zu energetischer Unabhängigkeit führen kann und wie sich die Erzeugung und Nutzung von Bioenergie gewinnbringend für die kommunale Entwicklung, wertschöpfend für die Region und identitätsstiftend für das gesellschaftliche Leben der Gemeinde einsetzen lässt.

Bioenergiedörfer

Inzwischen befinden sich zahlreiche Kommunen auf dem Weg zur Energieautarkie; die FNR listet über 250 (künftige) Bioenergiedörfer in Deutschland, geschätzte 80 davon haben bereits ihre Bioenergie-Anlagen in Betrieb genommen, davon setzt ein Großteil auch auf Biogas. Der „Wettbewerb Bioenergiedörfer 2010“ meines Hauses sollte auf diese Entwicklung aufmerksam machen, herausragende Beispiele würdigen und andere Gemeinden motivieren, selbst den Weg zum Bioenergiedorf einzuschlagen.

Alternativen zum Mais forcieren sowie positive Öffentlichkeitsarbeit betreiben für Akzeptanz in der Bevölkerung

Neben den politischen Rahmenbedingungen für die Biogasbranche muss aber auch die Thematik der Forschung in diesem Bereich besonders im Fokus stehen. Ich meine hier insbesondere, dass wir Alternativen zum Mais finden und forcieren müssen. Nur so können wir die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Biogasbranche weiter stärken.

Alternativen zum Mais finden/entwickeln

Mit der EEG-Novellierung im Jahr 2004 stieg aufgrund der Einführung des so genannten NaWaRo-Bonus die Bedeutung des gezielten Energiepflanzenanbaus für die Biogasproduktion. Die Energiepflanze mit dem höchsten Ertragsniveau und der höchsten ökonomischen Effizienz für diesen Einsatzzweck war und ist Silomais. Bei den etwa 800.000 ha Energiepflanzen für die Biogasproduktion in 2011 dominiert Mais mit mehr als 80 % den Anbauumfang - das entspricht etwa 650.000 ha.

Unerwünschte Nebeneffekte

In der Vergangenheit erlebten wir unerwünschte Nebeneffekte, die teils sehr emotional in der Bevölkerung diskutiert wurden. U. a. spielte hier der starke Maiszubau eine große Rolle in der Diskussion. Mit dem neuen EEG, was zum 01.01.2012 in Kraft trat, wurde hier entgegen gesteuert. Auf die Ausführung weiterer Details möchte ich bewusst verzichten, da Sie alle bestens mit dieser Materie vertraut sind.

Hauptmaisanbau dient Ernährungs- und Futterzwecken

Mais ist zwar eine Kultur mit hohen Zuwachsraten bei den Anbauflächen. Auf 80 % der heimischen Ackerflächen werden aber immer noch andere Kulturen und zwar überwiegend zu Ernährungs- und Futterzwecken angebaut. Hier sind vor allem Getreide und Raps zu nennen. Hinzu kommt, dass von den derzeitigen Maisflächen nur rund ein Viertel für die Biogaserzeugung genutzt wird. Der Hauptanteil der Maisanbauflächen dient Futterzwecken.

Die in den Medien oft zitierte „Vermaisung der Landschaft“, oder schlimmer noch die sogenannte „Maiswüste“, kann damit fairerweise nur beschränkt der zunehmenden Biogasproduktion angelastet werden.

Forschungsprogramme zu alternativen Energiepflanzen

Derzeit werden über die FNR umfangreiche Forschungsprojekte im Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ des BMELV zur Etablierung alternativer Energiepflanzen für die Biogasproduktion gefördert. Im Rahmen des Schwerpunktprojekts „Entwicklung und Vergleich optimierter Anbausysteme für die Energiepflanzenproduktion in Deutschland“ (kurz EVA) werden verschiedenste Kulturen in Fruchtfolgestellung untersucht. Vielfältige Untersuchungen zu Maisalternativen wie z.B. Hirsearten, Energierüben, Grassilage, die Durchwachsene Silphie oder Wildpflanzenmischungen liefern schon heute vielversprechende Ergebnisse.

Im Bereich des Energiepflanzenanbaus besteht aber nach Einschätzung des BMELV auch weiterhin ein Forschungs- und Entwicklungsbedarf, der über das bereits genannte Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ durch einen aktuellen Förderschwerpunkt gewürdigt wird.

Um den Einsatz von Maisalternativen für die Energieerzeugung zu unterstützen, wurde, wie Sie alle wissen, das novellierte EEG entsprechend angepasst. Eine Begrenzung des Einsatzes von Maissilage und eine Einführung einer Substrateinsatzklasse mit höherer Vergütung bei besonders nachhaltiger Produktion sollen zur verstärkten Nutzung der verfügbaren Alternativen beitragen.

Um Alternativen zum Maiseinsatz bei der Biogaserzeugung zügig voranzutreiben, reichen Forschungsförderung und die Förderung über das EEG aber alleine nicht aus. Wichtig ist, dass die Bevölkerung auch entsprechend über die Chancen und Risiken der Biogaserzeugung und des Energiepflanzenanbaus informiert und damit die Akzeptanz für diese innovative Technologie erzeugt bzw. erhöht wird.

Bioenergieberatung

Auch hier leistet das BMELV mit verschiedenen Aktionen einen wichtigen Beitrag. Neben den vielfältigen Informationsmaterialien, die wir über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe anfertigen und verteilen lassen, den Tagungen und Messebeiträgen, möchte ich besonders die vom BMELV geförderte regionale Bioenergieberatung und unseren „Wettbewerb-Bioenergie-Regionen“ hervorheben.

Mit 12 regionalen Beratungsstellen und den Arbeiten der 25 Bioenergie-Sieger-Regionen haben wir die Chance, in den Regionen direkt mit der Bevölkerung, den Interessierten und natürlich auch den Zweiflern, in Kontakt zu treten. Und ich darf anmerken, dass diese Angebote intensiv genutzt werden und damit einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Akzeptanz für die Bioenergie- und natürlich auch die Biogaserzeugung und die Energiepflanzenproduktion leisten.

Lob Fachverband Biogas

Ich möchte an dieser Stelle auch auf die hervorragenden Ansätze des Fachverbands Biogas zur Erhöhung der Akzeptanz für die Biogaserzeugung hinweisen. Ich nenne hier Beispiele wie die Aktion „Farbe ins Feld“, die Blühstreifen an und in die Energiepflanzenfelder bringen, die Informationsbroschüren „Biogas kann’s“ und „Multitalent Biogas“ oder die Fermenterbanner und Infotafeln, die weit sichtbar zur Aufklärung der Bevölkerung beitragen.

Wichtig ist, und hier appelliere ich auch an Sie, die Landwirte, die Anlagenbetreiber, die Berater, die Anlagenhersteller und die Medienvertreter, die vielfältigen Informationsangebote zu nutzen und mit der Verbreitung der Informationen zu einer Erhöhung der Akzeptanz für die Biogaserzeugung und –nutzung beizutragen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bedanke mich nochmals für die gute Zusammenarbeit mit Ihnen, dem Fachverband Biogas! Wir haben viel erreicht und wir werden auf künftig zusammen voran schreiten. Neben den politischen und technischen Rahmenbedingungen ist es mir vor allem wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen und die Akzeptanz für die Biogasbranche als Zukunftstechnologie zu erhöhen. Wir sind auf einem sehr guten Weg dazu. Lassen Sie ihn uns weiter gemeinsam gehen!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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