Das Ernährungsverhalten wird bereits in jungen Jahren entscheidend geprägt
Rede im Hamburger Rathaus anlässlich der Zertifizierung von 178 Kindertagesstätten mit dem FIT KID-Qualitätssiegel
- Datum:
- 06.12.11
- Ort:
- Hamburg
- Redner:
- Bundesministerin Ilse Aigner
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
Bundesministerin Ilse Aigner würdigte in Ihrer Rede 178 Hamburger Kitas, die mit dem FIT KID-Qualitätssiegel ausgezeichnet wurden, Quelle: © Posselt/ Bürgerschafts-Kanzlei
sehnsüchtig haben heute Kinder auf der ganzen Welt auf den Nikolaus gewartet. Sie sind am Morgen aus ihren Betten geschlüpft und haben in ihre Stiefel geschaut, ob nicht ein kleines Geschenk für sie bereit liegt.
Der heutige Nikolaustag hält aber nicht nur für Kinder Gutes bereit. Der heutige Nikolaustag ist ein guter Tag für Kinder und Eltern und für die Politik. Denn hier in Hamburg werden sage und schreibe 178 Kindertagesstätten ausgezeichnet. Sie werden ausgezeichnet für die köstliche und ausgewogene Ernährung, die sie den Kindern Tag für Tag anbieten.
Und das ist keine subjektive oder irgendwie persönliche Einschätzung. Nein. Dieses Urteil ist quasi amtlich verbrieft. Denn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat die 178 Kitas zertifiziert. Sie alle können sich künftig mit der FIT-KID-Auszeichnung schmücken. Sie tragen damit ein echtes Qualitätssiegel. Mit ihm wird nach außen dokumentiert: Hier geht’s meinem Kind besonders gut. Denn hier stimmt die Ernährung. Und welche Eltern wünschen ihren Kindern nicht das Beste?
Ich bin der Meinung: Sie, meine Damen und Herren, die sich dafür stark gemacht haben, haben viel erreicht. Sie können stolz sein auf diese Auszeichnung. Herzlichen Glückwunsch!
Würdigung der Beteiligten
Meine Damen und Herren, ich bin dankbar. Ich bin dankbar, Frau Präsidentin, dass wir hier in diesen wunderbaren Räumlichkeiten feiern dürfen. Vor allem aber bin ich dankbar, weil viele bereits die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung für unsere Kinder erkannt haben. Und dass es jetzt Einrichtungen gibt, die sich so beherzt engagieren und Worten auch Taten folgen lassen – dafür bin ich dankbar!
Prof. Ulrike Arens-Azevêdo von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Bundesministerin Ilse Aigner, Traute Wolf von der "Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbH" und die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft Carola Veit (v.l.n.r.) bei der Übergabe der DGE-Fit Kid-Zertifikate, Quelle: © Posselt/Bürgerschafts-Kanzlei
Die Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten hat die Ärmel hochgekrempelt und angepackt. Sie haben damit Vorbildcharakter für die vielen Träger von Kindertagesstätten in Deutschland. Ohne Ihren Einsatz wäre eine Zertifizierung in dieser Größenordnung gar nicht möglich gewesen.
Dabei müssen sich die Kindertagesstätten bei uns im Land besonderen Herausforderungen stellen: Von der Zahl der anzubietenden Plätze will ich jetzt gar nicht reden. Aber auch die Elternwünsche steigen: Es geht um Konzepte. Es geht um Betreuungszeiten. Und es geht um vieles mehr.
Die Kitas bemühen sich nach Kräften, diese Herausforderungen zu meistern. Die heute ausgezeichneten Kindertagesstätten haben eine große Herausforderung erfolgreich angenommen. Jede der 178 Kitas hat ihr Verpflegungsangebot nach den Kriterien des DGE-Qualitätsstandards optimiert. Mit Sicherheit war dieser Aufwand enorm. Und dennoch versichere ich Ihnen: Es war den Aufwand wert. Schließlich geht es hier um das Wohl der Kinder.
Viele Eltern wissen nun: Ihre Kinder können sie unbesorgt der Ganztagsverpflegung in Ihren Einrichtungen überlassen. Es gibt noch weitere Beteiligte, ohne die die Zertifizierung nicht möglich gewesen wäre:
- Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und
- die Verbraucherzentralen.
Beide arbeiten Hand in Hand im Projekt „FIT KID“ zusammen.
Mit dem Qualitätsstandard und dem Auditierungssystem hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Grundlage für eine ausgewogene Verpflegung in Kindertagesstätten geschaffen. Eine Grundlage allein genügt jedoch nicht. Um all das in die Tat umzusetzen, muss man weitere Schritte gehen:
- begonnen mit der Kontaktaufnahme zu den Entscheidungsträgern für die Kitaverpflegung
- über die Wissensvermittlung
- bis hin zu einer großen Portion Überzeugungskraft.
Dabei hat jede Kindertagesstätte ihre ganz eigenen Fragen oder Probleme. Und dieser haben sich die Verbraucherzentrale Hamburg und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung angenommen.
Das war ein großartiger Einsatz. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten!
Appell an andere Träger
Meine Damen und Herren, es passt ja auch so gut zur Hansestadt Hamburg: Sie haben einen „Leuchtturm“ geschaffen. Wir sprechen in solchen Fällen von einem „Leuchtturmprojekt“. Und wo könnte er schöner leuchten als hier unweit der Küste? Er strahlt aber von hier aus nicht nur aufs Meer hinaus. Er soll von hier aus in die ganze Republik hinausstrahlen. Er soll viele weitere Träger und Kindertagesstätten motivieren, ebenfalls mitzumachen. Sie haben aufgezeigt, dass eine Zertifizierung in einer solchen Größenordnung möglich ist.
Daher appelliere ich an alle Kommunen und alle weiteren Träger von Kindertageseinrichtungen in ganz Deutschland: Schließen sie sich diesem Weg an! Nehmen Sie den Qualitätsstandard als Basis für Ihr Verpflegungsangebot! Dabei können Sie von dem Angebot der Gruppenzertifizierung profitieren: Bereits ab einer Gruppengröße von 15 Kindertagesstätten pro Träger reduzieren sich die Kosten. Gemeinsam besser werden lohnt sich also! Ich wünsche mir, dass – wenn in einer Kita nicht selbst gekocht wird – der DGE-Qualitätsstandard als Kriterium aufgenommen wird in die Ausschreibungen für ihre Essensanbieter!
Meine Damen und Herren, das Signal, das Sie hier von Hamburg aussenden, soll das ganze Land bemerken: Es ist Richtung weisend!
FIT KID und IN FORM
Die Verpflegung in Kindertagesstätten liegt mir besonders am Herzen, weil das Ernährungsverhalten bereits in jungen Jahren entscheidend geprägt wird. Aber auch die Verpflegung in späteren Jahren dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren! Und deshalb widmet sich die Bundesregierung mit dem nationalen Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ dem gesunden Lebensstil von jung bis alt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat in meinem Auftrag auch Qualitätsstandards erstellt:
- für die Schulverpflegung,
- für Betriebskantinen,
- für Seniorenheime,
- für Essen auf Rädern und
- für Krankenhäuser und Rehakliniken.
Unsere Lebensgewohnheiten haben sich geändert: Immer mehr Menschen nehmen ihre Mahlzeit außer Haus zu sich. Das ist eine Tatsache. Und mit ihr verbinde ich auch große Chancen. Denn so können wir über Qualitätsstandards zu einer gesünderen Ernährung in weiten Teilen der Bevölkerung beitragen.
IN FORM ist allerdings weit mehr als die Außer-Haus-Verpflegung. Es ist ein nationaler Aktionsplan, beschlossen von der Bundesregierung. Viele Überlegungen aus der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Union sind eingeflossen. Wir wollen den gesunden Lebensstil fördern und damit auch einer Vielzahl von so genannten „Volkskrankheiten“ vorbeugen.
Mit IN FORM haben wir ein Dach geschaffen, unter dem sich möglichst viele Projekte und Initiativen versammeln und miteinander vernetzen können. Wer sich dafür engagiert, die Menschen zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren, ist bei IN FORM willkommen. Ich sehe die Förderung eines gesunden Lebensstils als eine immens wichtige Zukunftsinvestition – übrigens auch in finanzieller Hinsicht.
Schon jetzt kommen uns die Krankheiten, die sich auch auf die Ernährung zurückführen lassen, teuer zu stehen: Schätzungen gehen von mehr als 70 Milliarden Euro im Jahr aus. Davon entfallen etwa 30 Milliarden Euro alleine auf die Behandlung von Diabetes.
Jeder weiß: Vorbeugen ist besser – und auch billiger als heilen. Wir fördern mit unseren Aktivitäten also nicht nur die individuelle Gesundheit. Sondern wir leisten auch einen wichtigen Beitrag zu einer guten Entwicklung unserer Gesellschaft.
Die Maßnahmen von IN FORM brauchen Zeit. Eine spürbare Wirkung von jetzt auf gleich kann es nicht geben. Deshalb haben wir uns eine Perspektive bis 2020 gesetzt. Bis dahin wollen wir messbare Fortschritte gemacht haben im Hinblick auf das Ziel einer gesunden und ausgewogenen Ernährung.
Sie hier in Hamburg haben einen beachtlichen Beitrag geleistet. Sie fangen bei den Kleinen in unserer Gesellschaft an. Wir alle freuen uns über glückliche, fitte und gesunde Kinder. Und wir können guter Hoffnung sein, dass sie es irgendwann von sich aus weiter verfolgen: Mit einer gesunden Ernährung!
Schluss
Meine Damen und Herren, der Nikolaus kommt nur einmal im Jahr. Aber vollwertiges und schmackhaftes Essen gehört jeden Tag im Jahr auf den Tisch! Und es kann damit jeden Tag ein Grund zur Freude sein. In 178 Hamburger Kitas ist das der Fall.
Ich freue mich mit Ihnen.
Vielen Dank.

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