Abschluss Jahr der Wälder
- Datum:
- 01.12.11
- Ort:
- Deutsches Historisches Museum, Berlin
- Redner:
- Bundesministerin Ilse Aigner
Rede der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zur Eröffnung der Ausstellung "Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald" im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Mit der Ausstellung endet der deutsche Beitrag zum "Internationalen Jahr der Wälder" 2011.
- Mehr als 6.000 Aktionen rund um das Waldkulturerbe
- Ausstellung "Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald"
- Der Wald: Erholungsort, Lebensraum, Wirtschaftsfaktor und Rohstoff-Lieferant
- Wald erhalten und nachhaltig nutzen - "Waldstrategie 2020"
- Eröffnung der Ausstellung
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Quelle: © Bundesregierung/ Bergmann
ohne ihn wäre 2011 ein Jahr wie jedes andere gewesen. Sie wissen wahrscheinlich alle, über wen ich spreche: Den Wald.
Aber ohne Sie, sehr verehrte Damen und Herren, wäre "Das Internationale Jahr der Wälder" bloß ein leerer Titel gewesen. Mit großem Engagement haben Sie, Ihre Mitglieder und Einrichtungen, das Internationale Jahr der Wälder mit Leben erfüllt und es zu den Menschen vor Ort gebracht.
Mehr als 6.000 Aktionen rund um das Waldkulturerbe
Gemeinsam mit über 1.000 Partnern haben Sie das Motto: "Entdecken Sie unser Waldkulturerbe" aufgegriffen und überall im Land umgesetzt. So konnten zum Beispiel beim Abschlussgottesdienst des Papstbesuches im September über 70.000 Pilger auf eigens dafür angefertigten Holzbänken Platz nehmen. Durch die Weiternutzung dieser Bänke lebt natürlich auch das Waldkulturerbe weiter.
An anderer Stelle konnten wir dem Rolling-Stones-Keyboarder und Botschafter des Waldkulturerbes, Chuck Leavell, bei drei stimmungsvollen Konzerten zuhören.
Das sind nur zwei Beispiele von insgesamt über 6.000 Veranstaltungen in diesem ganz besonderen Jahr - darunter viele Aktivitäten für Kinder und für Familien. Am schönsten finde ich, dass die meisten Veranstaltungen dort stattfanden, wo man den Wald am besten erleben kann: im Wald selbst.
Danke an die zahllosen Waldfreundinnen und Waldfreunde im ganzen Land, die das auf die Beine gestellt haben!
Aber das war noch lange nicht alles:
- In vielen Städten haben zum Waldjahr atemberaubende Illuminierungen stattgefunden - auch am Brandenburger Tor.
- Beim Kindermalwettbewerb wurden über 7.500 Bilder eingereicht, die uns den Wald aus der Sicht der Kinder zeigen.
- Die UNESCO hat einen Verbund von fünf großen und besonders naturbelassenen Buchenwäldern in Deutschland zum Weltnaturerbe erklärt.
- Und wir haben mit der Waldfibel-App auch als erstes Bundesressort überhaupt eine App herausgebracht; sie wurde bislang schon über 100.000 Mal heruntergeladen.
Ausstellung "Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald"
Bundesministerin Ilse Aigner und Prof. Dr. Alexander Koch, Präsident des Deutschen Historischen Museums (DHM) Berlin, Quelle: © Bundesregierung/ Bergmann
Mit der von meinem Haus geförderten Ausstellung: "Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald" hier im Deutschen Historischen Museum findet das Jahr der Wälder einen würdigen Abschluss.
Vielen Dank, sehr geehrter Herr Professor Koch, dass unser Wald hier bei Ihnen zu Gast sein darf.
Und ich danke Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren vom Kuratorenteam, dass Sie den Wald noch einmal in ein ganz neues Licht rücken. Denn jeder von uns trägt ein Bild vom Wald in sich. Ein Bild, das sich im Laufe der Jahrhunderte mehr als einmal gewandelt hat, wie wir gleich in der Ausstellung sehen können.
"Ohne ihn..." - Fotos und Sprüche
Aber wie würden diese Bilder wohl aussehen - ohne ihn, den Wald? Was wäre in unserem Leben anders, ohne ihn? Die Beantwortung dieser Fragen hat uns durch das Jahr begleitet und die Antworten waren so bunt wie der Wald selbst.
Bei unserem Online-Fotowettbewerb wurden von 2.000 Teilnehmern rund 6.000 Bilder eingereicht, die zeigen, wie es ohne ihn wäre. Die Siegerfotos aus dem Wettbewerb finden Sie hier in der Ausstellung.
Aber auch im Internet wurde kräftig gepostet:
- Ohne ihn …müsste ich ins Fitnessstudio.
- Ohne ihn ... würde Rotkäppchen durch die Wüste laufen.
- Ohne ihn ... gäbe es unseren Ort "Wald-Michelbach" nicht.
- Ohne ihn ... würde es plötzlich still sein - die Vögel würden ihr Lied vergessen, Reh und Fuchs stille Tränen weinen.
Aber unter den hunderten von Antworten war auch: Ohne ihn... hätte ich keine berufliche Zukunft.
Der Wald: Erholungsort, Lebensraum, Wirtschaftsfaktor und Rohstoff-Lieferant
Dieses Bild vom Wald teilen wohl die wenigsten von uns heute hier. Aber der Wald ist eben nicht nur Rückzugsort für uns Menschen und unersetzbarer Lebensraum für zahllose Pflanzen und Tiere.
Er ist auch ein echter Wirtschaftsfaktor: Er ist Arbeitgeber für mehr als 1,2 Millionen Menschen. Die gesamte Holz- und Forstbranche setzt jährlich rund 160 Milliarden Euro um.
Der Wald liefert uns den vielseitigen Rohstoff Holz - den Rohstoff mit der besten Ökobilanz. Durch die Bindung von Kohlenstoff sowie die stoffliche und energetische Verwendung von Holz entlasten Wald und Forstwirtschaft die Atmosphäre in Deutschland jährlich um etwa 125 Millionen Tonnen CO2.
Oder anders ausgedrückt: Ohne ihn… würden noch viel mehr fossile Rohstoffe verbraucht und damit Atemluft und Klima belastet. Gleichzeitig haben Holz und Abfälle aus der Holzverarbeitung heute als klimaverträglicher Energieträger eine neue Bedeutung bekommen.
Wald erhalten und nachhaltig nutzen - "Waldstrategie 2020"
Die Ziele der Bundesregierung zum Ausbau erneuerbarer Energien werden zu einer weiterhin steigenden Nachfrage an Biomasse führen. Das hört sich für Einige nach einem Zielkonflikt an.
Aber die deutsche Forstwirtschaft hat in Jahrhunderte langer Bewirtschaftung bewiesen, dass sich Nutzung und Schutz des Waldes keinesfalls ausschließen. Vielmehr ist klar, dass Schützen und Nützen immer im Einklang miteinander stehen müssen.
Kein Wunder, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit seinen Ursprung in unserer Forstwirtschaft hat. Rund 300 Jahre ist es alt und es hat seinen Erfolgsweg vom Wald in viele unserer Lebensbereiche gefunden. Nachhaltigkeit ist heute ein anerkannter gesellschaftlicher Wert und er wird auch in Zukunft die Richtschnur für unseren Umgang mit dem Wald sein. Deshalb hat die Bundesregierung die "Waldstrategie 2020" verabschiedet.
Die "Waldstrategie 2020" zeigt Wege auf, wie die vielfältigen Ansprüche an den Wald wie etwa
- Klimaleistung,
- Biodiversität,
- Rohstoffe,
- Erholungsleistung und
- Energie
aufeinander abgestimmt und mögliche Konflikte gelöst werden können.
Eröffnung der Ausstellung
Bevor wir uns nun endgültig wie im Wald fühlen, zwar "Unter Bäumen" und mit kalten Füßen aber ohne die notwendige Bewegung, freue ich mich darauf, gleich unser Waldkulturerbe in der Ausstellung aus einer ganz anderen Perspektive zu entdecken.
Aber, und da will ich Ihnen, sehr geehrter Herr Professor Koch, und Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Ulrich, nicht zu nahe treten, das schönste Bild vom Wald finden wir immer noch [Pause] im Wald selbst.
Machen Sie sich also nicht nur hier ein Bild vom Wald! Gehen Sie raus und genießen Sie das Rauschen der Bäume und vielleicht denken Sie daran: Der Wald braucht uns, aber vor allem brauchen wir den Wald!
Oder einfach gesagt: Ohne ihn - ohne mich!
Vielen Dank!

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