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Durch Modernisierung zum Global Player auf den Weltagrarmärkten

Welchen Beitrag können Russland und die Ukraine zur Sicherung der Welternährung leisten?

Datum:
16.11.11
Ort:
Hannover
Redner:
Staatssekretär Dr. Robert Kloos

Grußwort zur Osteuropa-Konferenz auf der Agritechnica 2011

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

Vielen Dank für die Einladung. Es ist mir eine Freude, auf dieser hochrangig besetzten Konferenz zu sprechen.

Wenn wir einmal von der dürrebedingten Missernte des Jahres 2010 absehen, so ist die Agrarproduktion in Russland und der Ukraine in den letzten Jahren doch stetig gestiegen. In diesem Jahr wird beispielsweise die Getreideernte Russlands mit 91 Mio. Tonnen (2010: 60 Mio. Tonnen), die der Ukraine mit 52 Mio. Tonnen (2010: 40 Mio. Tonnen) angegeben. Auf dem Weltmarkt spielen ihre Produkte – vor allem Getreide und Ölsaaten – eine immer wichtigere Rolle. Damit einher geht jedoch eine steigende Verantwortung! Denn die nunmehr sieben Milliarden Menschen auf der Welt müssen ernährt und dabei unsere natürlichen Ressourcen nachhaltig bewirtschaftet werden. Das Millenium-Ziel, die Zahl der weltweit Hungernden bis 2015 zu halbieren, ist eine Aufgabe der Weltgemeinschaft. Wir können sie nur gemeinsam lösen.

Eine Verknappung des Angebots dagegen, zu der Maßnahmen wie Exportstopp und Exportquoten leider beitragen, verschärft den Hunger eher, weil diese Verknappung deutliche Preisaufschläge auf den Weltagrarmärkten zur Folge hat. Wir konnten das in den vergangenen Monaten beobachten. Das illustriert die große Bedeutung, die beide Länder für stabile Weltmärkte haben. Russland allein verfügt über 8,6 Prozent der Ackerflächen der Welt. Deshalb bin ich sehr froh, dass die von mir erwähnten Maßnahmen inzwischen der Vergangenheit angehören. Wohl auch dank der Rekordernte 2011, zu der ich Sie, Herr Vizeminister Petrikow und Herr Vizeminister Senj, beglückwünschen möchte. Dies war uns in Deutschland aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse in diesem Jahr leider nicht beschieden.

Ich erinnere mich noch gut, Herr Vizeminister Petrikow, wie Sie mir im Herbst 2010, also unmittelbar nach der Dürre, in Moskau sagten, dass deren Auswirkungen in den modernen landwirtschaftlichen Betrieben in RUS weniger gravierend gewesen seien. Nach Schätzungen des russischen Getreideverbandes war der Hektarertrag bei Getreide in Betrieben, die moderne Technologien einsetzten, sogar 4-5 Mal höher als in Betrieben mit vergleichbaren natürlichen Bedingungen. Das zeigt: Mit modernen, leistungsfähigen Betrieben kann es uns gelingen, die Auswirkungen der Naturgewalten zu minimieren und selbst unter widrigen Umständen zumindest passable Ernten einzufahren.

Ich weiß, dass die Modernisierung der Agrar- und Ernährungswirtschaft ganz oben auf der Agenda steht – sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Dafür benötigen Sie private Investitionen. Es engagieren sich bereits eine ganze Reihe ausländischer Unternehmen in beiden Ländern. Allein die Landwirtschaft der Ukraine hat bis 2011 deutsche Investitionen in Höhe von 58,9 Mio. USD erhalten. Diese Investitionen leisten einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Damit dieses Engagement von Dauer ist, benötigen die Unternehmen Planungssicherheit und Transparenz, kurzum verlässliche und faire Rahmenbedingungen. Wir wünschen uns vor allem, dass sie von nationalen Förderprogrammen für die Landwirtschaft gleichermaßen profitieren wie die einheimischen Unternehmen. Letztlich sind es ja die russischen und ukrainischen Landwirte selbst, die unter schwierigen Investitionsbedingungen leiden, wenn sie am Einsatz moderner westlicher Technologien gehindert werden.

Durch Ertragssteigerungen und die Nutzung brachliegender Flächen im Ergebnis einer technologischen Modernisierung könnte Russland langfristig 125 Mio. Tonnen Getreide jährlich ernten; das Potenzial der Ukraine wird mit bis zu 100 Mio Tonnen angegeben. Dies wäre noch einmal eine enorme Steigerung gegenüber den sehr guten Erträgen dieses Jahres. Und diese Überschüsse ließen sich exportieren, könnten also maßgeblich zur Sicherung der Welternährung beitragen.

Um die Position Russlands und der Ukraine als große Getreideexporteure zu festigen, bedarf es aber auch Verlässlichkeit. Davon profitieren nicht nur die Hungernden, sondern auch die heimischen Landwirte. Sie können ihre Produkte zu Weltmarktpreisen verkaufen und die Einnahmen für Investitionen – in moderne Technik, Saatgut und guten Dünger – verwenden. Das wiederum hat eine weitere Produktivitätssteigerung zur Folge.

Auf dem Weg der Modernisierung unterstützt das BMELV Russland und die Ukraine schon seit Langem. Für das bilaterale Kooperationsprogramm hat das BMELV in diesem Jahr Haushaltsmittel in Höhe von 5,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Zwar gilt unser Engagement inzwischen auch anderen Regionen der Welt. Dennoch fließt ein erheblicher Teil davon noch immer nach Russland und in die Ukraine. In welcher Form das genau geschieht, dazu wird Herr Wacker später noch ausführlicher sprechen.

Wir tun das nicht gänzlich uneigennützig. Der Einsatz von hochmoderner und leistungsfähiger deutscher Landtechnik bspw. auf den Ackerflächen Russlands und der Ukraine ist nicht nur für die Steigerung der dortigen Agrarproduktion, sondern auch für uns von Nutzen. Wenn wir unsere Stärken bündeln, können wir gemeinsam einen großen Beitrag zur Sicherung der Welternährungssituation leisten.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich wünsche Ihnen eine interessante Konferenz und konstruktive Diskussionen!

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