Grußwort bei der 65. Jahrestagung des Deutschen Forstvereins
- Datum:
- 23.09.11
- Ort:
- Aachen
- Redner:
- Staatssekretär Dr. Robert Kloos
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede!
1. Einleitung
Eine Jahrestagung des Deutschen Forstvereins im "Internationalen Jahr der Wälder 2011", in der europäischen Kaiserstadt Aachen am Dreiländereck – das, meine Damen und Herren, ist schon ein besonderer Anlass mit hoher Symbolkraft.
Und deshalb freue mich sehr, heute hier zu sein und darf Ihnen auch die allerbesten Grüße von Frau Bundesministerin Ilse Aigner überbringen.
2. Internationales Jahr der Wälder
Meine Damen und Herren,
als die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2006 das Jahr 2011 zum "Internationalen Jahr der Wälder" erklärte, nahm sie u.a. Bezug auf das Übereinkommen über die biologische Vielfalt und das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen. Die Entscheidung fiel in der Erkenntnis, dass Wälder und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung maßgeblich zur nachhaltigen Entwicklung, zur Armutsbekämpfung und zur Erreichung der international vereinbarten Entwicklungsziele, einschließlich der Millenniums-Entwicklungsziele, beitragen können und schloss alle Wälder mit ein – auch die sensiblen Waldökosysteme.
Und so sollten nach dem Wunsch der Vereinten Nationen im Internationalen Jahr der Wälder 2011 auf allen Ebenen gezielte Informationsmaßnahmen durchgeführt werden, um die nachhaltige Bewirtschaftung, die Erhaltung und die nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäldern zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen zu stärken. Dies war und ist eine wohlbegründete, richtungsweisende Entscheidung der Vereinten Nationen.
So freut es mich auch ganz besonders, dass der Deutsche Forstverein mit Frau Jan McAlpine heute eine international herausragende Persönlichkeit ehren wird, die sich um den Wald und die Forstwirtschaft sehr verdient gemacht hat. Die Bundesregierung sieht das Waldforum der Vereinten Nationen, dem sie als Direktorin vorsteht, als wichtigen Partner auf dem Weg zur Förderung einer weltweit nachhaltigen Fortwirtschaft.
Doch werfen wir einen Blick nach Deutschland: Auch wir müssen feststellen: Immer mehr Menschen verlieren aufgrund unserer modernen, naturfernen Lebensweise und der zunehmenden Verstädterung den Bezug zum Wald und seinen vielfältigen Leistungen. Dabei prägt der Wald ganze Landschaften. Er ist Heimat und Refugium vieler Tiere und Pflanzen. Er schützt Klima, Wasser und Boden. Er liefert uns den umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoff Holz. Er gibt Arbeit, Erholung und Naturerleben. Und er wird in Deutschland nachhaltig bewirtschaftet. Nicht zuletzt steht die Wiege der Nachhaltigkeit in der deutschen Forstwirtschaft. Unser Ministerium ist daher der Aufforderung der Vereinten Nationen gefolgt und hat die bundesweite Kampagne "Waldkulturerbe" ins Leben gerufen.
Schirmherr der Kampagne ist Bundespräsident Christian Wulff. Er hat sich bereits beim Kampagnenauftakt am 21. März in Berlin und beim Waldaktionstag zur Waldpädagogik am 17. August im Kloster Chorin persönlich in die Kampagne eingebracht.
Mittlerweile beteiligen sich rund 1.000 Partner an der Kampagne, darunter über 60 Verbände aus Forstwirtschaft, Naturschutz, Wirtschaft und Gesellschaft, die Forstverwaltungen des Bundes und der Länder, die Kommunen, sowie mehrere Bundesressorts. Bei den Menschen vor Ort, bei jung und alt, kommt die Waldkampagne gut an: 6.000 Veranstaltungen in ganz Deutschland und über 3.300 Medienberichte, allein diese Zahlen aus der Zwischenbilanz sprechen für sich. Und so lässt sich heute schon sagen: Die Kampagne "Waldkulturerbe" ist ein voller Erfolg!
Ich darf mich an dieser Stelle daher ausdrücklich bei den vielen Partnern bedanken, die sich der Dachkampagne im Sinne einer echten Gemeinschaftskampagne angeschlossen haben. Mein Dank gilt dabei insbesondere auch dem deutschen Forstverein für sein großartiges Engagement und sein funktionierendes Netzwerk. Ohne Sie alle hier, meine Damen und Herren, ohne ihre Organisationen, Mitarbeiter und kreativen Ideen wäre dieses Gemeinschaftswerk nicht gelungen!
3. Waldstrategie 2020
Doch, meine Damen und Herren, beim Thema Wald stehen wir noch vor großen Herausforderungen. Die Fragen nach der künftigen Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelversorgung, nach den Folgen des Klimawandels und dem Erhalt der biologischen Vielfalt machen nicht am Waldrand halt. Die Ansprüche an den Wald nehmen zu. Sie sind vielseitig, nicht immer deckungsgleich und jede Gruppe hat ihren eigenen Blickwickel auf den Wald:
Vertreter des Naturschutzes stellen die herausragende ökologische Bedeutung des Waldes für Artenschutz und den Erhalt der Biodiversität heraus und fordern großflächige Stilllegungen.
Die Forst- und Holzwirtschaft setzt auf das große Potenzial des nachwachsenden Rohstoffes Holz, dessen Bedeutung für Klimaschutz, Einkommen und Arbeitsplätze im ländlichen Raum und betont die Erfolge multifunktionaler, nachhaltiger Forstwirtschaft und unterstreicht die Bedeutung von Wald und Holz für die notwendige Energiewende. Und: Auch die Forstwirtschaft unterstreicht ihr Engagement für Artenschutz, Biodiversität und die ökologischen Leistungen des Waldes. Wir werden dazu später im Festvortrag sicherlich noch mehr hören.
Die Öffentlichkeit sieht "ihren" Wald in erster Linie als Raum der Erholung und des Naturerlebens. Die Bewirtschaftung des Waldes und die Frage des Eigentums wird dabei weitgehend ausgeblendet.
Die Bundesregierung steht in diesem Spannungsfeld in der Verantwortung und hat die "Waldstrategie 2020" entwickelt und am Mittwoch im Kabinett beschlossen
Meine Damen und Herren,
uns war es bei der Entwicklung der Waldstrategie wichtig, die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Denn der Gleichklang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem muss zum Nutzen und Wohle künftiger Generationen erhalten bleiben. Eine einseitige Maximierung einer der drei Säulen wäre diesem Anspruch nicht gerecht geworden.
Die Waldstrategie baut auf das in Deutschland bewährte Prinzip einer nachhaltigen, multifunktionalen Forstwirtschaft auf. Denn in Deutschland entwickelt sich der Wald gegen den weltweiten Trend:
- Waldflächenzunahme statt Abnahme
- systematische Entwicklung zu artenreichen, strukturierten Mischbeständen, statt Monokulturen und Plantagen.
Aber: Wald und Forstwirtschaft sind auch Risiken ausgesetzt. Klimawandel, Luftverunreinigung und auch teilweise örtlich überhöhte Wildbestände beeinträchtigen das Ökosystem Wald und die Leistungsfähigkeit nachhaltiger Forstwirtschaft. Schließlich stellt der Rückgang des Nadelholzanteil die Holzwirtschaft vor Fragen der Rohstoffversorgung und möglicher Alternativen in der Verwendung von Laubholz.
Bei der Entwicklung der Waldstrategie wurde zudem das Spannungsfeld zwischen Waldnutzung und Waldnaturschutz intensiv diskutiert. Der Rohstoff Holz ist unverzichtbar, um die anspruchsvollen Ziele der Bundesregierung und der EU zur Steigerung des Beitrags erneuerbarer Energien am Energieverbrauch und zur Senkung der CO2-Ausstoßes zu erreichen. Natürlich geht es auch um die Sicherung von Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den ländlichen Regionen.
Und ohne Frage wollen wir auch die nachhaltige Forstwirtschaft mit allen Facetten des Naturschutzes und der Biodiversität voranbringen. Zum Erhalt und Ausbau der biologischen Vielfalt werden dabei vielfach zusätzliche Flächenstilllegungen im Wald gefordert. Wir lassen hier von der Wissenschaft aufarbeiten, was da in Deutschland schon alles gemacht wird. Unser forstwirtschaftlicher Ansatz der Nachhaltigkeit und Biodiversität bleibt aber: Schutz durch Nutzung.
Als übergreifende Strategie für den Natur- und Wirtschaftsraum Wald greift auch die Waldstrategie 2020 diese komplexen Fragestellungen und unterschiedlichen Ansprüche auf. In 9 Handlungsfeldern werden in der Waldstrategie 2020 diese Herausforderungen und Zielkonflikte benannt und Lösungsansätze formuliert.
Eines, meine Damen und Herren, ist uns bei der Entwicklung der Waldstrategie wieder klar vor Augen geführt worden:
Wer beim Thema Wald nach der einen, großen Lösung sucht, der wird sie nicht finden – denn es gibt sie nicht! Und dies sollten wir uns immer wieder bewusst machen – auch bei den wiederholten Forderungen nach einheitlichen gesetzlichen Regelungen, sei es in Bezug auf die "gute fachliche Praxis im Wald" oder bei Änderungen im Bundesjagdgesetz.
Die Waldstrategie zeigt, wie in diesem vielfältigen Netz der Verknüpfungen von Biodiversität bis zur Holznutzung, vom Klimawandel bis zur Kohlenstoffspeicherung zahlreiche Stellschrauben fein justiert werden müssen, um unsere Ziele eines Waldes, der alle zukünftigen Anforderungen bestmöglich erfüllt, zu erreichen. Dabei dürfen wir die jeweiligen standörtlichen Voraussetzungen nicht aus dem Auge verlieren: Was z. B. im Hochgebirge zutrifft, kann im Auenwald falsch sein!
Die Waldstrategie zeigt damit erstmals in einer Gesamtbetrachtung Wege zu einer tragfähigen Balance zwischen den steigenden Ansprüchen an den Wald und seiner nachhaltigen Leistungsfähigkeit auf. Sie richtet sich damit an alle relevanten Akteure auf Ebene von Bund und Ländern.
Im "Internationalen Jahr der Wälder 2011" ist der Beschluss der Bundesregierung über die Waldstrategie 2020 ein weiteres starkes Signal für die Zukunft unserer Wälder!
4. Schluss
Meine Damen und Herren, das Tagungsmotto "Wir sind Wald!" steht für ein starkes Selbstbewusstsein. In der Fachwelt zählt die Jahrestagung des Deutschen Forstvereins zu den "Highlights" im Veranstaltungskalender. Ein Blick in Ihr anspruchsvolles Programm hier in Aachen macht deutlich, warum das so ist. Über 1.000 Teilnehmer aus dem Inland sind der Einladung nach Aachen gefolgt, konnten 20 Seminare, zahlreiche Fachexkursionen und "Sideevents" nutzen, um ihren Standpunkt zu bestimmen und neue Impulse mit nach Hause zu nehmen.
Respekt vor dieser Leistung und weiterhin viel Erfolg für Sie, für unseren Wald und für die Menschen, die von ihm leben!
Vielen Dank!

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