Forschung für den Steillagenweinbau
- Datum:
- 03.12.10
- Ort:
- Bernkastel-Kues
- Redner:
- Parlamentarische Staatssekretärin Julia Klöckner
Grußwort der Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner, zur Eröffnung des Steillagenzentrums Mosel.
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede!
Als das BMELV vor einigen Jahren seine Ressortforschung neu organisierte, war davon auch das Institut für Pflanzenschutz im Weinbau am Standort Bernkastel-Kues betroffen.
Der Bund hat zwar seine Forschungsaktivitäten im Bereich Weinbau inzwischen am Standort Siebeldingen zusammengeführt. Dennoch haben wir nach wir vor mehr als nur „einen Koffer“ hier in Bernkastel-Kues. Für das BMELV ist es wichtig, auch weiterhin Steillagenforschung zu betreiben und die gute Zusammenarbeit mit Herrn Friedrich und seinem Team fortzuführen.
Deswegen haben der Bund und das Land Rheinland-Pfalz eine Verwaltungsvereinbarung zur Forschung im Steillagenweinbau abgeschlossenen, die 2007 in Kraft getreten ist.
Diese Vereinbarung wurde zu Recht ein Jahr später bei der Grundsteinlegung des Steillagenzentrums 2008 noch einmal gewürdigt, weil es ein in dieser Form einmaliges Projekt der Zusammenarbeit zwischen Bund und Land darstellt.
In der Folgezeit wurden bereits zukunftsweisende Forschungsprojekte vom DLR Mosel auf den Weg gebracht, an denen auch das Julius-Kühn Institut beteiligt ist.
Ich denke da
- an die Entwicklung eines automatischen Sortiergerätes, das Maschinen geerntetes Lesegut von faulen Trauben, Blättern und Trieben trennt, um so die Maischequalität zu verbessern, oder
- an die Weiterentwicklung eines Traubenvollernters für den Steillagenweinbau.
Diese Projekte, die bis Ende 2012 laufen, hat das BMELV vor etwas mehr als einem Jahr mit Fördermitteln aus dem Innovationsprogramm in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro finanziell unterstützt, wovon 800.000 Euro an das DLR Mosel flossen.
Mit der heutigen Inbetriebnahme des neuen Steillagenzentrums können weitere wichtige Zusagen, die Gegenstand der Verwaltungsvereinbarung sind, umgesetzt werden. So wird der Bund dem DLR Mosel in den kommenden zehn Jahren noch einmal drei Millionen Euro für Forschungsvorhaben im Steillagenweinbau zur Verfügung stellen.
Wir sind diese Verpflichtung eingegangen, weil wir ganz genau wissen, dass das Geld gut angelegt ist. Schließlich gab es gute Gründe, die dafür sprachen.
Da ist zum Einen – wie bereits gesagt – die erfolgreiche Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. Da ist außerdem das Potenzial an kreativem Forschergeist, das hier in Bernkastel-Kues vorhanden ist und sich nun in dieser schönen, neuen architektonischen Umgebung mit Sicherheit noch weiter entfalten kann.
Und da ist noch ein dritter ganz wesentlichen Punkt, der zu dieser Entscheidung geführt hat: Wir sind nämlich davon überzeugt, dass die Pionierarbeit, die hier für die Entwicklung des Steillagenweinbau geleistet wird, eine Wirkung entfalten wird, die weit über die Mosel hinausreicht. Denn der Steillagenweinbau ist schließlich kein regionales Phänomen, sondern in vielen Teilen Deutschlands und auch Europas beheimatet. Deshalb ist es heute nicht nur ein guter Tag für den Steillagenweinbau an der Mosel, sondern für den Steillagenweinbau in ganz Deutschland, aber auch in Luxemburg, Österreich, der Schweiz, Italien und anderen Regionen Europas.
Bernkastel-Kues wird auf diese Weise Teil eines Forschungsnetzwerkes, das einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung eines europäischen Kulturerbes – ich würde sogar sagen eines „Weltkulturerbes“ – leisten kann. Auch wenn sich die UNESCO bislang noch nicht zu dieser Anerkennung durchringen konnte, ist der Steillagenweinbau für mich schon heute „Weltkulturerbe“. Und ein solches Erbe lässt sich nun einmal nicht allein dadurch bewahren, dass man dessen Wert regelmäßig mit schönen Worten beschwört. Man muss sich dafür auch aktiv engagieren.
Und wir müssen dabei deutlich machen, dass bewahren nicht konservieren bedeutet, sondern zeitgemäß weiter entwickeln. Wir wollen einen modernen, leistungs- und wettbewerbsfähigen Steillagenweinbau, der der Winzergeneration des 21. Jahrhunderts neue Perspektiven eröffnet. Und der von jungen Winzerinnen und Winzern als einmalige Chance begriffen wird, um wunderbare, hochwertige Weine zu erzeugen. Damit dies gelingt, müssen natürlich viele kleine Räder ineinander greifen. Angefangen von der richtigen Lage, heute würde man sagen „Terroir“, über das önologische Know-how bis hin zu einem guten Marketing – alles muss zusammen passen. Und sich letztlich rechnen.
Dafür braucht der Steillagenweinbau neben gut ausgebildeten Winzerinnen und Winzern eben auch Angebote aus einer anwendungsorientierten Forschung. Einer Forschung, die vor Ort stattfindet, frei und unabhängig, ohne einengende Vorgaben. Das sage ich ganz bewusst.
Selbst wenn der Bund bestimmte Vorhaben mitfinanziert, handelt es sich dabei immer um eigene Projekte des DLR. Und das soll auch so bleiben. Wir werden uns aber nicht verschließen, wenn Sie, Herr Friedrich, darüber hinausgehende Beratung und Zusammenarbeit wünschen. Denn wir möchten natürlich gerne im Interesse der gemeinsame Sache helfen und den Steillagenweinbau voranbringen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Forschung ist ein wichtiges Standbein, um die Zukunft des Steillagenweinbaus zu sichern. Forschung braucht aber ihre Zeit. Und es kann mitunter Jahre dauern, bis sich die ersten Erfolge einstellen oder eine Entwicklung Marktreife erlangt. Daher muss die Politik zusätzlich auf anderen Feldern aktiv werden, um die Steillagenwinzer in ihrer teilweise doch sehr schwierigen Situation zu unterstützen.
Eines der wichtigsten Themen ist da beispielsweise die Verlängerung des Anbaustopps. Fällt der Anbaustopp – wie von der Kommission vorgesehen – EU-weit 2015 und national spätestens 2018, dürfte davon in erster Linie der Steillagenweinbau negativ betroffen sein. Die Ausweitung des Anbaus vor allem in den Flachlagen würde die Wettbewerbssituation weiter verschärfen. Und das völlig unnötigerweise.
Schließlich haben wir bereits genügend Rebflächen und auch preiswerte Weine in den Regalen. Wem sollte also eine derartige Liberalisierung etwas bringen? Daher treten wir für eine Verlängerung des Anbaustopps für Rebpflanzungen in der EU ein.
Ein weiterer Punkt, der mehr in die nationale Zuständigkeit fällt, betrifft das Weinbezeichnungsrecht. Ein Thema, das wir bereits in der nächsten Woche mit den Ländern diskutieren werden. Hier bieten sich zweifelsohne gute Möglichkeiten, um Weine aus Steil- und Terrassenlagen stärker zu profilieren als bisher.
Diskutiert wird unter anderem eine Aufwertung des Begriffs „Steillage“. Mit dem richtigen Konzept könnte man durchaus eine deutlichere Abgrenzung zu Weinen aus flachen Lagen erreichen. Entscheidend ist, dass damit auch tatsächlich eine klare und wahrnehmbare Differenzierung erreicht wird, damit sie vom Verbraucher entsprechend honoriert wird.
Meine Damen und Herren, Sie sehen, es gibt einiges, was wir für den Steillagenweinbau tun können und auch tun werden. Die Eröffnung des Steillagenzentrums Mosel ist ein weiterer guter Schritt in diese Richtung.
Lieber Herr Friedrich, ich wünsche Ihnen und Ihrer Mannschaft bei Ihrer Forschungsarbeit viel Erfolg, innovative Ideen und natürlich auch das richtige Gespür für praxisnahe Lösungen. Damit der technische Fortschritt mit maßgeschneiderten Entwicklungen auch im Steillagenweinbau weitergeht und die Winzer - nicht nur an der Mosel - mit Zuversicht in die Zukunft blicken können.

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