Navigation und Service

Grundsatzbeitrag von Bundesministerin Ilse Aigner zur OECD-Agrarministerkonferenz

Konferenz am 25. Februar 2010 in Paris

Datum:
25.02.10
Ort:
Paris
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

die heutige Sitzung des OECD-Landwirtschaftsausschusses auf Ministerebene reiht sich in eine Folge von hochrangigen internationalen agrarpolitischen Treffen ein. Angefangen vom Berliner Agrarministergipfel im vergangenen Jahr, dem G8-Treffen in L’Aquila, der FAO-Konferenz und dem Welternährungsgipfel in Rom bis zum Berliner Agrarministergipfel 2010.

Jede dieser Konferenzen steht für einen weiteren Schritt hin zu tragfähigen Konzepten für die Herausforderungen, denen sich die Agrarpolitik in Zukunft stellen muss. Von der OECD-Agrarministerkonferenz erwarte ich eine Initialzündung dafür. Denn wir alle wissen, dass die Agrarwirtschaft in besonderem Maße gefordert sein wird, um eine wachsende Weltbevölkerung nachhaltig mit ausreichend Nahrung und Energie zu versorgen und gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dieser globalen Herausforderung können wir uns nur gemeinsam stellen. Das ist auch eine große Aufgabe für die Agrarpolitik.

Die Konferenz der OECD-Agrarminister 1998 forderte den Abbau handelsverzerrender Maßnahmen. Hier sind wir in den vergangenen Jahren weiter gekommen, wenn auch noch nicht am Ziel. Jetzt müssen wir den Rahmen setzen, damit die Agrarwirtschaft Produktionssteigerung und Klimaeffizienz miteinander vereinbaren kann. Die Landwirtschaft ist beim Klimawandel Leidtragende und Verursacher zugleich. Dies gilt es zu berücksichtigen.

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss

  • ausreichend Nahrungsmittel für eine wachsende Weltbevölkerung bereitstellen,
  • einen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung der Zukunft leisten,
  • auf Klimaeffizienz und Naturverträglichkeit in der Produktion setzen,
  • Lebensgrundlage für die Bäuerinnen und Bauern sein und
  • den steigenden Anforderungen der Gesellschaft an einen verantwortungsvollen Umgang mit Boden, Wasser, Luft und den biologischen Ressourcen sowie an den Verbraucherschutz gerecht werden.

Lassen Sie mich einige Punkte konkretisieren:

1. Ernährungssicherung

Die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung unter den erschwerten Bedingungen des Klimawandels verlangt größte Anstrengungen von uns allen. Hunger ist kein unabwendbares Schicksal, sondern kann durch kluge Politik überwunden werden.

Mit der Globalen Partnerschaft für Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Ernährung ist der Startschuss für eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit gegeben. Regierungen, internationale Organisationen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft sind darin eingebunden.

Der G8-Gipfel von L’Aquila und der Welternährungsgipfel 2009 haben den Weg aufgezeigt. Vom Hunger betroffene Menschen müssen von den Synergien profitieren, die sich aus einer engen Kooperation der Experten aus Landwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit ergibt. Zudem müssen wir dafür Sorge tragen, dass wir die zur Verfügung stehenden Ressourcen intelligent einsetzen.

2. Nachhaltige Produktion

Nur mit nachhaltiger Produktion kann eine wachsende Bevölkerung ausreichend versorgt werden. Zur einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Erzeugung gehören:

  • die Einführung von Fruchtfolgen,
  • die Verwendung organischen Düngers,
  • sparsame Verwendung von Agrochemikalien,
  • effektive Techniken für die Nährstoffversorgung und
  • effiziente Nutzung externer Betriebsmittel.

Die Emissionen der umwelt- und klimarelevanten Gase Ammoniak und Methan sind durch neue, innovative Produktionsverfahren weiter zu senken.

Angesichts einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und steigender Einkommen vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern stellt dies an die Tierhaltung global gesehen erhöhte Anforderungen: Zum einen ist die Erzeugung deutlich zu steigern, zum anderen sind die schädlichen Umweltauswirkungen der Tierhaltung zu verringern. Hier sind züchterische Maßnahmen und (bau)technischen Lösungen bei Tierhaltung, Lagerung und -verwertung tierischer Abfälle weiter voran zu bringen.

Bei der Abwägung der Anforderungen an die Landwirtschaft muss die Erhaltung und die Steigerung der Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Nutzflächen Vorrang haben. Boden ist ein knappes Gut. Daher setze ich mich für den Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzfläche und gegen einen weiteren Flächenverbrauch zu Lasten der agrarischen Produktion ein.

3. Klimawandel

Beim Berliner Agrarministergipfel 2010 haben die Agrarministerinnen und Agrarminister ihre Verantwortung bei den Themen Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Sicherung der Welternährung sowie Flächenverbrauch zum Ausdruck gebracht. In den Schlussfolgerungen des Gipfels wurden wichtige Lösungsansätze hervorgehoben, Das sind: Technischer Fortschritt, mehr Klimaeffizienz in der Agrarproduktion, erneuerbare Energien, Kohlenstoffspeicherung in Böden, Forschung, Beratung, Ausbildung und Technologietransfer.

Die für die Anpassungsstrategien an den Klimawandel und die Sicherung der Welternährung erforderlichen Mittel sollen gezielt und koordiniert eingesetzt werden. Dazu müssen einerseits alle Regierungen die Landwirtschaft dabei begleiten, dass sie ein Optimum an Klima- und Umweltverträglichkeit erreichen.

Wir wollen ein globales Netzwerk schaffen, in das jedes Land seine Erkenntnisse beim Klimaschutz einbringen und mit anderen Staaten teilen kann.

4. Anforderungen der Verbraucher

Der Verbraucherschutz bei Lebensmitteln hat nicht nur in Deutschland in den letzten Jahren weiter an Bedeutung gewonnen. Verbraucher stellen den Anspruch, dass alle angebotenen Lebensmittel sicher sind. Die Gewährleistung sicherer Lebensmittel ist eine Daueraufgabe für alle Beteiligten in der Lebensmittelkette: Landwirte, Verarbeiter, Handel und Endverbraucher. Es ist aus deutscher Sicht selbstverständlich, dass alle Regelungen auf wissenschaftlicher Bewertung basieren und sich im Rahmen der internationalen Vereinbarungen bewegen.

Für die Unternehmer kann es konkrete Wettbewerbsvorteile bedeuten, wenn sie sich auf diese gestiegenen Anforderungen einstellen und sich in der Produktion am Prinzip der Prozessqualität orientieren. Verbraucher in vielen Teilen der Welt stellen zudem Erwartungen an die Agrarwirtschaft, die den verantwortungsvollen Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen betreffen.

Die steigenden Anforderungen an die Tierhaltung machen es notwendig, sich mit dieser Frage in Forschung und Entwicklung auseinander zu setzen und nachhaltige Tierhaltungskonzepte zu entwickeln,. Nur so entwickeln Verbraucher Vertrauen in die Produktion und stärken die Märkte.

Für Deutschland stellt die Biotechnologie eine wichtige Zukunftsbranche für Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft dar. Hierbei bleibt der Schutz von Mensch und Umwelt oberstes Ziel des deutschen Gentechnikrechts. Vor diesem Hintergrund wird jeder Einzelfall unter Bewertung und Berücksichtigung aller wissenschaftlichen Aspekte intensiv geprüft.

5. Agrarpolitik der Zukunft

Die Landwirtschaft der Zukunft hat viele Erwartungen zu erfüllen. Bäuerinnen und Bauern wollen in erster Linie von der Landwirtschaft leben können. Das gilt heute, das gilt auch in Zukunft.

Unter den Bedingungen einer immer stärkeren Marktorientierung ist von den Landwirten vor allem unternehmerisches Handeln gefordert. Dazu gehören Wissen, Qualifikation und Leistung sowie Chancen und Risiken gleichermaßen. Zudem werden die Aufgaben der Landwirtschaft zur Bereitstellung nachwachsender Rohstoffe für die Energienutzung an Bedeutung zunehmen. Die Agrarpolitik muss darauf reagieren.

Wir in der Europäischen Union haben mit unserer derzeitigen Gemeinsamen Agrarpolitik gute Ausgangsvoraussetzungen geschaffen. Wir wollen die Grundlage unserer Produktion für eine sichere Versorgung und Erhaltung der Naturgrundlagen zu sichern. Ein Sicherheitsnetz von Marktinstrumenten soll die Betriebe bei der Bewältigung extremer Krisen unterstützen.

Wir müssen aber stärker als bisher spezielle Leistungen der Landwirtschaft für Umwelt und Gesellschaft, noch stärker den Klimaschutz und die nachhaltige Entwicklung ländlicher Regionen unterstützen. Wo muss und kann die Agrarpolitik ansetzen? Lassen Sie mich drei Aspekte herausgreifen:

  1. Funktionierender Handel
  2. Ausbau von Forschung und Innovation
  3. Erhalt ländlicher Räume

Funktionierender Handel

Auch angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise halten wir am Weg der offenen Märkte fest. Der Agrarhandel wird auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Ein offener und fairer Agrarmarkt wird auch in Zukunft einen Beitrag zur Wohlstandsentwicklung – auch in Entwicklungsländern – leisten.

Deutschland setzt sich daher weiterhin für einen zügigen, ausgewogenen und ambitionierten Abschluss der Doha-Runde in diesem Jahr ein. Das wäre ein klares Signal für eine offenere Weltwirtschaft.

Ausbau von Forschung und Innovation

Wissen ist die Voraussetzung für Fortschritt und schafft Zukunft. Deutschland setzt auf Forschung und Innovation, um mit modernster Technik, bester Ausbildung und effizientestem Betriebsmanagement einen Beitrag zu Klimaschutz, Ernährungssicherung und naturverträgliche Agrarproduktion zu leisten.

Weil wir vor globalen Problemen stehen, muss für alle Beteiligten gelten: Wer Wissen teilt, gewinnt. Deutschland begrüßt in diesem Zusammenhang die Arbeiten des Kooperativen Forschungsprogramms der OECD zur Nutzung natürlicher Ressourcen für nachhaltige Agrarsysteme. Eine starke Agrarforschung darf kein Privileg wohlhabender Länder sein, sondern muss gerade auch den Entwicklungsländern zugute kommen.

Die Agrarforschung muss durch die Ausbildung von Fachkräften begleitet werden. Deutschland steht zu seiner Verantwortung und bringt sich hier bereits durch eine Vielzahl von Kooperationsprojekten aktiv ein.

Die agrarischen Produzenten weltweit müssen über genügend Ressourcen, Wissen und Technik verfügen.

Erhalt ländlicher Räume

Nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und die Lebensfähigkeit ländlicher Räume sind nicht voneinander zu trennen. Sie bedingen sich in vielerlei Hinsicht sogar gegenseitig. Die Landwirtschaft prägt zusammen mit der Forstwirtschaft die Flächennutzung und das Landschaftsbild ländlicher Räume. Die Agrarpolitik ist deshalb immer auch eine Politik für die ländlichen Räume.

In ihrer Entwicklung stehen die ländlichen Räume vor großen Herausforderungen. Hierzu zählen der demografische Wandel, die zunehmende Verstädterung, die Globalisierung der Märkte, eine häufig eher schwierige Situation auf den Arbeitsmärkten sowie nicht zuletzt der Klimawandel. Dies kann durch eine allein auf die Landwirtschaft ausgerichtete Politik nicht bewältigt werden.

Die integrierte ländliche Entwicklung bedarf daher eines besonderen Augenmerks durch die Agrarpolitik, wenn wir dauerhaft das Recht auf Nahrung verwirklichen wollen.

Diese Herausforderungen sind nun konkret in Regierungshandeln umzusetzen. Eine rein ökonomische Betrachtungsweise politischer Möglichkeiten greift aus meiner Sicht dabei zu kurz, denn im politischen Entscheidungsprozess spielen oft weitere Fragen eine Rolle.

Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen für Leistungskraft und nachhaltige Erzeugung gleichermaßen zu setzen.

So nur wird die Agrarpolitik der Zukunft zum Erfolg.

Diese Seite

Zusatzinformationen

Die Ministerin

Ilse Aigner

App in den Wald

Waldfibel-App (verweist auf: Die Waldfibel)

Die Waldfibel gibt es als Broschüre, App fürs iPhone, iPad und Android Smartphone sowie als Windowsprogramm

"Zu gut für die Tonne"

Brot, Käse, Apfel mit Schriftzug zu gut für die Tonne (verweist auf: Zu gut für die Tonne)

Informationen zur BMELV-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelkennzeichnung

Logo www.lebensmittelklarheit.de (verweist auf: Die Internetplattform www.lebensmittelklarheit.de)

Portal der Verbraucherzentralen, gefördert durch das BMELV im Rahmen der Initiative "Klarheit und Wahrheit"

Lebensmittelsicherheit

Schriftzug von der Internet-Seite www.lebensmittelwarnung.de - Das Portal der Bundesländer (verweist auf: Internetplattform www.lebensmittelwarnung.de der Länder zur Verbraucherinformation über Lebensmittelwarnungen (Öffnet neues Fenster))

Auf einen Blick: Warnungen und Informationen der Öffentlichkeit zur Lebensmittelsicherheit

Charta für Landwirtschaft und Verbraucher (verweist auf: Informationen zur Charta)

BMELV im Web 2.0

YouTubeKanal des BMELV BMELV auf Twitter BMELV auf Twitter und YouTube folgen

Videos

Bundesregierung-YouTube-Kanal (verweist auf: YouTube-Kanal der Bundesregierung (Öffnet neues Fenster))

Video

Logo der Deutschen Gebärdensprache (verweist auf: Übersicht der Gebärdensprachfilme)

Übersicht der Gebärdensprachfilme

Unternavigation aller Website-Bereiche