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Eröffnung der Jahrestagung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES)

Datum:
21.09.09 13:00
Ende:
21.09.09
Ort:
Berlin, Estrel Convention Center
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

für die Bundesregierung ist es eine große Ehre, in diesem Jahr Gastgeberland der Wissenschaftlichen Konferenz des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) mit Wissenschaftlern aus aller Welt zu sein. Berlin ist als Tagungsort dieser Tage gefragt. Nicht weit von hier findet gerade der Weltmichgipfel des Internationalen Milchwirtschaftsverbandes statt. .  

Eines wird auf diesen hochrangigen Konferenzen immer wieder deutlich: Wir müssen in globalen Zusammenhängen denken, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu bewältigen. Für Sie als Meeresforscher hat dies bereits lange Tradition. Sie können damit auf eine ausgesprochen solide Basis zurückgreifen, wenn es darum geht, wissenschaftliche Ratschläge und Empfehlungen für politische Entscheidungen zu geben.

Als Schwerpunktthema dieser Tagung haben Sie die Auswirkungen des Klimawandels gewählt. Dies ist auch für die Bundesregierung ein zentrales Thema. In diesem Zusammenhang setzen wir uns auf europäischer und internationaler Ebene für wirksame und Ziel gerichtete Maßnahmen beim Klimaschutz ein. Dabei haben wir auch insbesondere den Weltklimagipfel Anfang Dezember in Kopenhagen im Blick, der in ein neues globales Klimaschutzabkommen münden soll.

Meine Damen und Herren,

die spürbaren Folgen des Klimawandels bemerken die Menschen zwar vor allem an Land, etwa in Gestalt von Unwettern, Überschwemmungen oder Trockenheit. Tatsächlich macht sich der Klimawandel aber in erster Linie in den Ozeanen bemerkbar. Denn in den Weltmeeren werden 90 Prozent der gesamten Erderwärmung gespeichert. Vor allem in der Ostsee hat dies bereits zu einer signifikanten Erhöhung der Wassertemperatur geführt. Die Folgen für das Ökosystem und insbesondere für die Fischbestände sind derzeit noch nicht absehbar.

Für mich besteht daher kein Zweifel: Um dem Klimawandel angemessen zu begegnen, ist die Politik maßgeblich auf die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung angewiesen. Die Tagung hier in Berlin liefert eine gute Grundlage, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik zu vertiefen.

Wir werden daher auch im Rahmen der nächsten Internationalen Grünen Woche im Januar auf internationalen Konferenz "Global Forum for Food and Agriculture" das Thema "Landwirtschaft und Klimawandel" in den Mittelpunkt rücken.

Um die Herausforderungen des Klimawandels meistern zu können, brauchen wir den Dreiklang von

  • Grundlagenforschung,
  • angewandter Forschung und
  • wissenschaftlich fundierten politischen Entscheidungen.

Dieses Zusammenspiel ist wichtig, um tragfähige Konzepte für einen nachhaltigen Schutz unserer lebenden Meeresschätze entwickeln zu können.

Die große Herausforderung für die Politik besteht darin - ausgehend von den wissenschaftlichen Empfehlungen – Regelungen zu erarbeiten. Sie sollen den Nachhaltigkeitszielen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen sozioökonomischen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern und Regionen Rechnung tragen. Wie schwierig das ist, zeigt sich insbesondere jedes Jahr kurz vor Weihnachten bei den Verhandlungen in Brüssel über die Gesamtfangmengen und Quoten für die einzelnen Fischbestände im folgenden Jahr. Abweichungen unserer politischen Entscheidungen von den wissenschaftlichen Empfehlungen sind hier manchmal unvermeidbar. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass wir Ihre Arbeit nicht wertschätzen. Das Gegenteil ist der Fall!

Gerade angesichts der weltweiten Überfischung der Bestände - insbesondere auch in den EU-Gewässern - brauchen wir Ihren wissenschaftlichen Rat mehr denn je. Der Bedarf an wissenschaftlichen Empfehlungen wächst. Das wissen Sie selbst am besten.

Für den Internationalen Rat für Meeresforschung hat dies bereits zu einer deutlichen Ausweitung seines Aufgabenspektrums in den Bereichen Ozeanografie, Ökologie sowie Naturschutz- und Klimaforschung geführt. Die neue Entwicklung, die dem Ökosystemansatz sehr viel stärker gerecht wird, ist ausgesprochen erfreulich. Sie entspricht den Bedürfnissen einer modernen Fischereipolitik, die als oberstes Ziel das Prinzip der Nachhaltigkeit hat. Gleichwohl bleiben die Empfehlungen des ICES für die Festlegung der Gesamtfangmengen in der europäischen Fischereipolitik immer noch von herausragender Bedeutung.

Herr Kommissar Borg, wir sind uns einig, dass dem Nachhaltigkeitsprinzip bei der anstehenden Reform der gemeinsamen Fischereipolitik oberste Priorität eingeräumt werden muss. Damit wir diese Reform zum Erfolg führen können, benötigen wir die wissenschaftliche Kompetenz des ICES. Wir brauchen die Wissenschaft zur Analyse der Auswirkungen beschlossener Maßnahmen und für die Prüfung neuer Konzepte.

Aus meiner Sicht führt der Weg zu einer nachhaltigen Fischereipolitik über die folgenden drei Säulen:

  1. Unsere Fischbestände müssen auf der Grundlage wissenschaftlich abgesicherter Pläne nachhaltig bewirtschaftet werden.
  2. Wir brauchen eine starke Kontrolle und fühlbare Sanktionen, um die Regelungen konsequent durchzusetzen.
  3. Zur Sicherung einer nachhaltigen Fischerei ist nicht nur der Staat, sondern auch der Verbraucher gefordert.

Er kann durch seine bewusste Auswahl dazu beitragen, dass die Fischerei nachhaltig bleibt.

In diesem Zusammenhang stellt sich eine ganz wichtige Frage, die in unserem Land besonders die Verbraucher kritisch sehen und von der die grundsätzliche Akzeptanz der Fischerei mit abhängt: Wie können die Rückwürfe beim Fischfang reduziert oder sogar ganz vermieden werden?

Ein wichtiger Aspekt sind dabei auch die immer komplexer werdenden Vorschriften über technische Maßnahmen wie Maschengröße der Netze, Schonzeiten und Mindestanlandegrößen. Diese müssen dringend vereinfacht und überarbeitet werden. Denn teilweise führen sie indirekt zu Rückwürfen, die vermieden werden könnten.

Meine Damen und Herren, es gibt weitere Beispiele, bei denen wir auf Ihren Sachverstand in der Meeresökologie, der Ozeanografie und beim nachhaltigen Ressourcenmanagement angewiesen sind. Vor Kurzem wurde beispielsweise der einmalige Lebensraum des Wattenmeers der südöstlichen Nordsee zum Weltnaturerbe erklärt. Dieser ist nicht nur durch den Klimawandel gefährdet, sondern auch mit den Interessen verschiedener Nutzer konfrontiert. Hier sind insbesondere die Anrainerstaaten sowie die Forschung für eine enge Zusammenarbeit zum Schutz dieser Region gefordert.

Ein weiteres Beispiel sind die Fischereizonen von Nord- und Ostsee. Hier  treffen Fischerei und Stromgewinnung durch Windräder aufeinander. Wir brauchen ein Konzept für eine integrierte Bewirtschaftung, um einen Interessenausgleich zu ermöglichen. Zudem ist die EU-Fischereipolitik gehalten, durch geeignete Maßnahmen die Schutzziele von den so genannten NATURA-2000-Gebieten zu unterstützen.

Auch hier brauchen wir die Unterstützung der Wissenschaft. Der Internationale Rat für Meeresforschung hat bereits die Handlungsfelder und Ansätze für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone aufgezeigt, wie sich nachhaltige Fischerei und Naturschutz miteinander vereinbaren lassen. Bei der geplanten Landverbindung zwischen Deutschland und Dänemark sind die Erkenntnisse von Meeresforschung und Fischereiwissenschaft ebenfalls entscheidend. Dies gilt ebenso für die Gaspipeline, die durch die Ostsee gebaut werden soll.

Meine Damen und Herren,

diese Beispiele führen uns sehr deutlich vor Augen, welche Herausforderungen vor uns liegen. Sie zeigen einmal mehr: Ihr wissenschaftlicher Rat bleibt auch in Zukunft gefragt. Der Internationale Rat für Meeresforschung mit seinen über 1.600 Wissenschaftlern aus 20 Mitgliedsstaaten steht dabei seit über 100 Jahren für Kompetenz und Fortschritt im Zeichen der Nachhaltigkeit unserer Meere.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen interessanten und fruchtbaren Gedankenaustausch über die neusten Forschungsergebnisse mit spannenden Diskussionen.

Der Jahrestagung wünsche ich insgesamt einen erfolgreichen Verlauf.

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Die Ministerin

Ilse Aigner

App in den Wald

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Die Waldfibel gibt es als Broschüre, App fürs iPhone, iPad und Android Smartphone sowie als Windowsprogramm

"Zu gut für die Tonne"

Brot, Käse, Apfel mit Schriftzug zu gut für die Tonne (verweist auf: Zu gut für die Tonne)

Informationen zur BMELV-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung

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