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Eröffnung der Auftaktveranstaltung des Nationalen Aktionsplans "IN FORM"

Datum:
02.12.08
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Kollegin Ulla Schmidt,
meine Damen und Herren!

Der erste Schritt ist oftmals der schwerste, aber wie heißt es schon bei Aristoteles: "Der Anfang ist die Hälfte vom Ganzen". Das kennt jeder, der einen Vorsatz gefasst hat. Mehr Sport, abnehmen, gesünder ernähren, endlich mit dem Rauchen aufhören – das steht jedes Jahr an Silvester ganz oben auf den Hitlisten. Damit es vielleicht dieses Mal nicht beim bloßen Vorsatz bleibt, gibt es eine gute Möglichkeit: den Aktionsplan "IN FORM".

Wir wollen eine Gesamtstrategie für mehr Gesundheit und Lebensqualität, welche die Aktionen und Projekte unserer beider Häuser bündelt. Statt Tagesaktionismus streben wir Stetigkeit und Dauerhaftigkeit an. Dabei setzen wir auf gesunde Ernährung und mehr Bewegung.

Jeder Anfang zählt

Gemeinsam machen unsere beiden Bundesministerien mit der heutigen Veranstaltung zu "IN FORM" den Auftakt. "Jeder Anfang zählt" ist die Aufforderung, die von dem heutigen Tag ausgeht. Wir hoffen, dass möglichst viele mitmachen.

Ich möchte dabei klar sagen: Wir wollen und werden keine Vorschriften machen. Schulmeisterliches Diktat oder Zwang von oben entspricht nicht unserer Vorstellung der Umsetzung eines gesunden Lebensstils.

Wir setzen auf Information, Aufklärung und Motivation. Nehmen Sie den Stadtrat von Los Angeles. Dieser erließ für die Südstadt ein Fastfood-Verbot. Für ein Jahr dürfen in dem Stadtteil keine neuen Imbissläden eröffnet werden. So will man eine gesündere Ernährung der Bevölkerung erreichen. Ich zweifle, ob das der richtige Weg ist. Wir setzen in Deutschland dagegen auf Freiwilligkeit und Vorbilder.

"IN FORM" soll die Wahl für mehr Gesundheit und Lebensqualität erleichtern. Der Gedanke der Prävention rückt in den Mittelpunkt. Es ist jeden Tag aufs Neue möglich, den eigenen Lebensstil positiv zu gestalten.

Gemeinsamkeit zählt

Deutschland in Form zu bringen, ist eine Aufgabe für jeden Einzelnen und für alle gleichermaßen. Wir setzen auf die Einbindung vieler gesellschaftlicher Akteure. Zugleich hat die öffentliche Hand eine besondere Vorbildfunktion, wie es auch als erstes Handlungsfeld des Aktionsplans definiert ist.

Das zeigt auch das Programm unserer Auftaktveranstaltung. Gleich kommen Vertreter der Länder und Kommunen auf die Bühne, heute Nachmittag Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden. Sie alle arbeiten mit, damit der Nationale Aktionsplan "IN FORM" mit Leben gefüllt wird. Für ihre wichtige Arbeit sei allen Beteiligten herzlich gedankt. Denn unsere Aktionen und Projekte werden dadurch besser in der Bevölkerung verankert. Dafür möchte ich Ihnen meinen Dank aussprechen, denn nur mit vereinten Kräften werden wir unser Ziel erreichen. Es gibt an vielen Orten in Deutschland bereits gute Ideen, die auch Inspiration für andere sein können. Hier ist Abschauen und Nachahmen ausdrücklich erlaubt.

Die geplante gemeinsame Geschäftsstelle "IN FORM" unserer beiden Ministerien bringt zum Ausdruck, dass wir Aktionen bündeln und sie unter dem Dach des Aktionsplans zusammenfassen.

Die Angebote zu einer besseren und gesünderen Ernährung müssen ergänzt werden durch Bewegungsanreize. Im Kindergarten und in der Schule müssen Sportstunden fester Bestandteil des Stundenplans sein. Vor allem dürfen sie nicht so oft ausfallen. Durch kleine Veränderung im Verhalten lässt sich zudem der Alltag der Erwachsenen aktiver gestalten. Im Folgenden will ich mich auf den Bereich Ernährung konzentrieren.

Jede Lebenssituation zählt

Ein gesunder und bewusster Lebensstil findet heute immer mehr Anhänger. Man ist nie zu jung oder zu alt, um sich dafür zu entscheiden. Gesundheit fängt nicht zuletzt beim Essen an. Unserem Ernährungsverhalten kommt eine Schlüsselfunktion zu. Hier müssen wir bei der Aufklärung anfangen, denn vielfach ist das Wissen über die Nahrungsmittel und eine gesunde Ernährung verloren gegangen.

Das zeigen uns auch die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie II, die im Auftrag meines Hauses vom Max-Rubner-Institut durchgeführt wurde. So essen zum Beispiel 60 Prozent der Deutschen zu wenig Obst. Mit zunehmendem Alter nimmt der Verzehr von Milch und Milchprodukten als wichtigem Calciumlieferanten ab. Einseitige Ernährung durch zu viele Süßigkeiten ist vor allem bei Jugendlichen ein Problem.

Mein Ministerium hat bereits ein ganzes Bündel an Maßnahmen entwickelt, das dazu animiert, sich über Fragen der Ernährung zu informieren und selber aktiv zu werden. Ernährungskompetenz ist auch Lebenskompetenz.

Lassen Sie mich im folgenden fünf Beispiele für solche Maßnahmen nennen:

  1. Gutes, sinnvolles Essen will gelernt sein. Viele Ernährungsgewohnheiten behält man ein Leben lang. Deswegen fangen Ernährungsbildung und Präventionsarbeit vor allem bei Kindern an. Eine besonders erfolgreiche Aktion ist der aid-Ernährungsführerschein, der als gemeinsames Projekt meines Ministeriums zusammen mit den dem Deutschen Landfrauenverband gefördert wird. Dabei lernen Drittklässler, woher die Lebensmittel kommen und was man alles Leckeres und Gesundes daraus machen kann. 79.500 Kinder haben seit Projektbeginn den Ernährungsführerschein erworben – ich finde, das ist ein schöner Erfolg.

    Sowohl in ländlichen Regionen wie auch in Städten wollen wir daher den aid-Ernährungsführerschein weiter verstärken. Im städtischen Bereich setzen wir ab dem kommenden Schuljahr auf die Kooperation mit den "Klasse 2000"-Gesundheitsförderern. Derzeit arbeiten wir an einer Weiterentwicklung des Ernährungsführerscheins für die 5. und 6. Klassen. Theoretische und praktische Ernährungsbildung sollte sich vom Kindergarten bis zum Abitur durch alle Schulstufen und Schularten wie ein roter Faden ziehen.

  2. Lassen Sie mich ein weiteres Beispiel nennen: "5 am Tag" heißt die Kampagne unter Federführung meines Ministeriums, die Kindern und Jugendlichen mehr Lust auf Obst und Gemüse machen soll. Fünf Portionen pro Tag wirken sich positiv auf Gesundheit und Leistung aus.
    Wir haben uns in der Europäischen Union vor zwei Wochen darauf geeinigt, ein Schulobstprogramm ins Leben zu rufen. Ab dem Schuljahr 2009/2010 werden insgesamt 90 Millionen Euro für die Verteilung von Obst und Gemüse in Kindergärten und Schulen zur Verfügung gestellt. Mit der richtigen Portionsgröße und guter Aufmachung greifen Kinder und Jugendliche, so hoffe ich, lieber zum Apfel statt zum Schokoriegel.
  3. Damit bin ich bei meinem dritten Punkt: Gesundes Essen ist nicht nur bei Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung, sondern in jedem Lebensalter. Muskelmasse und Stoffwechsel verändern sich, je älter man wird. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Ernährungsgewohnheiten. Den verschiedenen Lebenssituationen älterer Menschen durch ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung zu begegnen, ist die Motivation für die Aktion "Fit im Alter".
  4. Aber auch die Milch als Nahrungsmittel gilt es wieder schätzen zu lernen, gerade von Jugendlichen. Dank des Schulmilchprogramms gehört Milch wieder an vielen Schulen zum Alltag. Daher unterstützt mein Ministerium die Anstrengungen der Bundesländer zur Ausweitung des Programms.
  5. Letztes Beispiel - Essen ist mehr als Energieaufnahme. Es hat eine soziale und kulturelle Dimension. Diese tradierte Esskultur bleibt in unserer schnelllebigen Zeit oftmals auf der Strecke. Mit den ersten deutschen Geschmackstagen, die in Lüneburg unter dem Motto "Köstliches Deutschland" stattfanden, wollen wir dem entgegenwirken. Wir wollen auch im nächsten Jahr wieder ein Zeichen für Geschmack, Esskultur und Geselligkeit mit diesen Tagen setzen.

Meine Damen und Herren, ein kontinuierlicher Wachstumsmarkt für die Ernährungsindustrie ist die Außer-Haus-Verpflegung. Schon heute geben die Menschen in Deutschland pro Jahr rund 18 Milliarden Euro für das Essen in Restaurants, Kantinen, Schulen, Heimen oder Pflegeeinrichtungen aus. Der Stellenwert der Küche als zentraler Dreh- und Angelpunkt des Famlienlebens nimmt in seiner Bedeutung ab. In New York werden sogar schon erste Wohnhäuser ohne Küchen gebaut, um diesem Lebensstil Rechnung zu tragen.

Im Auftrag meines Ministeriums erarbeitet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) Qualitätsstandards. Unter dem Titel "Schule + Essen = Note 1" stehen die Kriterien für die Einführung und Umsetzung eines vollwertigen Verpflegungsangebotes, die auch in Abstimmung mit den Ländern entstanden. "Job und fit" beschreibt die Standards in der Betriebsverpflegung. Die erste Kantine Deutschlands, die nach den aktuellen Standards von "Job und fit" zertifiziert wurde, ist die meines Ministeriums in Bonn. Wir gehen mit gutem Beispiel voran.

Noch in diesem Jahr sollen die Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen veröffentlicht werden. 2009 sollen diese für Senioreneinrichtungen folgen. Spezielle Standards für sensible Bereiche wie Krankenhäuser oder Rehabilitationseinrichtungen sind in Vorbereitung.

Meine Damen und Herren, Sie merken: Wir wollen es nicht bei guten Vorsätzen belassen, sondern konkret handeln. Heute machen wir den Anfang. "Sei die Veränderung, die du selbst bewirken willst" – so hat Mahatma Gandhi seine Aufforderung formuliert. Sie alle sind ein Teil des Aktionsplans "IN FORM". Lassen Sie uns gemeinsam arbeiten für mehr Lebensqualität, gesunde Ernährung und mehr Bewegung!

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Die Waldfibel gibt es als Broschüre, App fürs iPhone, iPad und Android Smartphone sowie als Windowsprogramm

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Informationen zur BMELV-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung

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