"Wir brauchen gemeinsame Aktivitäten"
Ernährungsdienst
- Datum:
- 09.04.09
Der Export ist mittlerweile eine sehr wichtige Stütze der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV), setzt sich intensiv für mehr Ausfuhren ein.
Frage: Welche Länder oder Regionen besitzen im Hinblick auf Fleischexporte für Sie besondere Priorität?
Antwort: Die Förderung der Exporte von Fleisch und Fleischerzeugnissen ist einer der Schwerpunkte des im November 2008 von Bundesministerin Aigner vorgestellten "Aktionsplans Exportförderung". Ziel ist die Öffnung und das Offenhalten der Märkte in wichtigen Volkswirtschaften wie Russland, China, Japan oder auch Südkorea. Aber auch Südafrika, Taiwan, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Indien gehören zu den Zielregionen.
Frage: Welche Rolle spielt Russland?
Antwort: Russland ist für die Bundesrepublik einer der wichtigsten Partner außerhalb der euro-atlantischen Strukturen. Es ist der wichtigste Drittlandsmarkt für Erzeugnisse der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. So stiegen die Exporte nach Russland im Jahr 2008 um 25,5 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. Nahrungsmittel tierischen Ursprungs konnten 2008 für fast 700 Millionen Euro nach Russland geliefert werden, eine Steigerung um fast 50 Prozent gegenüber 2007.
Frage: Hat Russland Interesse an besonderen Maßnahmen?
Antwort: Die Strategie der Exportförderung ist partnerschaftlich und auf nachhaltigen Ausbau der Außenwirtschaftsbeziehungen ausgerichtet. Der Transfer von Know-how und Technologie gehört dazu. Russland ist ein Schwerpunktland des bilateralen Kooperationsprogramms unseres Ministeriums. Seit 1993 sind in die von uns finanzierte Projektarbeit rund 22 Millionen Euro geflossen. Ein so genanntes "Leuchtturmprojekt" ist der deutsch-russische Agrarpolitikdialog. Dieses Gremium hat die Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Kontakte im Agrarsektor zum Ziel. Ein weiterer Aspekt ist die Einrichtung eines Deutschen Tierzuchtzentrums im Gebiet Woronesch gemeinsam mit deutschen und russischen Wirtschaftspartnern. Kleinere Projekte befassen sich mit der Förderung genossenschaftlicher und überbetrieblicher Zusammenarbeit von Hauswirtschaften und kleinbäuerlichen Betrieben. Auch die Erstellung von Fachbüchern in russischer Sprache für Aus- und Weiterbildungszwecke gehört dazu.
Frage: Wie wichtig sind Veterinärabkommen?
Antwort: Mit Wirkung zum 1. Januar 2008 wurde in der Veterinärabteilung ein neues Referat eingerichtet, das sich ausschließlich mit Veterinärangelegenheiten im Export beschäftigt. Die im Jahr 2008 erzielten Fortschritte in den Veterinärverhandlungen mit Drittländern rechtfertigen diese Entscheidung und den Einsatz zusätzlicher Ressourcen.
Frage: Welche weiteren Maßnahmen verfolgen Sie?
Antwort: Der Aktionsplan Exportförderung bündelt die Maßnahmen zur Handels- und Marktpolitik, zu Messen und Ausstellungen, zu phytosanitären und veterinärrechtlichen Fragen. Hinzu kommen die internationale Projektarbeit sowie die Kooperation in bi- und multilateralen Gremien. Der Aktionsplan definiert die Schwerpunkte der Exportförderaktivitäten des Jahres 2009 und folgende in Osteuropa/Zentralasien, China, Süd- und Ostasien als regionale sowie für Fleisch, Milch und Pflanzen als produktspezifische Handlungsfelder. Er wird laufend in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft an neue Entwicklungen angepasst.
Frage: Suchen und erhalten Sie Unterstützung in der Praxis?
Antwort: Ich stehe in ständigem Dialog mit einer Vielzahl von Wirtschaftsvertretern aus Verbänden und Unternehmen der einzelnen Sektoren. Dazu gehören Vertreter der großen Dachverbände sowie eine Reihe kleiner und mittelständischer Unternehmen. Sie geben mir ein realistisches Bild von den Chancen und Herausforderungen, denen sich die Exportwirtschaft täglich stellen muss.
Frage: Benötigt die deutsche Agrarwirtschaft für den Export Marketing?
Antwort: Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ist überwiegend klein- und mittelständisch geprägt. Eigenständige Marketingaktivitäten sind für das einzelne Unternehmen oftmals schlicht zu teuer. Man braucht gemeinsame Aktivitäten, um beispielsweise Werbung für den einzelnen bezahlbar zu halten. Hinzu kommen Erschließungskosten für neue Märkte. Das können einzelne Unternehmen nicht leisten. Der gemeinsame Ansatz und die gemeinsame Finanzierung solcher Kampagnen werden gebraucht. Daher sehe ich den gegenwärtig geführten Gesprächen der Verbände der Land- und Ernährungswirtschaft über privatrechtliche Konzepte zur Weiterführung gemeinsamer Marketingaktivitäten erwartungsvoll entgegen.
Quelle: Ernährungsdienst
- Interview mit:
- Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Gerd Müller
- Fragen von:
- Dr. Jürgen Struck

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